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Andreas Henning
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Andreas Henning

Museum Wiesbaden

Museum Wiesbaden: „Kunst muss man im Raum erleben“

Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden, erklärt im Interview, welche neuen Wege die Pandemie aufgezeigt hat - und warum das Zusammenkommen trotzdem unersetzlich ist.

Herr Henning, wie hat sich das Museum Wiesbaden auf seine Wiederöffnung vorbereitet?

Mit großer Freude und mit einem ausgeklügelten Besucher-Management-System. Damit haben wir schon während der Öffnungswochen im März Erfahrungen gesammelt. Die Besucherinnen und Besucher buchen im Onlinesystem vorab ein Einlassticket, das dann ein Zeitfenster von einer halben Stunde hat, innerhalb der sie ins Haus kommen. Insbesondere in den Bereichen der Sonderausstellungen können wir dadurch besser kontrollieren, wie viele Gäste gleichzeitig in den Ausstellungsräumen sind. Besuchermanagement ist unser Kerngeschäft. Als Museum machen wir das eigentlich immer, jetzt natürlich unter den verschärften Bedingungen der Pandemie.

Wo sehen Sie mögliche Probleme?

Ich sehe eigentlich allenfalls das Problem, dass unter Pandemiebedingungen der Gesamtzutritt zum Museum sehr viel stärker reduziert ist. Da kann es an verschiedenen Stellen vorkommen, dass Tickets einfach auch ausgebucht sind. So hatten wir das im März erlebt, und so wird es vielleicht auch jetzt das eine oder andere Mal der Fall sein.

Im März hatte das Museum zwei Wochen geöffnet. Wie haben Sie diese Zeit empfunden?

In diesem kurzen Zeitfenster haben wir unser neues Online-Ticketing-System eingeführt. Zudem haben die 15 Tage gezeigt, dass es einen Hunger nach Kultur gibt. Die Sonderausstellung über August Macke damals war sehr schnell ausgebucht. Nicht zuletzt ist wieder einmal klargeworden, dass ein Museum nur mit Publikum Sinn hat. Dass ein lebendiges, gefühltes Museum mit Besucherinnen und Besuchern einfach das ist, wofür wir leben und arbeiten.

Auf was freuen Sie sich jetzt besonders?

Museum Wiesbaden

Andreas Henning ist Direktor des Museums Wiesbaden, das am 2. Juni seinen Betrieb wieder aufgenommen hat.

Vier neue Sonderausstellungen stehen neben den Dauerausstellungen zu Kunst und Natur auf dem Programm. Dafür war die Schau „August Macke – Paradies! Paradies?“, die vom 30. Oktober 2020 bis 9. Mai angelegt war, nur an wenigen Tagen im März für Publikum zugänglich und konnte ansonsten nur online erlebt werden. Doch die vergangenen Monate hätten gezeigt, sagt Henning, „dass Kultur allein auf digitalen Kanälen keine Option ist“. myk
Foto: Museum Wiesbaden / Bernd Fickert

Das sind die Begegnungen – Begegnungen sowohl zwischen den Objekten und den Besucherinnen und Besuchern als auch natürlich überhaupt die Begegnungen mit unseren Gästen hier im Haus. Eine Museumslebendigkeit. Die fehlt uns doch jetzt schon sehr lange.

Was nehmen Sie aus den vergangenen Monaten mit?

Wir nehmen natürlich das Online-Ticketing-System mit. Das wird dauerhaft Bestand haben. Wir nehmen sicherlich auch die Erfahrungen mit den digitalen Vermittlungs-Tools mit, wie zum Beispiel bei Onlineworkshops oder Vorträgen, die man auch digital anbieten kann. Das werden wir auf jeden Fall übernehmen, denn wir haben gemerkt, dass dadurch Menschen teilnehmen können, die vielleicht für einen Vortrag nicht angereist wären. Bei alldem wollen wir natürlich den Fokus wieder auf das Zusammenkommen vor Ort legen.

Worauf können sich die Besucherinnen und Besucher freuen?

Wir starten mit vier neuen Sonderausstellungen. Zwei zum Bereich der Kunst im 19. Jahrhundert, eine große Schenkung von Jan und Friederike Baechle, die im Grunde schon seit November aufgebaut ist, aber noch kein Publikum hatte. Parallel dazu haben wir mit Eigenbeständen eine große Sonderausstellung zur Gesamtentwicklung des 19. Jahrhunderts aufgebaut. Dann gibt es im Bereich Natur die große Sonderausstellung Kristalle, die fast ein ganzes Jahr laufen wird und nun endlich beginnen kann, nachdem sie eigentlich für März vorgesehen war. Im Bereich der zeitgenössischen Kunst haben wir einen Bildhauer aus Hamburg, Frank Gerritz, den wir in einer monografischen Ausstellung zeigen. Dazu hatten wir vor zwei Wochen immerhin die virtuelle Eröffnung, aber natürlich noch keine Gäste im Haus, und freuen uns, dass auch diese Werke nun endlich wahrgenommen werden können.

Was ist der Unterschied zum digitalen Museumserlebnis?

Gerade an diesen Werken merkt man, dass die digitale Vermittlung nicht ausreicht. Die Kunst muss man im Raum erleben, man muss sie umrunden können, um Lichtreflexe und Eigenspiegelungen im Kunstwerk zu erkennen. Das lässt sich digital nicht imitieren.

Interview: Alina Hanss

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