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Museum statt Mülltonne

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Historiker Bernd Blisch freut sich über Objekte mit Bezug zur Stadtgeschichte.
Historiker Bernd Blisch freut sich über Objekte mit Bezug zur Stadtgeschichte. © Michael Schick

Jedes Jahr schenken Bürger dem Stadtmuseum Wiesbaden zahlreiche Gegenstände. Die sind nun in der Ausstellung "Geschenkt und Gekauft" zu sehen.

Von Sebastian Wenzel

Der Wissenschaftler Bernd Blisch freut sich über ein Puppenhaus. Für den Historiker ist das Spielzeug eine Zeitkapsel. Ein Tischler zimmerte um 1912 die Miniatur-Küche und das Schlafzimmer mit den roten Stühlchen, weißen Bettchen und braunen Schränkchen. „Die Puppenstube verrät uns, wie Häuser in der Vergangenheit eingerichtet waren“, sagt Blisch.

Das Spielzeug ist ein Forschungsgegenstand. Es gehört dem Stadtmuseum Wiesbaden und trägt die Inventarnummer 2927. Es ist eines von tausend Objekten, die Bürger dem Museum in den vergangenen zwei Jahren überließen. Einige davon können Interessierte in der Ausstellung „Geschenkt und Gekauft“ bewundern. Diese ist bis zum 25. Januar 2013 im Schaufenster Stadtmuseum geöffnet.

Broschen, Faltblätter und Fotos

Die Ausstellung ist sozusagen Werbung in eigener Sache. Museumsdirektor Hans-Jörg Czech sucht ständig Gegenstände für sein Museum. „Geschenkt und Gekauft“ soll zeigen, dass er und seine Mitarbeiter sich nicht nur für Gemälde und Skulpturen interessieren. „Wir freuen uns auch über Alltagsgegenstände wie Broschen, Faltblätter oder Fotos“, sagt Czech. Wichtig ist, dass die Objekte einen Bezug zur Geschichte der Landeshauptstadt haben. Wie zum Beispiel die Einladung zu einem Schulkonzert im Oberlyceum.

Bomben zerstörten im Zweiten Weltkrieg die Schule am Schlossplatz. Sie wurde nicht wieder aufgebaut. Trotzdem gilt sie neben dem Foyer des Hessischen Staatstheaters als bedeutendstes Bauwerk von Felix Genzmer, dem ehemaligen Stadtbaumeister Wiesbadens. Czech sucht deshalb Objekte aus dem Umkreis der Schule.

Versteckte Schätze

Im Moment hängt die Einladung zum Schulkonzert an einer Wand im Schaufenster Stadtmuseum. Strahler rücken sie ins rechte Licht. Normalerweise lagert sie wie alle Gegenstände des Museums in einem der zahlreichen Depots. Diese sind über die ganze Stadt verteilt. Die exakten Standorte sind geheim.

Kein Verbrecher dürfe wissen, wo sich die Schätze der Stadtgeschichte versteckten, sagt Czech. Unterschiedliche Temperaturen in den Räumen sollen sicherstellen, dass die Gegenstände der Nachwelt erhalten bleiben. Das ist für Czech wichtig. Schließlich übernimmt das Museum die Verantwortung für ein Objekt, sobald es sich in der Sammlung befindet. Aus diesem Grund akzeptieren die Verantwortlichen auch nicht alle Gegenstände.

Bloß keine Schreibmaschinen

Zeitgenössische Kunst gehört nicht zum Sammelauftrag. Und Röhrenfernseher oder Schreibmaschinen können Czech und Blisch nicht mehr sehen. Das Stadtmuseum besitzt inzwischen genug davon. Unglaublich viele Menschen böten die Geräte an, sagt Czech. Vor allem, nachdem die Großeltern gestorben seien und die Hinterbliebenen die Fernseher und Schreibmaschinen im Wohn- oder Arbeitszimmer entdeckten. Aber über andere Gegenstände würden sich die zwei Wissenschaftler freuen.

„Im kommenden Jahr ist es fünfzig Jahre her, dass der damalige US-Präsident John F. Kennedy in Wiesbaden war. Aus diesem Grund suchen wir im Moment Fotos, Faltblätter oder andere Gegenstände, die an diesen besonderen Tag der Stadtgeschichte erinnern“, sagt Blisch.

Wer im Besitz solcher – oder anderer historisch interessanter – Objekte ist, kann sich unter der Telefonnummer 0611/34132877 melden. Oder er schreibt eine E-Mail an stadtmuseum@wiesbaden.de. Geld gibt es für die Objekte übrigens in der Regel nicht. Nur ganz selten kaufen die Verantwortlichen Gegenstände fürs Museum, zum Beispiel um eine Sammlung zu vervollständigen.

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