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Mountainbiker wollen Rennstrecke

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Runter geht's immer - Mountainbiker wollen eine Downhill-Strecke im Wiesbadener Stadtwald.
Runter geht's immer - Mountainbiker wollen eine Downhill-Strecke im Wiesbadener Stadtwald. © ddp

Der Mountainbike-Verein "Gravity Pilots" aus Eltville wünscht sich eine Rennstrecke im Wiesbadener Stadtwald. Umweltdezernentin Thies ist strikt dagegen. Von Sabine Müller

Von Sabine Müller

Von der Eisernen Hand, der Platte oder der Hohen Wurzel steil hinunter durch den Stadtwald auf einer eigenen Spezialstrecke - davon träumen die Mountainbiker des Eltviller Vereins Gravity Pilots. "Down Hill" nenne sich diese Disziplin, für die es im ganzen Rhein-Main-Gebiet bislang keine legale Trainingsstrecke gebe, sagt der Vereinsvorsitzende Sebastian Kammerer, der 74 Mitglieder vertritt.

Momentan sieht es allerdings nicht so aus, als könnte der Wunsch in Erfüllung gehen. Denn die Wiesbadener Umweltdezernentin Rita Thies (Grüne) hält gar nichts davon, Mountainbiker im Stadtwald anderswo als auf Wanderwegen rollen zu lassen.

"Wir schlagen doch keine Schneise in den Wald", sagt sie. Der Stadtwald sei ein Flora-Fauna-Habitat (FFH): "Das mache ich nicht kaputt".

Das sagte sie vor ein paar Tagen auch im Umweltausschuss. Der Jamaika-Antrag wurde daraufhin auf die Zeit nach der Sommerpause verschoben. Der Sportausschuss hatte sich zuvor für die Mountainbike-Strecke ausgesprochen.

Biker Sebastian Kammerer hat jetzt fast acht Wochen Zeit, um eine Powerpoint-Präsentation vorzubereiten, die auch die Grünen im Umweltausschuss von der Down-Hill-Strecke überzeugt. "Kein Baum muss dafür gefällt werden", versichert er. Die zwei Kilometer lange Strecke müsse man sich wie einen natürlichen, schmalen Trampelpfad vorstellen. Die Mountain-Biker bauten sich lediglich einige Hügel aus Erde oder Holz für Sprünge ein. Die Natur nehme keinen Schaden, versichert er. Dort wo die Strecke Waldwege kreuze, würden Holzdurchfahrungen errichtet. Sie zwängen die Biker zum Abbremsen und Langsamfahren.

Dezernentin Thies sieht das anders: "Die Biker dürfen die Erholungssuchenden nicht stören", sagt sie. Es sei zu gefährlich, wenn Sportler mit Tempo 80 die Hänge hinuntersausten, und Wege querten, wo Jogger und Erholungssuchende unterwegs seien - oder Radler mit maximal erlaubten 30 Stundenkilometern.

Astrid Wallmann, Kreisvorsitzende der Jungen Union und Wiesbadener Landtagsabgeordnete, widerspricht Thies. "Der Wald ist groß genug", sagt sie. Mit "etwas gutem Willen" lasse sich sicher ein Gebiet für den Verein finden. Die Umweltdezernentin bügele eine gute Idee "aus grüner Ideologie" ab. Die Junge Union unterstütze die Gravity Pilots in ihrem Streben, ein neues Freizeitangebot für Jugendliche zu schaffen. Unfälle seien eher bei einer unkontrollierten Nutzung des Waldes zu befürchten.

Eine legale Strecke verhindere illegales Biken nicht, glaubt aber Thies. Und sie hat noch ein weiteres Argument: Sie verstehe nicht, warum ein kleiner Verein aus Eltville überhaupt so viel Druck auf Wiesbaden mache. Für sie sei doch der Rheingau-Taunus-Kreis zuständig.

"Wir haben eben viele Mitglieder, die aus Wiesbaden kommen", kontert der Gravity-Pilot-Vorsitzende Kammerer. Und macht klar: Wenn der Vereinssitz das Problem sein sollte, dann könne man den ja verlegen. Oder eine Kooperation mit einem Sportverein in Wiesbaden eingehen.

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