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Motorroller entlarvt Täter

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Polizei verhaftet mutmaßliche Bankräuber nach Verfolgung durch die Innenstadt

Von Fabian Siegel

Der gewöhnliche Bankräuber funktioniert nach einem bestimmten Muster. Davon ist die Polizei überzeugt. Läuft beim ersten Versuch alles glatt, sehen viele Täter wenig Anlass, die „Erfolgsmethode“ beim zweiten Mal zu ändern. Genau das ist zwei jungen Männern in Wiesbaden nun zum Verhängnis geworden: Durch ihre Vorliebe für auffällige Motorroller machten sie die Polizei auf sich aufmerksam.

Kurz nach Filialöffnung stürmten die beiden gestern Morgen die Volksbank in Schierstein. Mit vorgehaltener Waffe erbeuteten sie 16.000 Euro und machten sich mit dem Geld aus dem Staub – auf einem auffälligen rotbraunen Roller mit Frontscheibe, drei Scheinwerfern und mehreren bunten Aufklebern am Heck. Das ließ die Wiesbadener Fahnder aufhorchen: Bereits im vergangenen November hatten zwei Bankräuber die Volksbankfiliale in Dotzheim überfallen – das Fluchtfahrzeug damals: Ein rot-silber-grüner Roller mit protzigem silbernen Gepäckträger.

„Unserer Fahnder haben sich daraufhin vor dem Haus von zwei Männern postiert, die wir bereits wegen des Überfalls im November unter Verdacht hatten“, sagte Polizeisprecher Markus Hoffmann. Als die beiden 21- und 24-Jährigen gestern die Zivilstreife vor ihrer Wohnung im Bergkirchenviertel bemerkten, seien sie in einem Auto geflüchtet. Die anschließende Verfolgung durch die Innenstadt endete in der gut einen Kilometer entfernten Klingerstraße, wo die beiden mit einem anderen Fahrzeug kollidierten. Die bei den mutmaßlichen Tätern aufgefundenen Gegenstände hätten auch den seit November bestehenden Verdacht bestätigt, teilte die Polizei mit. Beide Männer sollen in Kürze dem Haftrichter vorgeführt werden.

Auch wenn spektakuläre Fälle wie dieser ein anderes Bild vermitteln: Banküberfälle sind in Wiesbaden eine Seltenheit. Im vergangenen Jahr hat es laut Polizei nur zwei weitere Überfälle gegeben: Im Juli hatte ein Mann eine Bank an der Steinmetzstraße überfallen und war anschließend auf einem roten Fahrrad geflüchtet. Fünf andere Bankräuber hatten sich bereits Ende Juni die gleiche Dotzheimer Filiale ausgesucht wie die beiden am Donnerstag gefassten Männer. „Beide Fälle wurden aufgeklärt“, sagt Hoffmann.

Großen Anteil an den Erfolgen hätten die immer besseren Sicherheitssysteme der Banken. „Es gibt heute Tresore, die größere Beträge nur zeitverzögert auszahlen“, so Hoffmann.

Eine solche Vorrichtung gebe es in der überfallenen Schiersteiner Filiale zwar noch nicht, teilte die Wiesbadener Volksbank mit. „Die modernen Überwachungsanlage in der Bank hat aber stechend scharfe Bilder von den Tätern geliefert“, sagte ein Sprecher des Geldinstituts. Solche Aufnahmen würden die Suche erleichtern. „Dennoch zeigt der aktuelle Fall, dass anscheinend immer noch die irrige Auffassung herrscht, Banküberfälle könnten sich lohnen.“

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