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Ali B. beim Prozessauftakt im März vor dem Landgericht Wiesbaden.

Mordfall Susanna

Vergewaltigung nicht nachweisbar

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Der Angeklagte Ali B. gibt zu, die 14-Jährige erwürgt zu haben, die Vergewaltigung leugnet er aber.

Eine Rechtsmedizinerin hält die Aussagen des Angeklagten Ali B. darüber, wie er die 14-jährige Susanna getötet haben will, im Wesentlichen für plausibel. Dass das Mädchen in seinem Würgegriff nach vier bis sieben Minuten gestorben sei, sei nachvollziehbar, sagte Stefanie Plenzig vom Institut der Rechtsmedizin. Ihr gestern vor dem Landgericht Wiesbaden vorgetragener Bericht ergibt keine groben Unstimmigkeiten zu den Erklärungen des Angeklagten. Ali B. wird beschuldigt, das Mädchen vergewaltigt und getötet zu haben und steht seit Mitte März dafür vor Gericht.

Aufgrund des vorangeschrittenen Fäulnisprozesses der Leiche seien einzelne Aussagen jedoch nicht mehr nachvollziehbar, erklärte die Sachverständige. Der 22 Jahre alte Iraker hatte bereits zum Prozessauftakt gestanden, Susanna aus Mainz am 23. Mai 2018 erwürgt zu haben. Die ihm von der Staatsanwaltschaft vorgeworfene Vergewaltigung leugnet er allerdings. Da der Leichnam erst zwei Wochen nach der Tötung gefunden worden sei, ließen sich Vergewaltigungsspuren nicht mehr zweifelsfrei nachweisen, sagt Plenzig.

Auch die von Ali B. beschriebenen Verletzungen im Gesicht, die sich Susanna kurz vor ihrem Tod durch einen Sturz zugezogen haben sollen, ließen sich nicht mehr feststellen. Ali B. hatte behauptet, das Mädchen sei nach dem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr hingefallen, weshalb es aus Ärger über die Wunden und den Dreck an der Kleidung zum Streit gekommen sein soll. Dem Gutachten zufolge sei die Totenstarre noch nicht vollständig eingetreten gewesen, als der Leichnam in das Erdloch gelegt wurde. Demnach muss das tote Mädchen etwa zwei Stunden nach seiner Ermordung begraben worden sein. Plenzig konnte nicht ausschließen, dass ein einzelner kräftiger Mann, wie Ali B. es ist, innerhalb dieser Zeit ein tiefes Loch graben könne. Im Zuge des Verfahrens war vermutet worden, Ali B. müsse dabei Helfer gehabt haben. Diese Frage bleibt nun weiterhin offen.

An der Wolljacke des Mädchens sind zwar DNA-Spuren auch anderer Personen entdeckt worden. Doch für die Nebenklägervertreterin Petra Kaadtmann ist dies belanglos, da sie auch bei einem vorangegangenem Treffen an die Jacke gekommen sein können.

Klar ist jedoch, dass der Leichnam auf dem Rücken vom Tatort fortgeschleift worden sein muss. Laut einem anderen Gutachten lassen sich die Steinchen, die Erde und sogar ein fast sieben Zentimeter großer Kaninchenknochen im Slip der Toten nicht anders erklären. Der Beschuldigte hatte bereits angegeben, Susanna mit ihrer um ihren Kopf gebundenen Strickjacke ins Erdgrab gezogen zu haben. Die Beweisaufnahme dauert bis 19. Juni an.

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