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Die Skulptur vereint Kunst, Wissenschaft und Architektur.
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Die Skulptur vereint Kunst, Wissenschaft und Architektur.

Wiesbaden

Mit dem Drucker wird in Wiesbaden ein Haus gebaut

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Kunstprojekt fragt nach klimafreundlicher Lebensweise.

Die Düse verteilt das Lehmgemisch auf dem halbfertigen Häuschen wie Sahne aus einer Konditorenspritztülle, natürlich in viel größerem Maßstab – die Düse hängt an einer kranhohen Maschine. Zentimetergenau im Zickzack läuft das Material auf die Lehmschichten, sodass Hohlräume entstehen. Langsam wachsen am Mittwoch die Wände nach oben. Es fehlt noch etwa ein Viertel der wunderlichen Hütte, die auf dem Kranzplatz gegenüber der hessischen Staatskanzlei gebaut wird. Wobei „bauen“ das falsche Wort ist. Die computergesteuerte Maschine „druckt“ das Häuschen. Heute soll das Dach gedruckt werden.

Die gemeinnützige TinyBe-Gesellschaft möchte mit Kunst, Wissenschaft und Architektur eine Lösung für die Wohn- und Klimaprobleme der Zukunft finden. Der Klimakiller Beton wird nicht verarbeitet. Bis September stellt die Gesellschaft im Rhein-Main-Gebiet kleine Häuschen, begehbare Skulpturen, aus, um neue nachhaltige Formen des Bauens zu präsentieren.

Die Vorlage der Wiesbadener Skulptur stammt von der US-amerikanischen Künstlerin Alison Knowles, die 1967 das „House of Dust“ entwarf. Das italienische Unternehmen 3dWasp, das in Massa Lombarda schon größere Häuser aus Lehm gedruckt hat, das Wiesbadener Architekturbüro Zaeske bda und TinyBe machten Knowles Entwurf umsetzungsfähig. Das Haus besteht aus Lehm, Kalk und Reisspelzen.

„Wir möchten über künftige Formen des Lebens nachdenken und darüber, mit wie viel Raum wir auskommen“, erläutert Wolfgang Wershoven, Projektleiter bei TinyBe. Im Falle der Wiesbadener Skulptur sind es etwa acht Quadratmeter. Ein Holzdach soll es regensicher und ein Plexiglasfenster zum Himmel taghell machen. Zukunftsweisend ist laut Wershoven die Herstellung per 3D-Drucker: „Man findet keine Handwerker mehr, es geht ohne, und es ist kostengünstig.“

Darüber, dass eine Skulptur von Knowles in Wiesbaden errichtet wird, ist Jörg Daur, stellvertretender Direktor des hessischen Landesmuseums, besonders glücklich. Die heute 88-jährige Knowles war im September 1962 bei einem Kunst-Happening in Wiesbaden dabei, das Geschichte schrieb. Damals wurde bei den Internationalen Festspielen neuster Musik ein Klavier zertrümmert. Das Ereignis wurde als eine der ersten Veranstaltungen der Fluxus-Bewegung in Europa bekannt.

„Wir haben oft das Problem, wie wir Fluxus neu zeigen können“, sagt Daur. Mit der begehbaren Skulptur gelinge der historische Blick, der Blick in die Jetztzeit und in die Zukunft.

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