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Volker Blees.

Verkehr

„Misstrauen gegenüber der Politik“

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Volker Blees , Professor für Verkehrswesen, hat erlebt, dass Unterstellungen wichtiger genommen werden als Fakten.

Darüber, wieso die Menschen immer öfter Vorbehalte gegen Infrastrukturprojekte haben, macht sich Volker Blees berufsbedingt Gedanken. Das Votum gegen die Citybahn hat auch Wiesbadener Ursachen.

Herr Blees, was ist in Wiesbaden falsch gelaufen?

Es gibt es nicht nur einen Grund sondern eine Gemengelage. Generell registrieren wir eine zunehmende Veränderungsfeindlichkeit. Immer mehr Menschen fühlen sich bedroht und sind unwillig, sich dem ständigen Fortschritt anzupassen. In Wiesbaden gibt es noch weitere Aspekte.

Haben Sie denn Einblick in die Wiesbadener Situation?

Ich hatte in den vergangenen zwei Jahren mehrmals Kontakt zu Citybahn-Gegnern. Da war ein Unbehagen und Misstrauen gegenüber der Wiesbadener Kommunalpolitik zu spüren. Grundsätzlich wird unterstellt: Wenn die was wollen, steht ein eigener Vorteil dahinter. Und zwar ganz pauschal, ohne sich mit den Gründen für eine Citybahn auseinanderzusetzen.

Da spielt doch gewiss auch fehlende Information eine Rolle.

Den Citybahn-Gegnern ist es offenbar besser gelungen, durchzudringen. Letzten Mittwoch haben wir eine hochschulinterne Veranstaltung zur Citybahn organisiert, weil Hochschulangehörige darum baten. Ich bin nicht explizit in die Planungen eingearbeitet, aber als Fachleute für Mobilität konnten wir die 130 Beteiligten informieren. Da hat sich vieles geklärt. Etwa das gegnerische Argument, dass die Citybahn ein veraltetes Verkehrsmittel des vorigen Jahrhunderts sei. Ich antwortete, das Rad sei viele Tausend Jahre alt und wir hätten noch nichts Besseres. Solche Argumente werden, wenn man sie oberflächlich ankratzt, obsolet.

Was hätte besser gemacht werden müssen?

Bürgerinnen und Bürger hätten viel früher in die Planungen einbezogen werden müssen, um Vertrauen zu schaffen. Man muss klarmachen, was das Projekt bedeutet. Für mich als Mobilitätsplaner war klar, dass das überlastete Busnetz mit der Citybahn entlastet werden soll. Das wussten aber viele nicht. Kernargumente wurden nicht angenommen.

Interview: Madeleine Reckmann

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