Über 30 Jahre lang entstanden hier Lexika.
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Über 30 Jahre lang entstanden hier Lexika.

Ehemaliges Verlagsgebäude

Erinnerung an Brockhaus

Über 30 Jahre lang hat der Brockhaus-Verlag auf dem Wiesbadener Leberberg sein Stammhaus. Jetzt soll das leerstehende Verlagsgebäude saniert werden, entstehen sollen sieben Luxuswohnungen.

Von Gaby Buschlinger

Historische Gebäude in Luxuswohnungen zu verwandeln, darauf hat sich die in der Alexandrastraße in Wiesbaden ansässige Unternehmensgruppe Denkmal AG spezialisiert. Interesse hat der Projektentwickler an der Herrichtung des Zollamts und des Zollspeichers am Biebricher Rheinufer angemeldet.

Aktiv wird die Denkmal AG aber zunächst im Komponistenviertel. Dort hat die Gruppe das leerstehende ehemalige Brockhaus-Verlagsgebäude am Leberberg von privat gekauft, sagte Denkmal-Sprecher Michael Thümmel, wollte sich aber zum Preis nicht äußern.

Gesprächiger wird Thümmel, wenn es um die Pläne und die Geschichte des ebenso markanten wie geschichtsträchtigen Gebäudes aus den 50er Jahren mit dem auffälligen Rundbau als Treppenhaus in der Mitte und den beiden Seitenflügeln geht.

Über 30 Jahre lang hatte der Brockhaus-Verlag nämlich in Wiesbaden auf dem Leberberg sein Stammhaus. Gut 100 Mitarbeiter waren hier von 1953 bis 1985 tätig, und in den 60er und 70er Jahren – lange vor dem Google-Zeitalter – füllte der „Große Brockhaus“ in fast jedem Wohnzimmer etwa ein Regal. Der Name des mehrbändigen Nachschlagewerks galt als Synonym für Wissen.

Entworfen hat das Verlagsgebäude der bekannte Wiesbadener Architekt Ludwig Goerz, schwärmt Thümmel weiter. Goerz hat unter anderem bei den namhaften Architekten Friedrich von Thiersch, der das Kurhaus gebaut hat, und Theodor Fischer, dem Erbauer des Landesmuseums, studiert.

Die Fusion des Brockhaus-Verlags mit dem Bibliographischen Institut im Jahr 1984 war für Wiesbaden das Ende als Lexikon-Stadt. Das Unternehmen siedelte nach Mannheim über.

In den Folgejahren wurde das Wiesbadener Verlagsgebäude unterschiedlich genutzt, so Thümmel, zuletzt war hier bis 2010 eine Fachklinik für Zahnheilkunde untergebracht. Nun besitzt die Denkmal AG das „alte und ehrwürdige Verlagsgebäude“, das diese als „Symbol der einstigen Buchstadt Wiesbaden“ und als „Stück Geschichte“ erhalten und daher behutsam sanieren möchte. Die benachbarte Wohnvilla ist nicht betroffen.

Von innen werde das Gebäude zwar total umgekrempelt, aber von außen soll es behutsam behandelt werden. Mit dem Umbau beauftragt ist das Wiesbadener Planungsbüro Stilbruch. Inhaber Michael Müller will „möglichst nahe an die ursprüngliche Architektur wieder herankommen und die architektonischen Sünden der Vergangenheit wieder ausgleichen“.

Unter anderem werde der Eingangsbereich komplett erneuert und nach den alten Plänen von Goerz umgestaltet. Und was beim Bau in den 50er Jahren wegen Geldmangels scheiterte, werde nun nachgeholt: „Die damals für den Treppenhaus-Rundbau vorgesehene Wendeltreppe wird vom oberen Gartengeschoss bis ins Erdgeschoss mit dem neuen Haupteingang nach unten verlängert.“

Entstehen sollen „sechs großzügige Wohneinheiten mit Wohnflächen zwischen 135 und 240 Quadratmetern und ein exklusives Penthouse mit 300 Quadratmetern“, sagt Thümmel. „Stadtpalais Hohenlohe“ nennt die Denkmal AG das noble Mehrfamilienhaus.

Das Penthouse ist bereits für über zwei Millionen Euro verkauft. Und fast alle anderen Eigentumswohnungen seien bereits reserviert: „Die Nachfrage übersteigt alle Erwartungen“, sagt Denkmal-Vorstand Thorsten Seegräber. In diesem Viertel mit Kurhaus und Kurpark in der Nähe gebe es schlicht zu wenig „gehobenen Wohnraum“.

Die Bauvorbereitungen haben bereits begonnen, sagt Denkmal-Sprecher Michael Thümmel. Ende des Jahres sollen die neuen Wohnungen in dem alten Gebäude bezugsfertig sein.

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