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„Die Menschen brauchen Lyrik“

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Gastgeberin Eva Demski im Literaturhaus Villa Clementine.
Gastgeberin Eva Demski im Literaturhaus Villa Clementine. © M. Schick

Die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski will den Wiesbadenern während der 18. Literaturtage die Poesie nahebringen. Im Gespräch mit der FR verrät sie, warum sie ihre eigenen Gedichte nicht veröffentlicht.

Die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski will den Wiesbadenern während der 18. Literaturtage die Poesie nahebringen. Im Gespräch mit der FR verrät sie, warum sie ihre eigenen Gedichte nicht veröffentlicht.

Die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski ist Gastgeberin der 18. Wiesbadener Literaturtage. Vom 2. bis 8. Juni gestaltet sie im Literaturhaus Villa Clementine ein Programm, das sich in diesem Jahr um Lyrik drehen wird.

Frau Demski, in Ihrem Buch über den Rheingau beschreiben Sie Wiesbaden als „wattige“ Provinz, in der die Uhren langsamer zu laufen scheinen. Was macht für Sie den Reiz aus, Gastgeberin der Literaturtage in der Landeshauptstadt zu sein?

Ich bin neugierig, wie das funktionieren wird. Ich bin sicher, dass sich hier einiges verändert hat. Im digitalen Zeitalter gibt es so etwas wie Provinz ja gar nicht mehr.

Welches Verhältnis haben Sie zur Stadt?

Ich habe in meiner Kindheit zwei Jahre lang in Wiesbaden gelebt. Mein Vater war Bühnenbildner am Wiesbadener Staatstheater.

In Ihrem Programm der Literaturtage steht die Lyrik im Vordergrund. Warum haben Sie gerade die Poesie als Thema gewählt?

Lyrik fasziniert mich, deshalb fand ich die Literaturtage eine schöne Gelegenheit, um eine Woche lang konzentriert, verschiedene Facetten des Dichtens anzuschauen.

Lyrik ist für viele Menschen schwer zugänglich. Ist die Poesie das richtige Thema?

Die Menschen brauchen Lyrik. Viele merken gar nicht, wie oft sie mit ihr konfrontiert sind, ob das Songtexte sind oder ob das Werbung ist. Ich will, dass Menschen Lyrik angstfreier betrachten können.

Von Ihnen selbst sind keine Gedichte veröffentlicht worden. Haben Sie selbst Angst vor der Lyrik?

Nein, das hatte ich nie. Ich schreibe Gedichte, veröffentliche sie aber nicht, weil sie etwas sind, das ich für mich behalten und nicht für den Kommerz freigeben möchte. Es wird Abende über politische Dichtung geben, über Tiere in der Poesie und über den Klassiker – das Liebesgedicht.

Gibt es einen Programmpunkt, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ja, das ist der Abend mit Paulus Böhmer. Seine Gedichte sind rhapsodische und unglaublich schöne Weltbeschreibungen. Böhmer ist jemand, der noch zu entdecken ist. Es ist sein Weltentwurf, der mich fasziniert.

Über was schreibt Böhmer?

Er schreibt über alles, über Blumen, über Katzen, seine Heimat, die Bibel oder über Sex. Und das alles in einer riesigen Sprachströmung, in der kein Wort zu viel ist. Es gibt Leute, die ihn nicht mögen, aber es gibt auch Menschen, die werden regelrecht drogenabhängig von seinen Gedichten. Das ist es, was mich besonders interessiert.

Die Wirkung der Poesie auf den Menschen?

Ja, ich will wissen, was das geschriebene Wort im Leser auslösen kann. Und ich will das Publikum dazu bringen, selbst zu schreiben. Es wäre schön, wenn ich aus den Wiesbadenern die Dichter herauskitzeln könnte.

Wie wollen Sie das erreichen?

Ich habe für die Ausstellung im Kunsthaus, die danach fragt, aus was Gedichte eigentlich gemacht sind, 147 Wörter ausgewählt. Aus diesen können die Besucher immer wieder neue Gedichte formen. So sollen während der Literaturtage zahlreiche Gedichte entstehen.

Neben der Ausstellung erwarten das Publikum Gesprächsrunden und Lesungen.

Das klingt so langweilig. Ich erhoffe mir, dass zwischen Dichtern und Zuschauern ein Dialog entsteht.

Würden Sie denn auch gerne ein jüngeres Publikum für die Literaturtage begeistern?

Ich gebe mir keine Mühe irgendjemanden zu begeistern. Entweder sie begeistern sich selber oder sie lassen es bleiben. Aber ich finde, dass Poesie alle betrifft. Ganz gleich, ob sie twittern oder simsen, das alles ist eine Komprimierung von Sprache und hat somit mit Poesie zu tun.

Und was würden Sie den Menschen, die sich begeistern, gerne mitgeben?

Dass sie ihren Spaß an und ihre Leidenschaft für diese Literatur in Päckchenform entdecken. Wenn sie selber welche machen, umso besser, aber wunderbar auch, wenn sie Gedichte lesen.

Das Gespräch führte Jana Kinne.

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