Polizeibeamte durchskämmen am Mittwoch in der Nähe von Laudert den Wald nach Spuren. Die Polizei sucht in dem Waldgebiet in Rheinland-Pfalz erneut nach weiteren sterblichen Überresten und der Kleidung von Melanie Frank. Das Kind war am 16. Juni 1999 verschwunden.
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Polizeibeamte durchskämmen am Mittwoch in der Nähe von Laudert den Wald nach Spuren. Die Polizei sucht in dem Waldgebiet in Rheinland-Pfalz erneut nach weiteren sterblichen Überresten und der Kleidung von Melanie Frank. Das Kind war am 16. Juni 1999 verschwunden.

Wiesbadener Vermisstenfall

Melanie ist tot

  • Jutta Rippegather
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Arbeiter haben im Hunsrück zufällig Knochen des 13-jährigen Mädchens gefunden, das vor zehn Jahren in Wiesbaden verschwand. Die Polizei geht von einem Verbrechen aus. Von Jutta Rippegather

Zehn Jahre mussten Mutter und Großmutter in Ungewissheit leben. Jetzt wissen sie, dass Melanie nicht mehr lebt. Waldarbeiter haben im Hunsrück Knochenteile der 13-Jährigen gefunden, die im Juni 1999 in Wiesbaden-Klarenthal verschwunden war. Wie das hessische Landeskriminalamt (LKA) am Mittwoch mitteilte, wurden Teile des Schädels und Oberschenkelhalsknochens auf einem Waldstück an der Landstraße 214 bei Kisselbach entdeckt.

Rund 100 hessische Bereitschaftspolizisten begannen gestern damit, das weitläufige Gelände im Rhein-Hunsrück-Kreis zu durchkämmen. Knochen oder Kleidungsreste könnten weit verstreut liegen, sagte LKA-Sprecherin Gaby Goebel-Andreas der Frankfurter Rundschau. "Eventuell wurde die Leiche vergraben und durch Tiere ausgebuddelt."

Verschwunden beim Zigarettenholen für die Mutter

Seit dem 16. Juni 1999 ist Melanie Frank als vermisst gemeldet. Die 13-Jährige wollte am frühen Abend Zigaretten für ihre Mutter holen und kehrte nicht mehr zurück. Zeugen hatten das Mädchen zuletzt gegen 21.45 Uhr am Zigarettenautomaten in Klarenthal gesehen. Seitdem fehlte jede Spur.

Direkt danach startete die Polizei eine umfangreiche Suche. Die blieb ebenso erfolglos wie drei Jahre später die Veröffentlichung eines Fahndungsfotos im Fernsehen. Im Jahr 2003 übernahm das LKA die Ermittlungen. Goebel: "Wir sind nochmal alle Akten komplett durchgegangen." Im April 2006 folgte eine aufwändige Suche mit Leichenspürhunden auf einem Brachgelände in Wiesbaden-Klarenthal. Die Beamten befragten 360 Personen, gingen 104 Hinweisen nach. Auch dies brachte keine neuen Anhaltspunkte.

Das tat der Motivation keinen Abbruch: "In einem solchen Fall geben wir keine Ruhe - besonders nicht, wenn es um Kinder geht", sagt die Sprecherin des Landeskriminalamts.

Ein DNA-Vergleich brachte den Beweis

Nach dem Verschwinden Melanies hatte die Polizei DNA-Material sichergestellt, das am leichtesten an Haarbürsten oder Zahnbürsten zu finden ist. Die Informationen wurden in die bundesweite DNA-Datei eingespeist. So konnten die Experten in Rheinland-Pfalz die Skelettteile der 13-Jährigen aus Hessen zuordnen. Gefunden hatten die Waldarbeiter die Knochen bereits im vergangenen August. Doch die rechtsmedizinische Untersuchung war nach Angaben der LKA-Sprecherin aufwändig. "Wir hatten recht wenig DNA-Substanz."

Die Polizei gehe von einem Kapitalverbrechen aus. "Von allein kommt ein Kind nicht 70 Kilometer weit entfernt von Wiesbaden in einen Wald", sagt die Sprecherin. Vermutlich sei Melanie kurz nach ihrem Verschwinden gestorben.

Trotz des langen Zeitraums hoffen die Beamten auf Hinweise aus der Bevölkerung. Hat jemand in dem Waldstück Kleidung oder Gegenstände gefunden, die mit der Tat in Zusammenhang stehen könnten? Ist jemandem ein dunkler BMW mit lauten Fahrgeräuschen im Bereich Laudert /Kisselbach aufgefallen?

Speziell an Firmen aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis richtet sich die Frage, ob sie im Sommer 1999 in Wiesbaden-Klarenthal gearbeitet haben. Das hat seinen Grund: Melanie Frank wurde einige Zeit vor ihrem Verschwinden mit einem schlanken Mann gesehen. Der trug eine blaugraue Arbeitshose und eine gleichfarbige Jacke.

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