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Die meisten nehmen noch immer das Auto

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Von: Madeleine Reckmann

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Radfahrer in Wiesbaden kritisieren , dass in der Stadt Fahrradwege fehlen.
Radfahrer in Wiesbaden kritisieren , dass in der Stadt Fahrradwege fehlen. © Michael Schick

Die Wiesbadener wünschen sich bessere Fahrradwege und mehr Parkplätze für ihre Autos. Beides möchte Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) auch, aber das Parken soll kosten.

Die Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Eswe können sich freuen. Denn zwei Drittel der Wiesbadener, die sich an der Umfrage „Leben in Wiesbaden“ beteiligten, haben am öffentlichen Nahverkehr nichts auszusetzen – das sind mehr als vor zwei Jahren. Ganz anders sieht es bei den Fahrradwegen aus. Nur jeder fünfte der Befragten war mit ihnen zufrieden, unter den Vielfahrern nur 12,7 Prozent.

Die Stadt Wiesbaden befragt seit 2014 alle zwei Jahre ihre Bürger zu kommunalen Themen, um herauszufinden, was die Bürger denken und wünschen. Damit sollen langfristige Trends und aktuelle Stimmungsbilder erkannt werden. Zudem dienen die Ergebnisse als Grundlage für die Diskussion um die geplante Citybahn, das Radwegekonzept und den Verkehrsentwicklungsplan, der die Leitlinien für den Verkehr bis 2030 festlegt. Fakten und Einstellung zum Verkehr wurden jetzt als Erstes veröffentlicht. Für die Bürgerumfrage wurden 9000 Wiesbadener zwischen 18 und 90 Jahren nach einer Zufallsstichprobe aus dem Melderegister, geschichtet nach Ortsbezirken, angeschrieben. 2526 beantworteten die Fragen, das sind 28,1 Prozent. Die Befragung wurde im September und Oktober letzten Jahres durchgeführt.

Die Ergebnisse in Kurzform: Fast die Hälfte der Befragten nutzen für ihre Alltagswege das Auto, ein Viertel Bus und Bahn und nur 17 Prozent aller Wege werden zu Fuß zurückgelegt. Fahrradfahrer haben große Bedenken um ihre Sicherheit, weil Fahrradwege fehlen. Autofahrer beschweren sich über zu wenig Parkplätze, vor allem in innenstadtnahen Wohngebieten. Ein Fahrradverleihsystem und Car-sharing auszubauen, halten die Menschen nicht für wichtig. Bus und Bahn bekommen zwar gute Noten, werden aber als zu teuer empfunden. Auch für Parkplätze möchten die Menschen nicht so viel ausgeben. Die Bürger wünschen sich, dass Falschparker und Raser besser kontrolliert und bestraft werden.

Stadtrat und Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne), der seit Dienstag außer für die Verkehrsbehörde auch für die Verkehrsüberwachung verantwortlich ist, dürfte sich in seinen politischen Zielen bestätigt sehen. „Ich möchte den Radverkehr und den öffentlichen Nahverkehr stärken“, erklärte er bei Veröffentlichung der Studie seine Ziele, die auch in der Kooperationsvereinbarung zwischen SPD, CDU und Grünen niedergelegt sind. Da in den ländlichen Stadtteilen mehr Menschen das Auto und weniger das Fahrrad benutzen als in der Innenstadt, wolle er sich auch mit dem Umland beschäftigen. Er strebe aber auch an, den Individualverkehr zu beschleunigen, etwa in der Wilhelmstraße, wo es oft Stau gebe. „Die finanzielle Lage lässt es zu, kräftiger in die Pedale zu treten und ein besseres Angebot und die Verkehrswende zu schaffen“, sagt Kowol.

Der Verkehrsdezernent möchte aber auch für mehr Parkraum sorgen, allerdings nicht zum Nulltarif, denn er setzt „auf die Lenkungswirkung der Parkgebühren“. Kowol kann sich vorstellen, Tiefgaragen von Unternehmen wie etwa der Volksbank für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Der beste Parkplatz ist ein belegter Parkplatz“, sagt er. Denn Stadtraum sei zu schade, um ihn als leeren Parkplatz zu verwenden. Er solle besser für Fußgänger oder Radfahrer genutzt werden.

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