In den nächsten Jahren werden mehr Fachkräfte in den Kitas benötigt.
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In den nächsten Jahren werden mehr Fachkräfte in Kitas benötigt.

Hessen

Mehr Zeit für jedes Kind in Hessens Kitas

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
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Der Hessische Landtag entlastet Erzieherinnen und Erzieher. Die Parteien streiten über die Kita-Finanzierung.

Hessen braucht mehr Betreuungsplätze für Kinder und will gleichzeitig die Qualität der Kinderbetreuung verbessern. Am heutigen Donnerstag wollen CDU und Grüne im Hessischen Landtag ein Gesetz verabschieden, mit dem sie Antworten auf diese Herausforderungen geben.

Aus Sicht der Opposition reichen sie aber bei Weitem nicht aus. Die SPD-Abgeordnete Lisa Gnadl forderte bei einer Debatte am Mittwoch, dass das Land den Kommunen deutlich mehr Geld für Investitionen in Kitas zukommen lassen müsse.

Mit dem Gesetz will die schwarz-grüne Koalition dafür sorgen, dass es in den Einrichtungen mehr Erzieherinnen und Erzieher gibt, sodass mehr Zeit für jedes Kind bleibt. „Zum einen verankern wir, dass die Leitung künftig mehr Zeit für klassische organisatorische und pädagogische Fragen hat und diese Leitungsfreistellung angerechnet wird“, erläuterte Sozialminister Kai Klose (Grüne). „Zum anderen sorgen wir dafür, dass die Beschäftigten mehr Zeit für die Kinder haben werden – denn wir erhöhen den für Krankheit, Urlaub oder Fortbildungen vorgesehenen Anteil in der Berechnung des Personalbedarfs für die Kita.“

Dieses Ziel findet allgemeine Unterstützung. Der Streit dreht sich um die Finanzierung. Ein großer Teil des Geldes stammt aus dem „Gute-Kita-Gesetz“ des Bundes. Das Land gibt Geld hinzu – allerdings aus dem Programm „Starke Heimat“, das Mittel nutzt, die ohnehin den Kommunen zustehen. Sozialdemokratin Gnadl rechnete vor, der Investitionsbedarf für die Kitas in Hessen betrage rund eine Milliarde Euro. Dem stünden „gerade einmal 142 Millionen Landesmittel“ gegenüber. „Machen Sie endlich Schluss mit dieser kommunalfeindlichen Politik“, rief sie.

Minister Klose warnte davor, „Luftschlösser“ zu bauen. Die Kinderbetreuung liege in der Zuständigkeit der Kommunen. Gnadl antwortete: „Das Problem ist doch, dass sie zu wenig Geld haben, um dieser Pflichtaufgabe nachkommen zu können.“

Mehr Kinder in Hessen

Unbestritten ist, dass in den nächsten Jahren deutlich mehr Fachkräfte in den Kitas benötigt werden. Die CDU-Abgeordnete Claudia Ravensburg wies darauf hin, dass allein von 2018 auf 2019 mehr als 2200 Kinder unter drei Jahren und mehr als 5500 Kinder von drei bis sechs Jahren in Hessen hinzugekommen seien. Zudem komme der Rechtsanspruch auf eine Betreuung von Grundschulkindern. Dort werde auf die gleichen Fachkräfte zurückgegriffen, erläuterte Ravensburg.

CDU und Grüne öffnen daher den Fachkräftekatalog. Bis zu 15 Prozent von Menschen mit einer anderen Ausbildung können als Fachkräfte anerkannt werden. Das hält die FDP für falsch. „Nächstes Mal sind es vielleicht 25 Prozent“, fürchtet Fraktionschef René Rock. Das sei ein Verzicht auf Qualität, der zu Lasten der Kinder gehe, nur „damit die Kommunen still sind“, argwöhnte Rock.

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