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Mehr Radstraßen

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Von: Ute Fiedler

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Radfahren in Wiesbaden soll erleichtert werden. Sowohl die Sicherheit als auch die Zufriedenheit der Radfahrer will Verkehrsdezernentin Sigrid Möricke dabei verbessern. Erste Vorschläge des Radverkehrskonzepts sollen in diesem Jahr umgesetzt werden.

Verkehrsdezernentin Sigrid Möricke (SPD) hat im neuen Jahr viel vor. Nach der Präsentation des Radverkehrskonzepts im Dezember sind die Fachämter derzeit dabei, Vorschläge und Vorschlags-Varianten zu erarbeiten, durch die das Radfahren in Wiesbaden erleichtert werden soll. Doch bis zur Umsetzung der Maßnahmen werden noch einige dicke Bretter gebohrt werden müssen, da ist sich Möricke sicher.

In seinem Gutachten hatte der Bonner Verkehrsexperte Arne Blase vor allem zwei Stellschrauben ausgemacht, an denen gedreht werden muss, um den Radverkehrsanteil in Wiesbaden zu steigern: Sicherheit und Zufriedenheit. Während es konkrete Vorschläge für die Verbesserung der Sicherheit auf Wiesbadens Straßen gibt, gestaltet sich die Steigerung der Zufriedenheit deutlich schwieriger. „Wir müssen erreichen, dass die Menschen umdenken, dass sie zum Beispiel Radfahrer nicht mehr als eine Minderheit betrachten, die ihrem Hobby nachgeht“, sagt Möricke. Radfahrer seien ein „selbstverständlicher Bestandteil“ im städtischen Verkehr. Das müssten jedoch viele erst einmal erkennen.

Unter anderem durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit will die Dezernentin um Akzeptanz für Radfahrer werben. „Viele Einzelhändler denken zum Beispiel noch immer, dass nur der Kunde mit Auto ein guter Kunde ist. Dem ist jedoch nicht so“, sagt sie. Studien widerlegten diese Einschätzung. Händler sollen Angebote schaffen, mit denen das Einkaufen zum Erlebnis und den Kunden erleichtert werde, fordert Möricke. Als Beispiel nennt sie, dass Kunden ihre Einkäufe zwischenlagern oder sich liefern lassen können. Einige Initiativen gebe es bereits, „aber das muss noch mehr werden“. Und auch Arbeitgeber müssten in die Verantwortung genommen werden, eigene Ideen einzubringen. „Alle müssen an einem Strang ziehen.“

Möricke ist froh, dass durch das Gutachten nun eine „gute Grundlage“ für weitere Maßnahmen vorliegt. Kurzfristig umgesetzt werden können bessere Markierungen. Verkehrsexperte Blase drängt unter anderem auf eine Verbesserung in Kreuzungsbereichen, dort wo Radwege auf Straßen schwenken. „An solchen Stellen müssen wir noch deutlicher machen, für wen der Raum gedacht ist“, sagt Möricke. Vorstellbar seien beispielsweise Piktogramme, die für alle Verkehrsteilnehmer klar zu erkennen und zu verstehen seien.

Darüberhinaus sollen noch mehr der sogenannten „aufgeweiteten Rad-Aufstell-Streifen“ (ARAS) eingerichtet werden. Unter anderem auf der Bahnhofstraße und der Rheinstraße gibt es solche Markierungen vor den Ampeln bereits. Dort wird es Radfahrern ermöglicht, vor den Autofahrern zu warten. Laut Möricke hat Blase dies ausdrücklich gelobt.

Nachgedacht wird zudem über mehr Tempo-30-Zonen – „das dient der Entschleunigung“ – und weitere Fahrradstraßen. Bereits im ersten Quartal 2016 soll der zweite Bauabschnitt der Eleonorenstraße in Kastel fertiggestellt werden.

„Wir brauchen vor allem mehr offensichtlichere Fahrradstraßen“, sagt Möricke. Die Goebenstraße sei eher versteckt, Autofahrer könnten sich noch nicht daran gewöhnen, dass sie auch mit Radfahrern den Verkehrsraum teilen müssen. Angedacht ist laut Möricke beispielsweise, die Spuren seitlich der Biebricher Allee zu Radstraßen umzufunktionieren. „Damit wird auch ein Zeichen gesetzt, dass Radfahrer in Wiesbaden willkommen sind. Schließlich handelt es sich bei der Biebricher Allee um eine der Haupteinfallsstraßen.“

Während Markierungen leicht in Abstimmung mit dem Tiefbauamt aufgebracht werden könnten, bedarf es für weitere Maßnahmen wie etwa mehr Radstreifen der politischen Zustimmung der Gremien. Und die erwartet Möricke. „Ich erwarte die Unterstützung aller Fraktionen, auch nach der Kommunalwahl“, betont sie. Blases Konzept werde nun an die Ortsbeiräte weitergeleitet. Möricke wünscht, dass die Gremien dieses durcharbeiten und anschließend eine Top-Fünf-Liste mit Maßnahmen zusammenstellen, die dringend umgesetzt werden sollten. „Blases Konzept ist ein Blumenstrauß an Möglichkeiten, an dem wir uns nur bedienen müssen.“

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