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Mehr Landwirtschaft auf der Domäne

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Von: Madeleine Reckmann

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Das Gemüse, das in der Markthalle auf dem Hofgut verkauft wird, wächst auf eigenen Feldern.
Das Gemüse, das in der Markthalle auf dem Hofgut verkauft wird, wächst auf eigenen Feldern. © Renate Hoyer

Politik will neues Konzept für das Hofgut Mechtildshausen. Geschäftsführer muss gehen

In der Domäne Mechtildshausen ist die landwirtschaftliche Produktion seit 2018 abgebaut worden. Die Rinderhaltung wurde verringert, die Schlachtstätte, die Käserei und die Hühnerhaltung wurden geschlossen, Jetzt sieht es so aus, als würde sich das Rad wieder zurückdrehen. Die Wiesbadener Jugendwerkstatt (WJW), zu der die Domäne gehört, soll eventuell in zwei rechtlich getrennte Betriebe, Ausbildungsgesellschaft und eigenständiges Hofgut, aufgeteilt werden. Das birgt die Chance, die Landwirtschaft auf der Domäne wieder zu stärken. Darauf haben sich die vier Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, SPD, Die Linke und Volt geeinigt, die sich aktuell in Koalitionsgesprächen befinden. Der WJW-Aufsichtsrat hat die Entscheidung am Dienstagabend mehrheitlich gebilligt.

Wichtigster Punkt ist, dass WJW-Geschäftsführer Werner Backes keine Vertragsverlängerung erhalten, sondern wieder in die Stadtverwaltung wechseln soll. Übergangsweise sollen zwei Bereichsleiter der WJW die Geschäftsführung übernehmen, Markus Böhm als Verantwortlicher für den kaufmännischen Bereich und Markus Paul für die Landwirtschaft. Bis 2023 soll – „ausdrücklich ergebnisoffen“ geprüft werden, „wie eine Aufteilung der WJW“ ablaufen könnte.

Die Grünen kritisieren Backes, weil er den Abbau der Landwirtschaft vorangetrieben hat. Backes wollte mit der Rückendeckung von SPD-Sozialdezernent Christoph Manjura die Domäne zum Bildungscampus mit Streichelzoo umbauen. Sie vertraten den Standpunkt, Lebensmittel herzustellen sei nicht Aufgabe der Stadt.

Mit Verweis auf das hohe Defizit von zwei Millionen Euro jährlich wollten sie stattdessen das Profil der WJW als Ausbildungsstätte für 400 sozial Benachteiligte schärfen. Da kaum Jugendliche den Beruf des Schlachters, Käsers oder Landwirts ergreifen, brauche man den Aufwand dafür nicht betreiben, argumentierte Manjura. Die Grünen verweisen dagegen auf das einmalige Konzept der Staatsdomäne mit eigenen Bio-Produkten in Café, Restaurant und Markthalle. Die Nachfrage nach Ausbildungen im Service sei hoch und die nach Bio-Produkten ebenso. Die Opposition, wie jetzt wieder die FDP, spottet gerne, die Grünen wollten sich ein grünes Bullerbü finanzieren.

Backes Pläne, in die Domäne auch den WJW-Standort Hasengartenstraße zu verlagern, wo Verwaltung und handwerkliche Ausbildungen untergebracht sind, sind vom Tisch. Da die dortige Liegenschaft aufgegeben werden soll, damit sich ein benachbartes Unternehmen erweitern kann, wird ein Standort in der Innenstadt gesucht. Eine Liegenschaft im Moltkering ist im Gespräch. „Vorteil dieser Lösung wäre eine deutlich schnellere Umsetzung.“ so die vier Verhandlungspartner. Der Magistrat solle zügig einen Letter of Intent abschließen.

Die Mietschlachtstätte in der Domäne könnte nach Ansicht der Grünen-Fraktionschefin Christiane Hinninger bald wieder in Betrieb gehen. Sie ließe sich für eine halbe Million Euro instand setzen, so dass sie für einen Übergang nutzbar wäre. Die Fraktionen Grüne, SPD, Linke und Volt hatten im September beantragt, die Schlachtstätte herzurichten und zu bezuschussen. Viehhalter aus der Region sollen dort ihr Vieh schlachten. Zurzeit fährt die Domäne Vieh zum Schlachten nach Alzey.

Zu klären bleibt, ob die Stadt Wiesbaden die Domäne kaufen soll. Zurzeit ist sie im Besitz des Landes Hessen. Der sich jeweils um ein Jahr verlängernde Pachtvertrag steht seit Jahren auf dem Prüfstand. Nun ist die Frage, was sich für die Landeshauptstadt mehr lohnt: Kauf oder Erbpacht.

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