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Die Wärmebildkameras erkennen fünf Fahrzeugklassen, die Videokameras Verkehrsströme.

Wiesbaden

Stadtverkehr in Echtzeit steuern

  • vonDiana Unkart
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Ein intelligentes Leitsystem geht bald in Wiesbaden Betrieb. Wiesbaden hat sich ambitionierte Ziele gesetzt.

Die Zukunft der Mobilität beginnt in Wiesbaden demnächst. Davon künden die Ampeln, die mit reichlich Technik ausgestattet wurden. Eine Verkehrsleitstelle gibt es schon als Visualisierung und bald auch real.

Der Umbau der Verkehrssysteme weg von der Fokussierung auf das Auto hin zu einem Miteinander verschiedener Verkehrsmittel – verbunden mit der Reduktion von Lärm und Schadstoffen – ist eine der größten Herausforderungen, vor der Wiesbaden und andere Städte stehen. Wiesbaden hat sich ambitionierte Ziele gesetzt und eine Reihe von Vorhaben angestoßen. Eines davon ist DIGI-V, die digitale intelligente Verkehrssteuerung, von der Rolf Schmidt sagt, sie sei die Grundlage für eine Vielzahl von Anwendungen. „Und einige kennen wir heute noch nicht mal.“

Schmidt ist technischer Leiter des Projekts. Umgesetzt wird das 30 Millionen Euro teure Vorhaben zusammen mit der Firma Siemens als Generalauftragnehmerin. Siemens spricht von einem Leuchtturmprojekt. Es sei in seiner Art einzigartig in Deutschland. Wenn Ingenieur Schmidt erklären möchte, was in Wiesbaden entstehen wird, dann nutzt er gern ein Bild: „Wir optimieren Hände, Augen und Hirn der Verkehrssteuerung.“ Die Hände sind in Schmidts Bild die Ampeln, die mit neuen Steuerungen und LEDs ausgestattet werden. Die Augen, das sind die verschiedenen Detektoren wie Wärmebild- und Videokameras, die 40 Luftmess- und zehn Wetterstationen, die dem zentralen Rechnersystem – dem Hirn – in Echtzeit Daten liefern sollen, die dieses verarbeitet und analysiert.

Das Verkehrsaufkommen und die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer werden quantitativ und anonymisiert erfasst. Zudem fließen Informationen über Veranstaltungen, den öffentlichen Nahverkehr oder die Parkplatzsituation ein.

Die Rechner können simulieren, was passieren wird, wenn beispielsweise die Ampeln in ein anderes Steuerungsprogramm schalten oder Lastwagen temporär nicht durch bestimmte Bereiche der Stadt fahren dürfen. Wie verändert sich dann der Verkehrsstrom und welchen Einfluss hat das auf den Schadstoffausstoß? Im Idealfall, sagt Schmidt, führt die intelligente Verkehrssteuerung dazu, dass Fahrten nicht länger dauern als bisher und die Luft in der Innenstadt sauberer wird.

Mit DIGI-V kann nicht nur der Verkehr in Echtzeit gesteuert werden. Mit Spannung wird erwartet, welche Erkenntnisse sich aus der Zusammenführung und Analyse der Daten ergeben, beispielsweise im Hinblick auf zukünftige Verkehrsplanung. Das System lernt mit Hilfe der Datenmengen Stück für Stück dazu. So entsteht ein digitales Stadtverkehrsmodell, das es erlaubt, vorwegzunehmen, wie sich ein Vorhaben – beispielsweise die Sperrung einer Straße – auf Verkehr und Umwelt auswirken wird.

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