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Mehr als Brötchen backen

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Wer Bäcker werden will, muss auch wissen, wie die Produkte verkauft werden. Und wer Backwaren verkaufen will, muss auch eine Ahnung davon haben, wie ein Brot gebacken wird.

Von Michael Grabenströer

Wechselseitige Kenntnisse von Produktionsprozessen und Arbeitsbedingungen nützen auch der Verwaltung. So zumindest sieht es die Firma Kaiser Biobäckerei. Das Konzept prägt auch die Ausbildung.

„Kaiser Biobäckerei“ ist eine regionale Marke mit Sitz im Gewerbegebiet in Mainz-Kastel. Das Unternehmen hat den Bio-Markt seit 1976 erobert, mit eigenen Verkaufsstellen, Backshops in Märkten wie etwa Alnatura und stets handwerklich hergestellten Backwaren ohne tiefgefrorene Backlinge.

Das würde auch nicht zu dem Betrieb passen, der einst als Kollektiv begonnen hatte. Es musste damals erst einen Bäcker einstellen, „weil“ – so Geschäftsführer und Mitinhaber Volker Schmidt-Sköries heute – „wir erst noch backen lernen“ mussten. Heute kann er mehr als Backen. Schmidt-Sköries ist auch als Unternehmensberater gefragt. Er berät andere Firmen, spricht über seine Erfolgsansätze, über Mitarbeiterführung und damit auch viel über Ausbildung in seinem Unternehmen.

Marcel Hawkins (2o), dem der Chef gute Chancen für den weiteren Weg auch auf der Führungsebene des Unternehmens bescheinigt, und Martina Fischer (30), Schweizerin und Späteinsteigerin nach einem Studium, werden zurzeit in der Firma ausgebildet. Marcel Hawkins mit dem Hang zur Verwaltung stand schon in der Bäckerei und im Verkaufsshop in der Friedrichstraße. Dort übte er Kundennähe und konnte über das reden, was er verkauft. Martina Fischer knetet Brote in der Backstube, kennt sich aber auch im Verkauf und der Verwaltung aus.

Ganzheitlich und nachhaltig sei die Geschäftsstruktur geprägt. Das müsse sich auch in der Ausbildung niederschlagen, sagt Schmidt-Sköries. Dafür gebe es im Unternehmen ein verbindliches Konzept Berufsausbildung, das von „überdurchschnittlichen fachlichen Anforderungen“ ausgehe, aber auch individuelle Hilfen verspreche, die auf den einzelnen Azubi zugeschnitten seien. „Wir profitieren von dem Konzept“, sagen Martina Fischer und Marcel Hawkins. Das Unternehmen will die Auszubildenden individuell fördern: Fachliche Unterstützung bis zur Nachhilfe, aber auch Körpertraining, Angebote zur Stärkung des Selbstbewusstseins und zur Steigerung des Teamgeistes. In einer Azubi-Runde werden Probleme gemeinsam mit der Führung erörtert und Lösungen diskutiert. Gemeinsam will man erfahren, was alles in einem Azubi stecken kann – Bäcker, Verkäufer oder gar mehr.

Doch für alle heißt das auch: Der Ausbildungsweg geht nicht am eigenen Getreidefeld vorbei. Bei Schloss Freudenberg hat die Bäckerei 20 Parzellen. Dort lernen die Azubis das Säen, erfahren das Wachsen, Reifen und Ernten von Weizen, erleben Respekt vor dem Getreide und der Arbeit des Bauern.

Und selbst nach der Ausbildung, sollte der Weg von Kaiser wegführen, gibt es noch das Angebot der weiteren Beratung in Gesprächszirkeln. Das gehört für Schmidt-Sköries zum Versprechen der „individuellen Sicht auf jeden einzelnen Jugendlichen“, das das Unternehmen mit dem Ausbildungsvertrag gegeben habe.

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