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Mehr als nur die Frau an seiner Seite

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Von: Mirjam Ulrich

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Die Ausstellung im Frauenmuseum Wiesbaden stellt Else Niemöllers Leben in den Mittelpunkt und zeigt sie als eigenständige Persönlichkeit und ebenbürtige Partnerin von Martin Niemöller.
Die Ausstellung im Frauenmuseum Wiesbaden stellt Else Niemöllers Leben in den Mittelpunkt und zeigt sie als eigenständige Persönlichkeit und ebenbürtige Partnerin von Martin Niemöller. © Monika Müller

Das Frauenmuseum zeigt eine Ausstellung über Else Niemöller. Sie stellt ihr Leben in den Mittelpunkt und zeigt sie als eigenständige Persönlichkeit und ebenbürtige Partnerin von Martin Niemöller.

Nach Else Niemöller heißt in Deutschland keine Schule, Straße und kein Platz. Sie tragen immer nur den Namen ihres Ehemannes Martin Niemöller. Dabei war sie weit mehr als die Frau an der Seite des evangelischen Theologen und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Ihre Rolle wie auch ihre eigene Arbeit als Friedensaktivistin beleuchtet die Ausstellung „Ihren Platz in der Welt finden“, die das Frauenmuseum Wiesbaden in Kooperation mit der Martin-Niemöller-Stiftung zeigt.

„Sie war zeitlebens seine Gesprächspartnerin auf Augenhöhe, auch in theologischen Fragen“, sagt Jeannette Toussaint. Die Ethnologin hat im Auftrag der Martin-Niemöller-Stiftung Leben und Wirken Else Niemöllers für die Ausstellung recherchiert.

Am 20. Juli 1890 kam sie als Tochter des Arztes August Bremer und dessen Frau Helene in der bergischen Großstadt Elberfeld zur Welt. Die Eltern nannten sie Maria Elisabeth, den Namen Else wählte sie sich selbst. Als Mädchen blieb ihr im Schulsystem des Kaiserreichs das Abitur verwehrt. Sie qualifizierte sich stattdessen als Lehrerin, ein Jahr lang unterrichtete sie in England an einer Schule in Tunbridge Wells. Anschließend arbeitete sie an Mädchenschulen in ihrer Heimatstadt.

Frauenmuseum

Die Ausstellung im Frauenmuseum, Wörthstraße 5, dauert bis zum 15. Mai. Öffnungszeiten sind mittwochs und donnerstags sowie samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr. Weitere Infos unter:
www.frauenmuseum-wiesbaden.de

Der Eintritt beträgt 7, ermäßigt 5 Euro, Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren frei. Es gilt die 2G-Plus-Regel.

Nächste Führungen sind an den Sonntagen 27. Februar und 13. März, jeweils 15 Uhr. Anmeldung erwünscht unter Telefon 0611 / 3081763. Die Teilnahme kostet 3 Euro, zuzüglich Eintritt. miu

1916 – mittlerweile ließ Preußen Frauen zum Studium zu – begann sie zu studieren, um Studienrätin zu werden. Zwei Jahre später gab Else ihr Studium der Liebe wegen auf – Lehrerinnen mussten damals auf Ehe und Kinder verzichten. An ihrem 28. Geburtstag verlobte sie sich mit dem U-Bootkommandanten Martin Niemöller. Die beiden kannten sich seit der Kindheit, er war ein guter Freund ihres jüngeren Bruders Hermann. 1919 heirateten sie, das Ehepaar bekam insgesamt acht Kinder. Später nahmen sie noch den verwaisten Neffen der Haushälterin als Pflegesohn auf.

Als Martin Niemöller sich auf das Theologiestudium vorbereitete, lernte sie mit ihm Vokabeln und vertiefte ihre Bibelkenntnisse. In seinen Anfangsjahren als Pfarrer half sie ihm beim Schreiben seiner Predigten, da er sich damit schwertat.

Else Niemöller war es auch, die ihrem Mann 1933 dazu riet, sich in der Jungreformatorischen Bewegung gegen die antisemitischen und rassistischen Deutschen Christen zu engagieren. Diese wollten in der evangelischen Kirche das Führerprinzip und den Arierparagraphen durchsetzen und wurden von Hitler unterstützt. Im daraus entstehenden „Kirchenkampf“ gehörte Martin Niemöller zu den prominenten Vertretern der Bekennenden Kirche, in der auch Else aktiv beteiligt war. Sie formulierte Erklärungen mit und nahm Repressalien in Kauf.

Nach seiner erneuten Verhaftung am 1. Juli 1937 blieb Martin Niemöller bis zum Kriegsende inhaftiert. Er, der ab 1924 die NSDAP gewählt hatte, kam 1938 als persönlicher Gefangener Adolf Hitlers ins Konzentrationslager. Ihre Besuche im KZ bereitete Else Niemöller akribisch vor. Sie machte sich Notizen, worüber sie mit ihm sprechen wollte. Als er während seiner Einzelhaft von 1938 bis 1941 den Übertritt zur katholischen Kirche vorbereitete, hielt sie mit fundierten theologischen Argumenten dagegen. Den Nationalsozialisten wäre sein Übertritt zupassgekommen, sie brachte ihn davon ab. „In zahlreichen Niemöller-Biographien wird das anderen Theologen zugeschrieben, ihre Rolle dabei wird nicht dargestellt“, weiß Toussaint.

Nach Kriegsende begleitete Else Niemöller ihren Mann auf zahlreichen Reisen im In- und Ausland, wo sie selbst auch Reden hielt. In der Ausstellung zeugt ein kurzer Filmausschnitt davon. Ab 1948 wohnten die Niemöllers in Wiesbaden an der Brentanostraße. Sie leitete das CARE-Büro der Evangelischen Kirche Deutschlands und engagierte sich ab 1951 öffentlichkeitswirksam in der Westdeutschen Frauenfriedensbewegung. Zehn Jahre später starb sie bei einem Autounfall. Ihr Grab auf dem Südfriedhof ließ die Niemöller-Stiftung 2021 wieder herrichten und erinnert dort mit einer Infotafel an sie.

Else Niemöller im Jahr 1934.
Else Niemöller im Jahr 1934. © Fotograf:in unbekannt © ZA EKHN

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