1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Mann überfährt Freundin

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ute Fiedler

Kommentare

Justitia ist wachsam.
Justitia ist wachsam. © FR/Rutkowski

Mitschüler sagen im Prozess um den Mord am Neroberg aus. Ein 26-Jähriger soll seine Ex-Freundin am Neroberg absichtlich und mehrfach überfahren haben.

Am Abend des 27. Juli 2013 geriet für M. und seine Frau die Welt aus ihren Fugen. An diesem lauen Sommerabend erfuhr der 50-jährige Hausmeister, dass sein Sohn seine Ex-Freundin am Neroberg absichtlich und mehrfach überfahren haben soll. Die Polizei habe ihm davon erzählt. Aus seinem Sohn, der völlig aufgelöst zu Hause angekommen sei, habe er nichts herausbekommen.

Wie M. gestern vor der Schwurgerichtskammer am Wiesbadener Landgericht aussagte, hatte bereits am Nachmittag das Telefon geklingelt. Eine Frau habe ihm von einem kleinen Unfall erzählt, den sein Sohn verursacht habe. Daraufhin habe er seine Tochter beauftragt, Ahmet anzurufen, damit er nach Hause komme.

Dass Ahmet in der Zwischenzeit noch einen weiteren, weit schlimmeren Unfall verursacht hatte, ahnte M. nicht. Als der 26-Jährige kam, habe er ihm „erst einmal ein paar Ohrfeigen gegeben“. Ahmet habe geschrien und geweint. M. habe das Auto begutachtet, lediglich einen Kratzer gesehen und Ahmet gefragt, ob er sich wegen dieses Kratzers verrückt mache. Doch Ahmet habe nicht geantwortet. Den Schaden auf der Motorhaube sowie der Windschutzscheibe, der durch den Aufprall des Körpers des Mädchens entstanden war, habe er nicht gesehen, sagte M.

Eine Welt zusammengebrochen

Da sein Sohn nicht ansprechbar gewesen sei, habe er gedacht, Ahmet habe Fahrerflucht begangen und die Polizei informiert. Erst spät am Abend habe ein Polizist ihm gesagt, was Ahmet vorgeworfen wird. „Da ist für uns eine Welt zusammengebrochen.“ Doch über den Vorfall gesprochen wurde in der Familie nicht. Deswegen wisse er auch nicht, weshalb sein Sohn seine Ex-Freundin tötete. „Wir wollen das nur vergessen“, sagte der 50-Jährige. Er und seine Frau seien sehr traurig. „Wir dachten, die beiden bleiben ein Paar.“

Während im Hause des Angeklagten über das Drama am Neroberg geschwiegen wird, sprachen Ahmets Mitschüler von der Abendschule wohl über die Tat. Drei aus Ahmets engerem Freundeskreis erzählten gestern, wie schockiert sie über diese Nachricht gewesen seien.

Sie beschrieben Ahmet als „offen“, „schlau“, „nie aggressiv“ und „redegewandt“. Und auch als jemand, „der es einfach draufhat“. „Er ist aber auch ein richtig guter Schauspieler und jemand, der sich leicht rausreden kann“, sagte einer der Mitschüler. Eine solche Tat habe man ihm jedoch nicht zugetraut.

Mord aus Eifersucht?

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 26-Jährigen Mord aus niederen Beweggründen vor. Er soll seine Ex-Freundin getötet haben, weil er nicht wollte, dass jemand anders sie bekomme, heißt es in der Anklageschrift. Ebendies soll Ahmet wenige Wochen vor der Tat zu einem der Mitschüler gesagt haben.

Doch daran konnte sich dieser Mitschüler gestern nicht mehr erinnern: „Er hat zwar gesagt: ,Ich bring‘ sie um‘“, sagte der Mann gestern aus. Aber an die Drohung, dass er sie töte, damit sie kein anderer bekäme und dass er es schon schaffe, dass er nicht ins Gefängnis gehe, habe er keine Erinnerung, sagte der Zeuge. Weil er die Todesdrohung nicht ernstgenommen habe, sei er auch nicht zur Polizei gegangen, um eine Aussage zu machen. „Ich hätte ihm das einfach nicht zugetraut.“

Der Prozess wird am Dienstag, 5. August, 9 Uhr, fortgesetzt. Voraussichtlich wird an diesem Tag die Sachverständige ihr Gutachten vorstellen, außerdem sollen die Plädoyers gehalten werden.

Auch interessant

Kommentare