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Und manchmal schwindelt er

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Von: Ute Fiedler

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Thomas Frank feiert heute seinen 40. und bringt sich sein Ständchen selbst

Manchmal wird Thomas Frank zum Schwindler – dann, wenn er im Internet ein Formular ausfüllt und sein Geburtsdatum eingibt. Dann muss er sich oft zwischen dem 28. Februar und dem 1. März entscheiden – obwohl er da ja gar nicht Geburtstag hat. Thomas Frank ist Schalttagskind, hat also am 29. Februar Geburtstag. An einem Tag, den eben nicht jeder auf dem Plan hat.

Thomas Frank ist gerade etwas angestaubt. Nicht, dass er alt aussehen würde. Im Gegenteil. Obwohl er heute einen runden Geburtstag hat, hat sich der jetzt 40-Jährige gut gehalten. Nur sein Mantel nicht. Der hat ein paar Stäubchen abbekommen, denn die Marktkirche wird derzeit umgebaut.

Wer erwartet hat, der Wiesbadener würde jammern, weil er ja nur alle vier Jahre „richtigen“ Geburtstag hat, wird eines Besseren belehrt. Richtigen und falschen Geburtstag, das gibt es für ihn nicht. Und seinen Ehrentag, den feiert er sowieso immer am 1. März und nicht am 28. Februar. Schließlich hat er auch am Tag nach dem 28. Geburtstag. So!

Als etwas Besonderes sieht sich der Kantor der Marktkirche, der heute 40 wird, nicht. „Wir werden immer zu etwas Besonderem gemacht. Wenn ich ehrlich bin, empfinde ich den 29. fast ein bisschen befremdlich.“ Aha? „Na ja, er kommt eben nicht allzu oft vor“, sagt er.

Auch früher, in der Schule, hat ihn sein außergewöhnlicher Ehrentag nicht sehr gestört. „Blöd fand ich nur, dass der 1. März oft Faschingssonntag war. Das hieß: Die Party musste ausfallen.“ Heute feiere er sowieso nicht mehr so groß, dass ihn das noch störe. Was er hingegen heute komisch findet, ist, dass ihm Leute, die ihn nicht so gut kennen, schon am 28. Februar gratulieren. Aber da hat er nun mal nicht Geburtstag. Punktum. Da kann er sich dann auch über dargebotene Ständchen gar nicht so richtig freuen. Nicht so sehr zumindest wie über das, das er während einer Chorgeneralprobe vor vier Jahren bekommen hat. „Wir probten gerade das Mozart-Requiem. Und dann auf einmal sangen alle für mich.“

Doch wer jetzt denkt, Schalttagskinder erhielten stets großartige Geschenke, den belehrt Frank auch diesmal eines Besseren. „Ich bekomme normale, schöne Geschenke. Was vielleicht außergewöhnlich ist: In einem Schaltjahr gratulieren mir mehr Menschen als üblicherweise.“

In diesem Jahr ganz sicher. Mit Pfarrer Jeffrey Myers hat er sich etwas Besonderes ausgedacht. Sie laden alle Geburtstagskinder um 17 Uhr in die Marktkirche ein. Und Frank bringt sich sein Ständchen selbst, wenn er auf dem Turmglockenspiel Happy Birthday spielt.

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