Beckmann-Ausstellung Wiesbaden

Der Maler und seine Frau

Die Beckmann-Ausstellung im Museum Wiesbaden dreht sich um das Verhältnis von Mann und Frau und um „Quappi“.

Von Jana Kinne

Quappi als sinnliche Verführerin, dämonisierte Erscheinung oder als starke Frau – viele Male hat Max Beckmann seine zweite Frau Mathilde Kaulbach, liebevoll „Quappi“ genannt, gemalt. Um das Verhältnis des Malers und seiner Frau dreht sich die Ausstellung „Quappi und Max Beckmann“, die morgen im Museum Wiesbaden eröffnet wird.

1924 lernte Max Beckmann die Musikerin Mathilde Kaulbach in Wien kennen und heiratete sie 1925, kurz nach der Scheidung von seiner ersten Frau, Minna Beckmann-Tube. In den Folgejahren machte Beckmann Quappi zu einer der meistgemalten Frauenfiguren der Kunstgeschichte. „Meist ist es jedoch nicht Quappi, die Beckmann malt. Es sind viel eher Rollen und Frauenbilder, die der Maler in seinen Bildern darstellt“, sagt Kurator Roman Zieglgänsberger.

So auch in seinem berühmten „Weiblicher Akt mit Hund“, der Quappi als sinnliche, üppige Schönheit mit blankem Busen und Zigarette in der Hand zeigt. „Das Bild war der eigentliche Anlass der Ausstellung“, sagt Zieglgänsberger. Seit 25 Jahren befindet es sich im Besitz des Museums Wiesbaden. 1987 aus dem Nachlass der Kunsthändlerin Hanna Bekker vom Rath erworben, wanderte es von Wiesbaden aus unter anderem nach München, Rom und London.

„Wir wollten das Bild gerne auch selbst einmal zeigen“, sagt der Kurator. Durch die Beschäftigung mit dem Bild sei er auf das Thema der Ausstellung gekommen. Doch es geht in der Kabinettsausstellung, die aus nur zehn Werken besteht, um viel mehr als um die Beziehung zwischen Beckmann und seiner 20 Jahre jüngeren Frau.

So illustriert das Gemälde „Luftakrobaten“ wie gefährlich die Frau dem Mann sein kann. Das Bild, das anlässlich der olympischen Spiele 1928 entstand, symbolisiert laut Zieglgänsberger wie eine völlig aus den Fugen geratene Beziehung einen Mann in den Abgrund reißen kann. Gemeint ist jedoch nicht die Beziehung von Beckmann und Quappi selbst. „Die verlief nämlich äußerst harmonisch“, weiß Zieglgänsberger.

Die schweren Zeiten, die der Maler und seine Frau überstehen mussten, rührten nicht von dem Verhältnis der beiden, sondern von den äußeren Geschehnissen her: Im April 1933 wurde Beckmann die Lehrtätigkeit an der Frankfurter Kunstgewerbeschule untersagt, 1937 emigrierte er in die Niederlande.

Sein Gemälde „Ochsenstall“, das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist, thematisiert die Unterdrückung durch das Naziregime. Das Bild war auch 1937 in der Ausstellung „Entartete Kunst“ zu sehen. Quappi ist auf diesem Bild nicht zu erkennen. Vielmehr ist es ein Sinnbild für die schwierigen Zeiten, die das Paar durchleben musste.

Schön und stark zeigt Beckmann seine Frau dagegen im Bildnis „Quappi in Blau“, das aus der Pinakothek der Moderne in München für die Ausstellung nach Wiesbaden wanderte. Und auch im Werk „Siesta“ illustriert Beckmann die sonnige Seite des gemeinsamen Lebens: Sinnlich räkelt sich das Paar in der spanischen Sonne. „Es ist eines der wenigen Bilder, auf denen sich Beckmann selbst gemeinsam mit seiner Frau gemalt hat“, so Zieglgänsberger. Ansonsten kann man den Maler oft nur im Verborgenen entdecken, zum Beispiel in seiner Signatur, die er auch mal auf Augenhöhe Quappis platziert.

Diese Details springen dem normalen Besucher nicht sofort ins Auge, werden in der Ausstellung jedoch anschaulich erklärt. Alle zehn Bilder sind beschildert und verraten mehr über Entstehungsgeschichte und Hintergrund. „Dadurch, dass wir nur wenige Bilder zeigen, hatten wir viel Platz zum Erklären“, sagt Zieglgänsberger. So wird die Ausstellung zu einem kleinen Seminar über das Leben Beckmanns,

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