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Malen gegen Krebs

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Das Malen bereitet Renate Koch unheimlich Freude.
Das Malen bereitet Renate Koch unheimlich Freude. © Michael Schick

Fünf krebskranke Frauen lassen beim Ausdrucksmalen ihren Gefühlen freien Lauf. Die Psychosoziale Krebsberatungsstelle Wiesbaden hatte das Angebot erstmals am Wochenende im Programm.

Von Elisabeth Böker

Langsam lässt Mercedes W. die grüne Farbe auf das Papier tropfen. Dann nimmt sie einen Spachtel und verteilt die Farbkleckse auf dem Bogen. „Ich habe keine Idee. Ich male aus meiner Laune heraus“, sagt sie. Mercedes W. war an Kehlkopf- und Brustkrebs erkrankt. Speziell für Frauen, die an Krebs erkrankt sind oder waren, bot die Psychoonkologin Angela Ebert gemeinsam mit der Psychosozialen Krebsberatungsstelle Wiesbaden am Wochenende einen Ausdrucksmalkurs an.

Fünf Frauen sitzen und stehen in lichtdurchfluteten Raum um einen Tisch im Antoniusheim und malen. Nicht nach einer bestimmten Technik, nicht nach einer Vorlage, sondern einfach frei aus sich heraus, was ihnen in den Sinn kommt. „Die absichtslose Überraschung steht im Vordergrund“, sagt Kursleiterin Angela Ebert. Auch wenn der Austausch über die Krankheit bei diesem Kurs „mit dabei sein darf“, wie Angela Ebert es ausdrückt, sollen die Frauen beim Malen vor allem eins tun: Ihre Empfindungen und Farben zum Ausdruck zu bringen.

"Der Krebs fliegt weg"

„Ich hatte zuerst Zweifel, ob ich wirklich an dem Kurs teilnehmen soll“, sagt Mercedes W. „Ich bin total positiv überrascht: Das Malen löst etwas aus“, sagt sie. Drei Jahre ist es her, dass sie die Diagnose Krebs erhielt.

Besonders gut an dem Kurs gefällt ihr, dass sich Angela Ebert nicht in den Malprozess einmischt, aber dennoch beim Entstehungsprozess der Bilder hilft. Die Psychologin, die zusätzlich noch Fortbildungen im Bereich Kunsttherapie machte, stimmt die Teilnehmer auf das Malen mit Musik und Anregungen ein. So sollten sie als erstes etwa blind eine Landschaft malen. In einem zweiten Schritt malten sie nur mit den Händen „Das fühlt sich an, wie wenn man mit den Händen in Schlagsahne rührt“, kommentierte eine Teilnehmerin diese Erfahrung.

Mercedes W. zeigt ihre bisher entstandenen Bilder mit stolz. Eines, dass sie besonders hervorhebt, entstand zu einer Fantasiereise zum Thema Jahrmarkt. Sie selber steht dabei auf einem Hügel. In der Ferne findet der Jahrmarkt statt. Ein Luftballonverkäufer kommt zu ihr auf den Hügel hoch, bietet ihr einen Luftballon an. Sie entschied sich für einen schwarzen: „Der steht für den Krebs.“ Sie lässt den Ballon los. „Der Krebs fliegt weg“, erklärt sie diese Szene und sagt weiter. „Das tut gut.“

Bewusst verzichtet Angela Ebert auf eine Interpretation der Bilder. Nur die Teilnehmer erzählen am Ende, was sie beim Malen erlebt haben, was sie für sich zum Ausdruck bringen wollten.

Auch die anderen Teilnehmerinnen sind alle mit Freude dabei: „Für mich ist das Malen sehr entspannend“, sagt Marlene B. Regelmäßig betreibt sie daher die Kunst. Einen Anspruch an sich selbst hat sie dabei nicht. „Wenn ein schönes Bild entsteht, ist es gut, sonst ist es auch gut“, sagt sie.

Angebote wahrnehmen

Ganz genauso sieht es Renate Koch. Sie leitet die Wiesbadener Frauenselbsthilfe nach Krebs. Der Verein bietet vor allem Vorträge an. „Jetzt wollte ich einmal was neues ausprobieren. Ich habe unheimlich viel Spaß.“ Gerade sitzt sie an einem Landschaftsbild. Mit Acrylfarben hat sie einen grünen Hintergrund gemalt, dann Bäume darüber gemalt und anschließend rot-lila Wolken darüber getupft. „Das sind einfach meine Farben. Darauf kann ich nicht verzichten“, erzählt sie Angela Ebert.

Für Mercedes W. hat der über Spenden finanzierte Kurs – nur ein geringer Unkostenbeitrag für das Material mussten die Teilnehmer bezahlen – aus einem weiteren Grund gelohnt. Von der Wiesbadener Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs hat sie bisher noch nicht gehört. Nun will sie deren Angebote auch wahrnehmen.

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