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Verkehr

Mainz und die Taunus-Kommunen sind für die Citybahn

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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In der Debatte um die Citybahn sprechen sich Mainz und die Taunus-Kommunen für das Schienenprojekt aus. Doch entscheidend ist einzig das Votum in Wiesbaden.

Es gehört zu den Besonderheiten dieses Bürgerentscheids, dass Wiesbadener Bürger:innen nicht nur darüber abstimmen dürfen, wie sich ihre Stadt entwickelt, sondern auch Städte in der Region. Die Citybahn soll von Mainz über Wiesbaden nach Taunusstein und Bad Schwalbach führen und als städteverbindendes Infrastrukturprojekt Chancen für Wohnen und Arbeit bringen.

Als Pulsader einer neuen Metropolregion Rhein-Main-West, die den Landeshauptstädten und Taunuskommunen weitere Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet, bezeichnet Hermann Zemlin, Geschäftsführer der Citybahn-Gesellschaft, das Projekt gerne. Die boomende Region brauche ein leistungsfähiges und modernes Verkehrssystem, um die wachsenden Pendlerströme zu befördern. Zurzeit quälen sich zu den Stoßzeiten Autoschlangen über den Taunuskamm nach Wiesbaden, in Wiesbaden kommt der Verkehr nur im Schritttempo voran, und die Brücken nach Mainz sind übervoll. Daher sind nicht nur die 219 000 Menschen, die in Wiesbaden wohnen, vom Bau einer Citybahn betroffen, sondern auch 218 500 in Mainz, 30 000 in Taunusstein und 11 700 in Bad Schwalbach.

Aber sie dürfen ihre Stimme zu Ja oder Nein zur Citybahn nicht abgeben. In Rheinland-Pfalz sind keine Bürgerentscheide zugelassen, wenn ein Vorhaben ein Planfeststellungsverfahren erfordert. Das soll verhindern, dass Projekte von einer Kommune gesprengt werden, die mehrere Kommunen betreffen, und jahrelange Planungsprozesse zunichte gemacht werden. In Hessen ist das anders. Bürgerentscheide sind zulässig, wenn es sich um eine wichtige Angelegenheit der Gemeinde handelt. Die Wiesbadener Stadtverordneten haben im Mai 2019 auf Druck der FDP und zweier Bürgerinitiativen gegen die Citybahn beschlossen, dass es einen Bürgerentscheid geben soll.

Das Projekt

Die Citybahn ist eine Straßenbahn, die von Mainz über Wiesbaden nach Taunusstein bis Bad Schwalbach fahren soll. Die Strecke ist 34,5 Kilometer lang.

Der Bau könnte in zwei Jahren beginnen und 2025 bis 2027 abgeschlossen sein.

Die Planer haben sich für eine Straßenbahn mit Spurbreite von einem Meter entschieden, um die Bahn ans Mainzer Straßenbahnnetz anzuschließen. Zudem sollen aus Kostengründen das Depot und die Werkstatt in Mainz mitgenutzt werden.

Als Rückgrat eines Verkehrssystems soll die Bahn ein Teil eines umfangreichen Mobilitätskonzepts mit Bussen, Radwegen, Leihrädern und Park-&-Ride-Angeboten sein.

Eine Citybahn könnte so viele Menschen befördern, wie durchschnittlich in 60 Autos (1,4 Personen) fahren. Die Planer gehen von einer Ersparnis bis zu 4 500 Tonnen CO2 im Jahr aus.

Der Rheingau-Taunus-Kreis erwog anfangs, gegen den Bürgerentscheid zu klagen, ließ den Gedanken aber fallen. „Es gilt die Souveränität der Gebietskörperschaften“, stellt der Taunussteiner Bürgermeister Sandro Zehner (CDU) in einem Video fest, „das ist keine komfortable Situation für uns.“ Allein Taunusstein hat bereits 360 000 Euro in die Vorplanungen investiert.

Außer in Wiesbaden ist die Straßenbahn in den anderen beteiligten Städten willkommen. „Aus Mainz kommt ein klares Ja zur Citybahn. Als Schienenverbindung zwischen den beiden Landeshauptstädten ist sie in Zeiten der Debatten um Klimawandel, Stickoxide, Megastaus und der notwendigen Verkehrswende aus Mainzer Warte ein essenzieller Baustein für den Verkehr von morgen“, sagt Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD).

„Das ist das wichtigste Verkehrsinfrastrukturprojekt in der Kreisregion“, betont Frank Kilian (parteilos), der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, der sich durch die Citybahn einen Aufschwung erhofft. Weder Bad Schwalbach noch Taunusstein verfügen über einen Bahnanschluss. Bad Schwalbach plant jetzt sogar, die Bahn mitten in die Stadt zu führen und nicht schon am Stadtrand enden zu lassen.

Wenn sie schon nicht ihr Votum abgeben dürfen, hoffen die Menschen im Rheingau-Taunus-Kreis auf indirekte Einflussnahme. Kreissprecher Christoph Zehler erzählt: „Wir haben versucht, Bekannte und Verwandte aus Wiesbaden dazu zu bewegen, mit Ja zu stimmen.“

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