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Mäuerchen wird zur Mauer

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Von: Ute Fiedler

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An der Reduit sind die Bauarbeiten bereits in vollem Gange – das kann auch der Ortsbeirat nicht mehr ändern.
An der Reduit sind die Bauarbeiten bereits in vollem Gange – das kann auch der Ortsbeirat nicht mehr ändern. © Bernd Fickert

Der Kasteler Ortsbeirat ist aufgebracht über das Vorgehen an der Reduit: Aus einem 40-Zentimeter- Mäuerchen wird dort nun eine 1,20 Meter hohe Mauer.

Eigentlich sollte die Mauer an der Reduit in Mainz-Kastel zwischen Promenadenweg und Strand 40 Zentimeter hoch werden. Spaziergänger sollten sich daraufsetzen und den Blick nach Mainz genießen können. Das dachten zumindest die Mitglieder des Kasteler Ortsbeirats. Wunschdenken, wie sich herausstellte. Jetzt fielen sie aus allen Wolken. Denn aus dem 40-Zentimeter- Mäuerchen wird eine 1,20 Meter hohe Mauer und aus anfänglicher Begeisterung Wut.

Den Architekten Klaus Bierbaum aus Mainz trifft keine Schuld an dem ganzen Mauer-Kuddelmuddel. Er hatte von Anfang an eine 1,20 Meter hohe Mauer in seinem Konzept angegeben. Ein Konzept, das den ersten Platz bei einem von der Stadt ausgelobten Wettbewerb machte. „Durch die Betonmauer wird der Abschnitt klar definiert. Sie wird nicht gewaltig und auf keinen Fall hässlich sein“, sagt Bierbaum.

Doch genau das befürchten viele Mitglieder des Ortsbeirats, die sich hintergangen fühlen. „Uns wurde immer nur etwas von 40 Zentimetern erzählt. Sonst hätten wir doch noch etwas dagegen unternehmen können. Jetzt werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt“, sagt Jutta Deusser-Bettin (FDP).

Unzufrieden mit dem Verfahren ist auch Ralf Allmannsdörfer (CDU). „Auf dem Weg zur Umsetzung hat irgendjemand die Höhe der Mauer reduziert. Warum auch immer. Und als man gemerkt hat, dass das aus Sicherheitsgründen nicht geht, hat man wieder auf das Ursprungskonzept zurückgegriffen.“ Laut Tiefbauamt der Stadt muss dort eine 1,20 Meter hohe Mauer errichtet werden, damit Radfahrer nicht auf Sonnenanbeter am Strand stürzen.

Doch wer hat denn nun die Mauer zwischendurch kleiner gemacht, als sie jetzt gebaut wird? Und vor allem warum? Das lässt sich laut Stadtplanungsdezernat nicht klären. Abstimmungsschwierigkeiten zwischen verschiedenen Ämtern liegen auf der Hand.

Der Ärger der Ortsbeiratsmitglieder über das Informationssystem der Stadt ist groß, doch ändern können sie an der Höhe der Mauer nichts mehr. Während der jüngsten Ortsbeiratssitzung haben sich letztendlich viele Beiratsmitglieder vom Sicherheitsaspekt überzeugen lassen und für die höhere Mauer gestimmt. Als Kompromiss hatte Architekt Bierbaum ein zusätzliches Konzept vorgestellt: Die Betonmauer soll auf einen Meter reduziert, obendrauf ein 20 Zentimeter hoher Handlauf entstehen. Vier Ortsbeiratsmitglieder stimmten allerdings gegen den Plan.

Doch auch etwas Erfreuliches brachte die Sitzung laut Ortsvorsteherin Christa Gabriel (SPD) mit sich: „Endlich ist eine Lösung für die Verankerung der Pieter van Aemstel gefunden. Zuvor liefen die Taue über den Strand. Jetzt wird das Schiff an Stangen befestigt.“

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