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Männerwohnheim in Wiesbaden erhält Neubauten

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Von: Madeleine Reckmann

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Die Baugruben für die Nebenbauten des Männerwohnheims im Hintergrund sind schon ausgehoben.
Die Baugruben für die Nebenbauten des Männerwohnheims im Hintergrund sind schon ausgehoben. © Michael Schick

Die Heilsarmee kümmert sich um Obdachlose. 56 zusätzliche Unterkünfte geplant.

Es ist ein kalter Tag mit Nieselregen, als die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) zur Grundsteinlegung für die beiden neuen Gebäude des Männerwohnheims der Heilsarmee in der Schwarzenbergstraße einlädt. Ein Tag, an dem man sich schon tagsüber nicht gerne draußen aufhält, erst recht nicht nachts. „Ich bin froh, dass sich die Heilsarmee um die Menschen kümmert, die kein Zuhause haben“, sagt Alexander Scholz, Ortsvorsteher in Wiesbaden Süd-Ost. Und er sei froh, dass das Männerwohnheim am alten Standort im Stadtteil ertüchtigt werde. Denn dort würden die Männer mehr als einen Schlafplatz finden, auch Gemeinschaft, Halt und Heimat.

Seit 1957 betreibt die Heilsarmee im früheren Hofgut des Fürsten von Schwarzenberg ein Wohn- und Übernachtungsheim. Obdachlosen gewährt sie ein sauberes und warmes Bett. Das denkmalgeschützte Haus wurde 1902 erbaut als Unterkunft für Menschen, die ihre Wohnung verloren haben. Nun sollen im Hinterhof zwei einfache, aber funktionale Neubauten entstehen. Bevor der nächste Winter kommt, im Oktober, sollen sie bezugsfertig sein.

Die Bauten ersetzen zwei Baracken, die seit 1986 als Übergangslösung die Einrichtung im Altbau erweiterten und dann zur Dauereinrichtung wurden. Mehr als 30 Jahre lang blieben sie in Betrieb, bis die städtischen Ämter sie 2018 als nicht mehr bewohnbar einstuften und abreißen ließen. 50 Männer hatten dort übernachten können; übergangsweise finden die Bewohner in Ausweichquartieren in den Stadtteilen Biebrich und Dotzheim eine nächtliche Bleibe.

Die Heilsarmee

Die Heilsarmee ist eine international tätige Bewegung und Hilfsorganisation christlich-freikirchlicher Prägung.

Gegründet wurde sie 1865 von William Booth in London. Sie ist straff organisiert, die Mitglieder haben militärische Bezeichnungen.

In Deutschland nahm Heilsarmeeoffizier Fritz Schaaf 1886 die Arbeit auf. 1897 begann mit der Eröffnung eines Mädchenheims in Berlin die offizielle Arbeit.

Im Nationalsozialismus und in der DDR war die Heilsarmee verboten.

Weltweit hat die Heilsarmee 1,7 Millionen Mitglieder.

Stadt bezahlt Neubau

Die neue Unterkunft, die 56 Schlafplätze anbietet, besteht aus einem zweigeschossigen und einem eingeschossigen Bau mit jeweils begrüntem Flachdach. Im Erdgeschoss des einen werden rollstuhlgerechte Doppelzimmer mit behindertengerechtem WC eingerichtet, zudem 23 normale Doppelzimmer mit Sanitärbereich auf beiden Stockwerken. Im zweiten Gebäude sollen „sozial auffällige Bewohner“ in drei Doppelzimmern logieren. Die Stadt kommt für die 3,7 Millionen Euro Baukosten vollständig auf.

Die Heilsarmee bietet in dem Heim zwei Wohnkonzepte an. Es gibt einen Wohnbereich für Dauergäste, die komplett verköstigt werden. „Darunter viele Kleinrentner, die sich eine Wohnung nicht leisten können“, berichtet Heimleiter Hans-Jürgen Schürmann, „Leute, die bis zu 30 Jahre bleiben.“ Daneben gibt es einen Übernachtungsbereich für Durchgangsgäste, die zwischen dem Leben auf der Straße und der Nacht im Heim pendeln. Eine Übernachtung kostet drei Euro. Das Männerwohnheim der Heilsarmee ist zudem wichtiger Bestandteil der Wiesbadener Winterregelung. In der kalten Jahreszeit können mittellose Personen ohne Anspruch auf Sozialleistungen kostenlos dort übernachten. Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD) lobt die verbesserte Qualität der Neubauten und die gute Arbeit der Heilsarmee, die sich einfüge in die Stadt.

Das Besondere an diesem Männerwohnheim ist, dass es seit 1970 von Familie Schürmann geführt wird. Margarete Schürmann leitete es mit ihrem Mann Ernst, der 2004 verstarb, bis ihr Sohn Hans-Jürgen, der in dem Haus aufgewachsen war, die Leitung 2002 übernahm. Im September vorigen Jahres wurde Margarete Schürmann für ihre Dienste von der Stadt mit der Wiesbadener Lilie ausgezeichnet.

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