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Lotsen helfen Schlaganfall-Patienten in Wiesbaden

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Von: Diana Unkart

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Menschen sind nach dem Schlaganfall damit überfordert, sich um das Leben danach zu kümmern, um Anträge und Rehamaßnahmen. In den HSK erhalten sie Unterstützung durch die „Schlaganfall-Lotsen“.
Menschen sind nach dem Schlaganfall damit überfordert, sich um das Leben danach zu kümmern, um Anträge und Rehamaßnahmen. In den HSK erhalten sie Unterstützung durch die „Schlaganfall-Lotsen“. © Michael Schick

An den Helios Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken werden Patienten bis zu einem Jahr nach dem Schlaganfall betreut. Die Lotsen helfen bei Anträgen, aber auch beim Ablegen ungesunder Gewohnheiten.

Wir sprechen von einem zweiten Schlaganfall, von einem nichtmedizinischen“, sagt Elmar Stegmeier und meint die Zeit nach Klinikaufenthalt und Reha. Dann, wenn Patientinnen und Patienten in einem stark fragmentierten Gesundheits- und Sozialsystem plötzlich auf sich gestellt sind, wenn sie oder ihre Angehörigen Anträge ausfüllen und sich um eine weitere Reha, um einen Facharzttermin oder um einen barrierefreien Umbau der Wohnung kümmern müssen. „Die Menschen sind überfordert damit.“ Stegmeier ist Beauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe. Die hat das Projekt „Schlaganfall-Lotsen“ initiiert, das jetzt an den Wiesbadener Helios-Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) startet.

Die HSK sind die zweite Klinik in Hessen, die mit Schlaganfalllotsinnen und -lotsen als professionellen Kümmerer arbeitet. Bislang gab es sie nur am Klinikum in Hanau.

Patientenzahlen

In den Helios Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) in Wiesbaden sind im vergangenen Jahr 1097 Patientinnen und Patienten mit Schlaganfällen behandelt worden.

Das Durchschnittsalter der männlichen Patienten lag bei etwa 71 Jahren, das der Frauen bei knapp 77 Jahren. Der jüngste Schlaganfallpatient, der an den HSK behandelt wurde, war 15 Jahre alt.

In der Klinik können bei einem schweren Schlaganfall verstopfte Hirnarterien minimalinvasiv behandelt werden. Die Schlaganfall-Station verfügt über 12 Betten. (diu)

Von dort kommt Sabine Meister-Dittrich. Sie soll ihre Erfahrungen in Wiesbaden einbringen und das Programm an den HSK etablieren. Voraussichtlich im September bekommt sie eine weitere Kollegin, eine dritte Stelle ist vorgesehen. Jeder Lotse beziehungsweise jede Lotsin wird dann bis zu 50 Patient:innen betreuen können.

Pro Jahr erleiden rund 270 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Er ist die dritthäufigste Todesursache und nach Angaben der Klinik die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. Etwa 60 Prozent der Patientinnen und Patienten sind längerfristig auf Unterstützung, Pflege oder Therapie angewiesen. Das verursacht immense Kosten.

Die Rückmeldungen in Hanau seien durchweg positiv gewesen, sagt Sabine Meister-Dittrich. Sie hat 30 Jahre als Physiotherapeutin in der Neurologie und häufig mit Schlaganfallpatient:innen gearbeitet. Elmar Stegmeier von der Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe verweist auf Studienergebnisse, die den Erfolg des Lotsenprogramms ebenfalls belegten. So seien beispielsweise die Zahlen wiederkehrender Schlaganfälle und die Sterblichkeit gesunken. Die Koalition im Bund hat die Implementierung von Lotsen als Ziel im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Bislang übernehmen nur einzelnen Kassen die Kosten.

Noch in der Stroke Unit, der Schlaganfallstation, wird Sabine Meister-Dittrich die Patientinnen und Patienten besuchen, sich und ihre Arbeit als Lotsin vorstellen. Möchte der Patient ihre Unterstützung – die Teilnahme an dem Programm ist freiwillig und kostenfrei -, dann besucht sie ihn oder sie in der Reha und später, etwa zwei Wochen nach deren Ende, zu Hause. So werden in einem definierten Prozess der Bedarf und die Herausforderung für jede Patientin und jeden Patienten erhoben. „Wir helfen ihnen, sich im Dschungel unseres Gesundheitssystems zurechtzufinden.“ Eine weitere wichtige Aufgabe besteht darin, Risikofaktoren im Leben der Betroffenen zu erkennen und zu helfen, die Risiken zu mindern. „Uns leitet ein großes Ziel: Nämlich einen weiteren möglichen Schlaganfall zu verhindern“, sagt Meister-Dittrich. Nach dem Besuch zu Hause erfolgt der Kontakt regelmäßig per Telefon bis zu einem Jahr nach dem Schlaganfall. Auch der Draht zu dem behandelnden Hausarzt gehört zum Aufgabenfeld der Lotsen. Sollte der Plan nicht wie gewünscht funktionieren, „dann nehmen wir gemeinsam Anpassungen vor“, erläutert Meister-Dittrich. „Es ist nicht leicht, schlechte Gewohnheiten von heute auf morgen über Bord zu werfen.“

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