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Die Arbeiten sind fertig, im Hintergrund die umstrittene Litfaßsäule.
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Die Arbeiten sind fertig, im Hintergrund die umstrittene Litfaßsäule.

Wiesbaden

Litfaßsäule in der Blickachse

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Streit um Werbeträger auf dem Platz zwischen Kongresszentrum und Museum. Museumsleiter Klar sieht die Ästhetik der neu gestalteten Verkehrsinsel gestört.

Der Stein des Anstoßes ist in Wiesbaden gerade eine Litfaßsäule, eigentlich ja ein unschuldiges Ding. Aber der Ort, wo sie nach den Bauarbeiten kürzlich wieder aufgestellt wurde, bereitet einigen Personen Missbehagen. Denn die Säule dreht sich ausgerechnet auf dem Platz zwischen dem neuen imposanten Rhein-Main-Congresscenter (RMCC) und dem schräg gegenüberliegenden Hessischen Landesmuseum.

Dieser Platz, eigentlich ist es nur eine Verkehrsinsel in der Friedrich-Ebert-Allee, war gerade als elegantes Entrée neu gestaltet worden. Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) nennt ihn „ein besonderes Stückchen Straße“, das als „wunderbarer Stadteingang“ die Ästhetik des modernen Kongressgebäudes mit der des historischen Museums verbinden solle. Er wurde sorgfältig geplant: das Pflaster farblich mit den Fassaden abgestimmt, zwei Wasserspiegel als erfrischender Quell installiert und zwei Reihen Spitzahorn als Schattenspender gepflanzt; bald werden Bänke gestellt.

Drei Millionen Euro hat sich die Stadt die Neugestaltung kosten lassen. Die Arbeiten seien „eine knackige Aufgabe gewesen“, sagt Gerich, denn sie sollten punktgenau mit der Eröffnung des renommierten RMCC und dem Ende der Renovierungen am Landesmuseum fertiggestellt werden.

Das hat geklappt. Gestern wurde der Platz eröffnet, das RMCC geht im April in Betrieb, bis dahin soll auch das Museum fertig sein. Aber nun ist da eine Litfaßsäule. Mittendrin. Gestern warb sie für die Landeshauptstadt. „Die Litfaßsäule steht ziemlich genau in der diagonalen Achse zwischen dem Museumseingang und dem Eingang des RMCC“ und sei damit „ein deplatziertes Gestaltungselement auf dem Vorzeigeplatz der Stadt“, kritisiert Alexander Klar, Direktor des Landesmuseums, der von sich selbst sagt, wer, wenn nicht er müsse für das Schöne, Wahre und Gute die Stimme erheben.

Die Litfaßsäule störe, „kommerzialisiert und kraftvoll“, wie sie sei, die „äußerst gelungene Architektur des RMCC“, Ein Werk von Ferdinand Heide, der das Kongressgebäude in einer „rhythmisierten Stufung“ entworfen habe, sagt Klar. Heide habe den Eingang des RMCC „schräg nach hinten links versetzt“; „durch diesen geschickten Kunstgriff tue die Straße so, als ob sie ein Platz sei.“ Aber in der Mitte nun die Litfaßsäule. Nachdem Klar sich zu Wort gemeldet hatte, regen sich die Wiesbadener in Leserbriefen in der Lokalzeitung auf. Das bringt die Planer im Rathaus ins Grübeln.

Ob die Litfaßsäule wirklich in der diagonalen Achse zwischen Museum und RMCC stehe, sieht Andreas Kowol, Dezernent für Grünflächen und Verkehr (Grüne), anders. Für ihn gehe der Blick gerade an der Säule vorbei, was natürlich eine Frage des Standpunkts ist. Nichtsdestotrotz erkennt er an, dass die Säule, zumal, wenn sie nachts beleuchtet sei, „die Blickbeziehung gewaltig störe“. Deshalb regt er an, über die Litfaßsäule und ihren Standort neu zu entscheiden, wenn im Frühjahr die Bänke, Verkehrsschilder, Fahnenstangen und was sonst noch installiert werden soll, am Platz sein werden. „Wir werden dann in aller Ruhe alles anschauen und entscheiden“, sagt Kowol.

Ein Vorgängermodell der Säule hatte schon vor den Bauarbeiten dort gestanden, war nur mitten in den inzwischen gefällten Bäumen nicht aufgefallen, aber in allen Gestaltungsplänen verzeichnet und von allen Ämtern abgesegnet. Die Stadt rückte die neue Säule aus technischen Gründen fünf Meter gen Norden. Sie ist Bestandteil eines 2011 mit dem Werbeunternehmen Wall AG geschlossenen Vertrages; Wall darf alle Werbeflächen der Stadt bespielen. Nur für diesen Standort könnte sich das bald ändern.

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