Spracherwerb findet im Elternhaus und in der Kita statt.
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Spracherwerb findet im Elternhaus und in der Kita statt.

Sprachförderung

Lernen, wie man spricht

Studenten der Hochschule Rhein-Main entwickeln ein Konzept für die Sprachförderung in Kitas.

Von Bernd Schmid

Sprache ist der Schlüssel zur Welt. Damit die Welt allen Kindergartenkindern offen steht, rückt die frühkindliche Sprachförderung zunehmend in den Fokus der Bildungsplaner. Eine Studierendengruppe des Fachbereichs Sozialwesen an der Hochschule Rhein-Main hat den Ist-Zustand an acht Wiesbadener Kindertagesstätten in diesem Bereich beobachtet und daraus eine Konzeption einer „sprechfreudigen Kindertagesstätte“ entwickelt.

Zwei Semester lang haben die 17 Studierenden unter der Leitung der Professorin Angelika Ehrhardt mit den Theorien und empirischen Befunden zum Spracherwerb auseinandergesetzt – und vor diesem Hintergrund den Alltag in acht Wiesbadener Kindertagesstätten beobachtet. Dass darunter sieben städtische Kitas und nur eine Einrichtung eines freien Trägers waren, sei der Mitarbeit von Harald Engelhard, Abteilungsleiter Abteilung Kindertagesstätten der Stadt Wiesbaden, geschuldet und stelle keine gezielte Auswahl dar, erläuterte Ehrhardt.

„Kommunikative Räume“ schaffen

Wie auf Kinder mit sprachlichem Förderbedarf eingegangen wird und welche Hemmnisse dem Spracherwerb entgegenstehen, waren zwei zentrale Fragestellungen der Projektarbeit. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch in der Hochschule der Presse und Fachöffentlichkeit vorgestellt: Eine zentrale Erkenntnis ihrer Arbeit sei, dass Sprachförderung in Kitas finde „nicht einfach so“ stattfände, teilten die Studierenden mit. Dazu fehle häufig die Zeit.

Zwar sei das Thema in den Kitas bekannt und die Förderung der Sprachkompetenz ein wesentliches Ziel ihrer Arbeit: „Um Auffälligkeiten und Störungen im Sprech- und Sprachverhalten eines Kindes beheben oder vermindern zu können, bedarf es neben einer entsprechenden Grundeinstellung des pädagogischen Personals auch theoretischem Wissen und Kenntnissen der Methoden“, lautet ein Fazit der Studierenden. Erzieher müssten zu professionellen Sprachbetreuern weiterqualifiziert werden. Darüber hinaus sollte bei der Gestaltung der Kita-Räume, des Tagesablaufs und der Auswahl von Projekten gezielt „kommunikative Räume“ geschaffen werden, in denen Kinder ohne Scheu und Leistungsdruck Sprachkompetenz entwickeln könnten.

Erstsprache fördert Sprachkompetenz

Positiv beurteilten die Studierenden den Einsatz von Sprachberatern in Kitas. Diese werden im Rahmen des Projektes „Frühe Chancen“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gezielt in Kitas, die häufig von Kindern mit besonderem Sprachförderbedarf besucht werden, eingesetzt. Bundesweit beteiligen sich rund 4000 Einrichtungen, in Wiesbaden sind es laut Engelhard 27.

Der Aufgabenbereich der „Erzieherfachkraft für die Sprach- und Integrationsförderung“ reicht von der sprachpädagogischen Arbeit mit Kindern über die Qualifizierung und fachliche Begleitung des Teams und der Einrichtung bis hin zur Zusammenarbeit mit Eltern. Gerade diesem Aspekt misst Ehrhardt große Bedeutung zu: „Der Spracherwerb beginnt bereits, bevor ein Kind sprechen kann. Er wird begleitet und beeinflusst von den Bezugspersonen. Hier müssen wir ansetzen und etwa Eltern von Migrantenkindern vermitteln, dass die Vermittlung ihrer Erstsprache zu Hause die Sprachkompetenz ihres Kindes fördert, auch wenn in der Kita deutsch gesprochen wird.“ Kinder können diese Lebenswelten gut voneinander trennen.

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