1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Leihfahrradsystem kommt nicht voran

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Ein Nutzer meldet sich bei Call a Bike an.
Ein Nutzer meldet sich bei Call a Bike an. © Andreas Arnold

Das Konzept des Darmstädter Büros „Verkehrslösungen“ für ein kommunales Leihfahrradsystem stößt auf Kritik im Wiesbadener Rathaus. Der Verkehrsausschuss des Stadtparlaments vermisst eine Kostenkalkulation.

Von Tim Niendorf

Ein neues Konzept für ein kommunales Leihfahrradsystem des Darmstädter Büros „Verkehrslösungen“ ist am Dienstag im Rathaus vorgestellt und vom Verkehrsausschuss stark kritisiert worden. Der Entwurf wurde von Volker Blees präsentiert, der mit der Ausarbeitung des Entwurfs gegen Ende September beauftragt worden war. Hans-Martin Kessler (CDU), Vorsitzender des Ausschusses, bemängelte Blees Pläne: „Wir haben heute nicht viel Neues erfahren, ein Ergebnis fehlt. Wir drehen uns im Kreis.“

Blees äußerte bei der Präsentation seines Konzepts, dass Leihfahrradsysteme generell Erfolg hätten, wenn sie auf bestehende Strukturen aufbauten. „Die Verkehrsstrukturen in Wiesbaden sind aber unzureichend. Hier muss die Stadt nachbessern.“ In Deutschland habe man lediglich zehn Jahre Erfahrung in diesem Bereich. So gut wie sicher sei aber, dass man auf dauerhafte Subventionen der Stadt angewiesen sei: „In Deutschland gibt es kein System, das sich von alleine trägt. Es ist, genauso wie der Öffentliche Nahverkehr, immer auf Zuschüsse angewiesen.“ Die Erfahrung an anderen Orten zeige, dass Kunden nicht bereit seien, viel zu bezahlen: „50 Cent für eine halbe Stunde kann man verlangen – viel mehr ist nicht drin.“

In jedem Fall müsse eine lange Anlaufzeit bei der Planung eines Leihsystems einkalkuliert werden. „Zwei bis drei Jahre kann das dauern. Denn in anderen Städten sieht man, dass der tatsächliche Bedarf erst später erkennbar ist. Man muss anfangs also flexibel sein und Stationen auch mal umziehen“, so Blees.

Blees wehrt sich gegen die Kritik

Zwei Varianten stellte er in seiner Präsentation vor. Zum einen gibt es Fix-Stationen wie in Mainz, an denen nur eine bestimmte Zahl von Abstellplätzen vorhanden ist.

Die zweite Möglichkeit sind Flexi-Stationen, an denen es keine feste Stellplatzzahl gibt. Die erste Variante koste bis zu 2500, die zweite bis zu 1500 Euro pro Fahrrad und Jahr. Bei Fix-Stationen kämen noch Anschaffungskosten von bis zu 3600 Euro hinzu. „Flexi-Stationen mit sechs bis zwölf Stellplätzen wären wünschenswert.“

Für die Umsetzung schlug Blees ein Drei-Stufen-Modell vor. In einem ersten Schritt müsse man mit 50 Stationen im Stadtkern beginnen und diese dann auf 120 erweitern. Genaue Orte für die Stationen konnte er nicht nennen, aber: „Autoparkplätze müssten weichen.“ Die Stadt müsse sich nun entscheiden, ob man den Radverleih ausschreibe oder von der Stadt selbst entwickelte Lösung präferiere.

Susanne Pöpel (UFW) kritisierte Blees:: „Das Gutachten hat gar nichts gebracht, ohne eine Kostenkalkulation kommen wir nicht voran. Ich kann nur raten: Nachsitzen.“ Auch Hans-Joachim Hasemann-Trutzel (CDU) zeigte sich enttäuscht: „Ich bin außerordentlich unzufrieden. Wir sind nicht weiter als vorher, brauchen dringend ein Konzept, über das abgestimmt werden kann.“ Kessler sagte: „Wir benötigen klare Vorgaben und nicht die Offenheit vieler Systeme.“

Gegenüber der FR wehrte sich Blees gegen die Kritik: „Wir hatten nur drei Monate Zeit. Von einer Kostenkalkulation war nicht die Rede.“ Es sei nur gefordert worden, das man ein Leihsystem prüfen möge. „Ich habe mir ältere Ausschussbeschlüsse zu dem Thema angesehen: Die waren windelweich.“ Ob er das Konzept in Zukunft weiter verfolgen dürfe, wisse er nicht: „Das hängt vom Ausgang der Kommunalwahlen ab.“

Auch interessant

Kommentare