Urteil nach 22 Jahren

Lebenslange Haft für Raubmord

Der Handabdruck hat ihn überführt: 22 Jahre nach dem Raubmord an einer Rentnerin ist ein 51-Jähriger zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Sein Verteidiger will in Revision gehen. Von Waltraut Rohloff

Wiesbaden. Lebenslange Haft wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge hat die 2. Große Strafkammer am Landgericht Wiesbaden am Mittwoch für den heute 51 Jahre alten Jörg W. verhängt. Die Tat an der 67 Jahre alten Witwe Traude Pagenstecher liegt 22 Jahre zurück. Ein automatischer Handflächenabgleich des mehrfach wegen Betrugs vorbestraften W. mit einer Spur im Haus der Toten hatte im Frühjahr Ermittlern des Landeskriminalamtes (LKA) den entscheidenden Hinweis gebracht. Der Verteidiger kündigte schon Revision gegen das Urteil an.

Nach zwei Verhandlungstagen kam das Gericht zu dem Urteil, dass der zur Tatzeit 29 Jahre alte W. aus Habgier sein Opfer am späten Abend des 27. November 1986 in dessen Bungalow in Wiesbaden überfallen hat. Traude Pagenstecher wurde gewürgt bis sie die Besinnung verlor und anschließend mit einer Strumpfhose geknebelt. Traude Pagenstecher erstickte. Dem Angeklagten sei "gleichgültig" gewesen, ob das Opfer stirbt, stellte das Gericht fest. W. habe "Beute um jeden Preis machen wollen".

Die dem Buddhismus zugetane Traude Pagenstecher galt in der Nachbarschaft als kontaktfreudig, hilfsbereit, furcht- und angstlos. Über die angeblich wohlhabende Dame hatte W. Details in einer Kneipe im Frankfurter Bahnhofsviertel erfahren. Wieder einmal frisch aus der Haft entlassen, hatte W. weder einen festen Wohnsitz noch eine feste Arbeit. Und wie so oft in seiner damals schon langen Betrügerkarriere brauchte W. Geld - und ließ sich mit dem Taxi von Frankfurt nach Wiesbaden fahren.

Eine Reihe von Betrügereien in den nach der Tat folgenden 22 Jahren brachte die Polizei schließlich auf die Spur des jetzt 51-Jährigen. Sein Handflächenabdruck war identisch mit dem, den Kriminalbeamte am Bettrahmen von Traude Pagenstecher gesichert hatten. Drei Beamte des Landeskriminalamtes nahmen die Ermittlungen auf, kreisten den Tatverdächtigen bei der Vernehmung immer mehr ein, konfrontierten ihn schließlich mit der Tat in Wiesbaden. W. brach zusammen, legte ein Geständnis ab - ohne freilich vorher mit seinem Anwalt gesprochen zu haben.

Der legte es nun bei der Verhandlung darauf an, für seinen Mandanten einen Freispruch zu erreichen. Der Handabdruck genüge nicht, Jörg W. des Mordes zu überführen. Das Geständnis vor der Polizei sei "nicht verwertbar". Sein Mandant sei letztlich "zu weiteren Angaben gedrängt" worden.

Anders als bei der polizeilichen Vernehmung schwieg Jörg W. während des gesamten Prozesses. Für das Gericht war durch die Aussagen von drei LKA-Beamten klar: W. habe "aus freien Stücken" gestanden. Am Verhalten der der Polizei bei der Vernehmung im Februar sei "nichts zu beanstanden".

Eine "besonder Schwere der Schuld" erkannte das Gericht nicht. Zum einen, weil die Tat 22 Jahre zurückliegt, zum anderen, weil der Angeklagte die Tat gestanden habe.

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