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Laut und energisch – die Demonstranten wehren sich gegen den Auftritt den Rechten.
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Laut und energisch – die Demonstranten wehren sich gegen den Auftritt den Rechten.

Mainz

Lauter als die Hetzparolen

Rund 600 Mainzer stören die Kundgebung der rechtsextremen NPD.

Von Armin Thomas

Mit Trillerpfeifen und lautstarken „Nazis raus“-Rufen übertönen die Demonstranten alles, was die wenigen NPD-Aktivisten, die gegen 11.30 Uhr mit ihrem Truck vor der Alten Universität eingetroffen sind, zu bieten haben: Als ein kräftiger Mann in orangefarbenem T-Shirt und verwaschener Jeans und etwa 20 Minuten später der NPD-Bundesvorsitzende Holger Apfel ins Mikro sprechen, versteht man allenfalls Wortfetzen.

Rund 600 Mainzer haben am Donnerstag friedlich gegen eine NPD-Kundgebung am Höfchen vor dem Platz an der Alten Universität demonstriert. Dorthin mussten die Rechtsextremen ausweichen, weil die Mehrheit der Demonstranten sich auf den Platz vor der Deutschen Bank in der Ludwigsstraße gesetzt hatte, für den die NPD ursprünglich die Genehmigung für ihre Kundgebung erhalten hatte.

Als Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) mit Bürgermeister Günter Beck (Grüne), Katrin Eder und Jugend- und Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD) gegen 10.40 Uhr eintrifft, sagt er mit Blick auf die vielen jungen Menschen, die hier auf dem Boden sitzen: „Großartig.“ Als die Polizei die Demonstranten um 11 Uhr per Durchsage auffordert, den Platz zu verlassen, weil hier die Kundgebung der NPD ordnungsgemäß angemeldet sei, befolgt Ebling diese Anweisung. Nicht aber die große Mehrheit der übrigen Demonstranten.

Erst als gegen 11.30 bekannt wird, dass der Nazi-Truck auf dem Platz vor der Alten Uni angekommen ist, stehen die Demonstranten auf und gehen dorthin.

Die Stimmung in der vorderen Demonstrantenreihe schaukelt sich spürbar hoch, als die Nazis „ausländischen Sozialschmarotzern“ und Schwulen und Lesben „den Kampf ansagen“. Ein Farbbeutel und Wasserbomben fliegen auf den von rund 100 Polizisten abgeriegelten Platz. Hier und da auch eine Tomate. Den Mann, der den Farbbeutel geschmissen hat, greift die Polizei heraus und nimmt seine Personalien auf. Er muss mit einem Ermittlungsverfahren rechnen. „Das ist Volksverhetzung“, schimpft Neustadt-Ortsvorsteher Nico Klomann, als er die Äußerungen des NPD-Vorsitzenden hört. „Der Kampf gegen einzelne Gruppen widerspricht ganz klar dem Grundgesetz“, betont der Grünen-Politiker.

Die Polizei sieht keinen Grund zum Eingreifen, weil keine konkrete Gefahr besteht, dass die Situation aus dem Ruder laufen könnte. Einsatzleiter Achim Zahn betont am Rande, dass ihm ein solcher Einsatz nicht gefällt. „Aber wir müssen das Recht auf Versammlungsfreiheit gewährleisten, auch wenn es uns nicht gefällt.“

„Ihr habt den Krieg verloren“, rufen einige Demonstranten den NPD-Aktivisten zu. Bernhard Breit, 77-jähriger ehemaliger Ortsvorsteher von Gonsenheim, steht in einer der hinteren Reihen: „Es ist eine Schweinerei, dass man eine NPD-Kundgebung nicht verbieten kann. Sehr gut ist, wie viele junge Leute hier sind.“ Michael Hartmann, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Mainz, zeigt sich beeindruckt: „Es ist nicht selbstverständlich in deutschen Städten, dass so viele Menschen gegen Nazis auf die Straße gehen.“

Gegen 13 Uhr ist der Spuk zu Ende. Rund 20 Demonstranten setzen sich auf die Straße. Kein Problem. Die Polizei leitet den Truck an ihnen vorbei. Die Polizei selbst hatte den Gutenbergplatz als Veranstaltungsort angemeldet, um dort über die Sicherheit beim Fahrradfahren zu informieren. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte den Bahnhofsvorplatz gebucht, die Grünen den Marktplatz, die SPD den Leichhof, Grüne und der Verein Rheinhessen gegen Rechts den Schillerplatz und Grünen-Stadtrat Christian Viering den Bischofsplatz. Alles, um eine Nazikundgebung, deren Verbot durch die Stadt vom Verwaltungsgericht am Mittwoch aufgehoben worden war, möglichst zu verhindern.

„Wir können stolz sein auf unsere Stadt“, zeigt sich Umweltdezernentin Katrin Eder hocherfreut, als der Spuk um kurz nach 13 Uhr zu Ende ist. R13

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