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Laufen liegt im Trend

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Mobil in derStadt: Beim 25-Stunden-Lauf im  Kurpark.
Mobil in derStadt: Beim 25-Stunden-Lauf im Kurpark. © R .Oeser

Die große Mehrheit der Wiesbadener treibt Sport oder bewegt sich – am liebsten im Freien

Von Mirjam Ulrich

Von wegen Couch-Potato und Stubenhocker: Gut drei Viertel der Wiesbadener treiben regelmäßig Sport oder gehen zumindest spazieren. Dies hat eine repräsentative Umfrage der Stadt ergeben, deren Ergebnisse nun vorliegen. Zwar zeigt ein Vergleich der aktuellen Zahlen mit jenen einer Erhebung von 2002, dass der Anteil der Sporttreibenden an der Bevölkerung leicht gesunken ist. Doch dafür sind diese regelmäßiger und häufiger aktiv. Nur 24 Prozent der Befragten halten es mit Winston Churchills – angeblichem, aber nicht belegtem – Ausspruch: „no sports“.

Tatsächlich war der britische Staatsmann nämlich ein passionierter Reiter, der auch im hohen Alter noch an Fuchsjagden teilnahm. Bei den Wiesbadenern stehen hingegen Laufen, Walken, Wandern und Spazierengehen besonders hoch in der Gunst. Allein dem Laufsport frönen mittlerweile 44 Prozent der Sporttreibenden. Deutliche Zunahmen verzeichnen außerdem die Aktivitäten Wandern, Spazierengehen, Fitnesstraining und Fußball.

Beliebteste Einzelsportart ist nach wie vor das Schwimmen, gefolgt vom Radsport, allerdings haben beide Disziplinen an Bedeutung verloren. Auch Gymnastik ist heute weniger angesagt als 2002. Die Vorlieben für einzelne Sportaktivitäten hängen mit Geschlecht, Alter, Haushaltsform und Herkunft der Befragten zusammen. So gehen beispielsweise 47 Prozent der Frauen mit Migrationshintergrund regelmäßig schwimmen. Fußball bleibt nicht nur Männersport, es kicken auch deutlich mehr Zuwanderer als Einwohner ohne ausländische Wurzeln.

Die Motive, Sport zu machen, erweisen sich dabei als vielfältig. Die wichtigsten Gründe sind Gesundheit und Wohlbefinden, Spaß sowie der Wunsch, Ausgleich und Entspannung, Fitness und Kondition zu erreichen. Jüngere, besser gebildete und deutschstämmige Einwohner treiben häufiger Sport als andere. Selbst von den Besitzern eines Schwerbehindertenausweises betätigen sich 58 Prozent sportlich. Unter den Sportmuffeln finden sich hauptsächlich ältere Menschen, die häufiger allein leben und ein relativ niedriges Bildungsniveau haben. Viele von ihnen sind laut Umfrage auch wenig über die in der Stadt vorhandenen Sportmöglichkeiten und -angebote informiert. Ähnliches gilt auch für Migranten. Hingegen wissen insgesamt 43 Prozent der Befragten darüber gut Bescheid.

Für die computergestützte Telefonumfrage befragte ein von der Stadt beauftragtes Meinungsforschungsinstitut von Mitte Januar bis Anfang Februar vorigen Jahres 1000 Wiesbadener im Alter von 18 bis 79 Jahren. 200 davon hatten ausländische Wurzeln.

Grund für die Untersuchung „Sport und Bewegung in Wiesbaden 2011“ ist, dass der bestehende Sportentwicklungsplan aus dem Jahr 2005 novelliert wird. Ziel sei es, aus den in der Untersuchung gewonnenen Informationen konkrete Handlungsempfehlungen und Vorschläge zu entwickeln, kündigt Oberbürgermeister Müller (CDU) an.

Besonderes Augenmerk liegt darauf, wie die Befragten die vorhandenen Sportangebote, Sportanlagen und Sportmöglichkeiten bewerten. Positiv stufen sie dabei die Erreichbarkeit der örtlichen Sportanlagen und die Sportmöglichkeiten in Grünanlagen und Parks ein – denn die Wiesbadener üben ihren Sport vorwiegend in Parks, Wäldern, Grünflächen und auf Wegen, Straßen und Plätzen aus.

Die Sport- und Spielmöglichkeiten im eigenen Wohngebiet sowie für Kinder schneiden ebenfalls häufig positiv ab. Zugleich erhalten diese beiden Aspekte aber von einem Viertel der Befragten die schlechten Noten vier bis sechs, werden also als nicht befriedigend bezeichnet.

Eindeutig negativ beurteilen die Umfrageteilnehmer den baulichen Zustand der Sportanlagen und die Gelegenheiten, neue und unkonventionelle Sportarten ausüben zu können. Rund zwei Drittel der Wiesbadener halten hier Veränderungen und Verbesserungen für erforderlich. Die große Mehrheit von 71 Prozent sieht Handlungsbedarf bei Sportplätzen, -hallen und -anlagen sowie den Schwimmbädern.

Dennoch sind die Wiesbadener Sportstätten und -angebote 2011 insgesamt sehr viel besser beurteilt worden als 2002. „Das zeigt, dass unsere Investitionen in die sportliche Infrastruktur auf allen Ebenen positive Auswirkungen haben und von den Sporttreibenden honoriert werden“, sagt Oberbürgermeister Müller.

Was sich die Bürger der Stadt hinsichtlich der künftigen Sportentwicklung wünschen, lässt sich ebenfalls aus der Umfrage herauslesen. 44 Prozent der Teilnehmer sprechen sich dafür aus, vielseitig nutzbare Sportanlagen zu errichten. Bessere Sportangebote für Jugendliche, Kinder, Frauen und Senioren sind ebenfalls gefragt. Insbesondere Einwohnern mit ausländischen Wurzeln sollen zudem mehr Informationen über bestehende Sportmöglichkeiten zugänglich gemacht werden. Außerdem äußern 42 Prozent der Befragten den Wunsch nach weiteren großen Sportveranstaltungen in Wiesbaden. 60 Prozent sprechen sich für eine Förderung des Profisports durch die Stadt aus.

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