1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Die langfristigen Folgen bedenken

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Wickerbach zwischen Igstadt und Medenbach ist bedroht.
Der Wickerbach zwischen Igstadt und Medenbach ist bedroht. © Weis

Die Wiesbadener Living Rivers Foundation will das Ökosystem Fluss schützen. Die Stiftung sucht die Öffentlichkeit und widersetzt sich der Industrie.

Von Jana Kinne

Lebendige Flüsse mit einer vielfältigen Flora und Fauna, sie sind es, denen Stephan von Keitz sein Leben gewidmet hat: „Wir sind so etwas wie Greenpeace für die Flüsse“, sagt der promovierte Biologe scherzhaft. Obwohl man natürlich mit ganz anderen Methoden arbeite. „An ein Wasserkraftwerk würde ich mich nicht ketten, auch wenn ich die Wasserkraftindustrie kritisiere“, sagt von Keitz.

2011 hat von Keitz in Wiesbaden die „Living Rivers Foundation“ ins Leben gerufen, die sich für den Gewässerschutz und den Erhalt naturnaher Flusslandschaften stark macht. Im vergangenen Dezember wurde die Stiftung von der Hessischen Landesregierung im Rahmen der Ehrenamtskampagne „Gemeinsam Aktiv-Bürgerengagement in Hessen“ als Stiftung des Monats ausgezeichnet.

Langfristige Folgen von Wasserkraft

Schifffahrtslobby, Wasserkraft- und Agrarindustrie sind die Mächtigen, denen sich die Stiftung mit ihren Forderungen widersetzt. „Wir erarbeiten Positionspapiere, stellen Informationen bereit und vernetzen uns mit anderen NGOs und wissenschaftlichen Organisationen“, erklärt von Keitz. So versuche man auf der einen Seite Einfluss auf die Politik zu nehmen, auf der anderen Seite aber der Öffentlichkeit verständliche Informationen bereit zu stellen. Zudem werden Studienarbeiten von der Stiftung gefördert. „Wir versuchen damit neue Erkenntnisse über das Ökosystem Fluss zu fördern und bekannt zu machen“, sagt von Keitz

Weltweit will die Stiftung etwas für den Erhalt naturnaher Flusslandschaften tun: „Südamerika, China und Südosteuropa sind gerade im Bereich Wasserkraft ein kritisches Thema“, erklärt der promovierte Biologe. Meist gehe es nur um den kurzfristigen Profit, langfristige Folgen von Wasserkraftwerken würden nicht bedacht. „Wir sind nicht generell gegen Wasserkraftwerke, aber wir plädieren dafür, die wenigen naturbelassenen Flusslandschaften, die es noch gibt, zu erhalten“, sagt von Keitz. Das sei dringend notwendig, denn allein in Europa seien zwischen 1950 und 1990 50 Prozent der Feuchtgebiete verloren gegangen.

Sorgenkinder Tiere und Pflanzen

Die Stiftung hat auch die Landwirtschaft im Blick: „Wir setzen uns für Pufferstreifen in Flussnähe ein, in denen nicht gedüngt und gepflügt wird“, sagt von Keitz. Zudem kritisiert er die zunehmende „Vermaisung“ weiter Teile Deutschlands, die unter anderem zu einer erhöhten Belastung des Grundwassers mit Nitrat führe.

Neben Agrarindustrie und Wasserkraftwirtschaft sind es neue Tiere und Pflanzen, die der Living Rivers Foundation Sorgen machen. „In den letzten Jahrzehnten hat die Ausbreitung fremder Arten stark zugenommen“, sagt von Keitz. Das Indische Springkraut, der Riesen-Bärenklau und die chinesische Wollhandkrabbe würden einheimische Arten verdrängen. „Ins Land gebracht werden die neuen Tier- und Pflanzenarten meist durch die internationale Schifffahrt“, sagt von Keitz. Mittlerweile sind es 30 Mitglieder, die der Stiftung ehrenamtlich ihre Zeit zur Verfügung stellen. Die meisten von ihnen beschäftigen sich schon seit Jahren mit Gewässerschutz und dem Ökosystem Fluss.

Auch interessant

Kommentare