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In den Kliniken ist der Umgang mit dem Coronavirus längst Normalität.

Wiesbaden

Lager mit Schutzausrüstung gefüllt

  • vonDiana Unkart
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Die Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden rüsten sich für einen möglichen Anstieg der Covid-Patienten-Zahl. Als koordinierendes Krankenhaus für die Region übernimmt es die Lenkung der Patientenströme.

Die Erkältungssaison beginnt, die Zahl der mit dem Sars-CoV-2-Virus Infizierten steigt. Professor Ralf Kiesslich, Ärztlicher Direktor an den Wiesbadener Helios-Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK), ist dennoch zuversichtlich. „Wir sind auf alles vorbereitet“, sagt er. Außerdem rechnet er damit, dass vielleicht schon im November oder Dezember erste Impfstoffe zur Verfügung stehen.

Der Umgang mit dem Virus ist für die Krankenhäuser längst zur Normalität geworden. Als die Weltgesundheitsorganisation im März eine Pandemie ausrief, die Zahlen rasant stiegen und ein Kollaps der medizinischen Versorgung drohte, griffen Konzepte, die das verhindern sollten. Hessen ist seitdem in sechs Versorgungsbereiche unterteilt, in denen jeweils ein koordinierendes Krankenhaus die Lenkung der Patientenströme übernimmt. Für den Bereich 5, der sich von Limburg über den Rheingau-Taunus-Kreis bis Wiesbaden erstreckt, und seine insgesamt 17 Kliniken sind das die HSK.

Zwischen den Kliniken habe sich ein Dialog entwickelt, den es in dieser Intensität vor Corona nicht gegeben habe, sagt Kiesslich. Die Abstimmung verlaufe transparent. Digitale Plattformen geben Auskunft über Patientenzahlen und die Zahl freier Intensivbetten. Gemeinsam hätten sie Kriterien erarbeitet, wann stationäre Aufenthalte nötig würden. Die Fallzahlen steigen, dennoch müssten nicht mehr Patienten stationär versorgt werden. Im April sind im Versorgungsgebiet maximal 117 Menschen am Tag in Kliniken behandelt worden, aktuell sind es 24, darunter vier Patienten in den HSK.

Klinik räumlich in drei Bereiche unterteilt

Derzeit werden dort alle stationären Patienten, die es möchten, auf Corona getestet. Die Klinik ist räumlich in drei Bereiche unterteilt. In grünen Bereichen werden nur Patienten untergebracht, die keine Covid-19-Symptome haben, im gelben Bereich Verdachtspatienten, im roten Bereich ausschließlich an Covid-19 Erkrankte. Für sie gibt es zudem eine eigene Intensivstation. In den vergangenen Monaten waren mehrere Stationen als Covid-Stationen ausgewiesen, diese seien aber zurückgebaut worden. Aktuell wird in der Kinderklinik ein zusätzlicher gelber Bereich eingerichtet. Kinder, die Erkältungssymptome zeigen und eine stationäre Aufnahme benötigen, werden bis zum Vorliegen des Testergebnisses in Einzelzimmern untergebracht. Um zu verhindern, dass Besucher das Virus in die Einrichtungen tragen, gilt angesichts der steigenden Zahl Infizierter in Wiesbaden erneut ein Besuchsverbot in allen Kliniken der Stadt.

Sollten in den nächsten Monaten mehr Menschen schwer an Covid-19 erkranken, kann die Intensivbettenkapazität in der Region und in den HSK erhöht werden. Im Moment stehen dort 24 Betten mit Beatmungsfunktion zur Verfügung. Binnen 120 Stunden könnten weitere zwölf Betten aufgebaut werden, die maximale Kapazität liegt bei 69. „Aktuell glaube ich aber nicht an eine Bedrohungssituation, in der viele Menschen stationär behandelt werden müssen“, sagt Kiesslich.

Die Lager und Reservelager mit Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln seien gut gefüllt. Professor Kiesslich treibt deshalb eher die Sorge um, was passiert, wenn bald wieder mehr Menschen an Erkältungssymptomen leiden. Um die Corona-Patienten zu identifizieren, müsse mehr getestet werden. Auch jeder Einzelne könne etwas tun, um das Gesundheitssystem zu entlasten: Maske tragen, Abstand halten und sich gegen Grippe impfen lassen.

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