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Lädiertes Schmuckstück: Wiesbadener Rathaus soll saniert werden

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Von: Diana Unkart

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Das Rathaus wurde zuletzt von 1986 bis 1989 saniert. Michael Schick
Das Rathaus wurde zuletzt von 1986 bis 1989 saniert. Michael Schick © Michael Schick

Zu warme Büros, fehlendes Sicherheits- und Brandschutzkonzept - die Mängelliste ist lang. Die bevorzugte Variante sieht vor, dass der Innenhof überdacht und zu einem Bürgerforum wird.

Das Rathaus in Wiesbaden, erbaut vor knapp 140 Jahren im Stil der Neorenaissance, ist ein Stadtbild prägendes Gebäude, ein beliebtes Fotomotiv und via TV-Serie „Der Staatsanwalt“ sogar deutschlandweit bekannt. Dass große Teile des Gebäudes sanierungsbedürftig sind, ist zumindest von außen kaum ersichtlich. In den nächsten Jahren aber soll es saniert und möglicherweise zu einem Pilotprojekt werden, anhand dessen gezeigt wird, wie Denkmalpflege und nachhaltige Sanierung zusammengehen können.

Das Rathaus, heißt es in einer Sitzungsvorlage, bedürfe – so es weiter genutzt werden soll – einer umfassenden technischen Sanierung. Die Liste der Mängel ist lang. Der Brandschutz sei nicht mehr sichergestellt, es fehle ein ganzheitliches Brandschutzkonzept für das Gebäude. Teile des Dachs seien unzureichend gedämmt, die Dachkonstruktion des 1949 wiederaufgebauten Eingangsflügels weise konstruktive Mängel auf. Die Fenster genügen heutigen energetischen Ansprüchen längst nicht mehr, die Sanitäranlagen sind veraltet, ebenso die Trinkwasserversorgung, die nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben entspricht.

Klimaanlagen und Sonnenschutzvorrichtungen fehlen, gesetzliche Anforderungen an Raumtemperaturen könnten teilweise nicht eingehalten werden, heißt es weiter. Die Datentechnik im Rathaus ist veraltet, das Gebäude und die Mitarbeiter:innen sind nicht ausreichend gegen Zerstörungswut und terroristische Angriffe geschützt. Fällt der Aufzug aus, ist das Rathaus nicht mehr barrierefrei zu erreichen.

Das Rathaus und seine Geschichte

Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung Wiesbadens rasch an. Die Verwaltung musste neue Aufgaben übernehmen. Bald reichte der Platz im alten Rathaus nicht mehr.

1868 kaufte die Stadt den ehemaligen Koppensteiner Hof von Oberforstrat Carl-Reinhard Dern und nutzte zunächst das Herrenhaus.

1881 wurden acht Gebäude zugekauft und abgerissen, um Platz für den Rathausneubau zu schaffen. Erste Planungen stammen aus dem Jahr 1876. Der Münchener Architekt Georg von Hauberrisser, der zuvor das Neue Rathaus in München geplant hatte, ging 1882 als Sieger aus einem Wettbewerb hervor.

1884 wurde der Grundstein gelegt, 1887 zogen die ersten Mitarbeiter ein.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden weite Teile des Gebäudes zerstört. Nach dem Krieg wurde es wieder aufgebaut. Die Front wurde – bis auf den Eingang – verändert und vereinfacht aufgebaut. Zudem wurde ein Stockwerk aufgesetzt. diu

Neben den Mitarbeiter:innen der Fraktionen arbeiten nach städtischen Angaben dort etwa 110 Personen unter anderem im Dezernat des Oberbürgermeisters, im Hauptamt und im Dezernat des Bürgermeisters. Schon lange ist das Rathaus nicht mehr das größte städtische Verwaltungsgebäude; im Haus im Gustav-Stresemann-Ring 15 arbeiten rund sechs Mal so viele Menschen. Insgesamt ist die Stadtverwaltung auf 30 größere und kleinere Standorte verteilt.

Die letzte Sanierung des Rathauses liegt 33 Jahre zurück. Dass zumindest eine technische Sanierung, sprich eine Modernisierung von Lüftung, Elektro- und Sanitäranlagen, unumgänglich ist, daran lässt die von Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und Stadtrat Axel Imholz (beide SPD) unterzeichnete Vorlage keinen Zweifel. Neben einer Sanierung nach Mindeststandards kommen drei andere Varianten infrage, denn die technische Erneuerung könnte für weitere Arbeiten am und im Gebäude genutzt werden. Je nach Variante liegen die Kosten zwischen 59 und 81 Millionen Euro.

Die Variante, die der Magistrat bevorzugt, sieht neben der technischen Ertüchtigung auch Photovoltaik auf Teilen des Daches vor, das dafür erneuert werden müsste. Es gäbe zudem gesicherte Bereiche für die Mitarbeiter:innen und Räume für eine öffentliche Nutzung. Arbeitsplätze sollen so gestaltet werden, dass sie flexibel genutzt werden können. Der Innenhof würde überdacht. Das dadurch neu entstehende Bürgerforum soll ein Bezugspunkt für die Bürgerschaft werden und als öffentlicher Treffpunkt den gesellschaftlichen Austausch fördern. Veranstaltungen wären unabhängig von der Witterung möglich. Im Bürgerforum könnten die Ausstellungsflächen, die sich derzeit im Erdgeschoss befinden, untergebracht werden. „Dadurch präsentiert sich das Rathaus als Haus der Bürgerinnen und Bürger“, heißt es in der Vorlage. Diese Variante umzusetzen, würde rund 76 Millionen Euro kosten.

Die Planungen sollen Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Entscheidung soll im kommenden Jahr fallen. Die Sanierung wird für die Jahre 2025 bis 2028/29 anvisiert. Dann werden die Mitarbeiter:innen des Rathauses ihre Büros räumen und in das Atrium-Haus im Stresemann-Ring umziehen.

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