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Justitia, Göttin der Gerechtigkeit.

Prozess in Wiesbaden

Ladendieb gerät an Kampfsportler

Zwei junge Männer und eine Frau stehen wegen bandenmäßigen Diebstahls vor dem Wiesbadener Jugendschöffengericht - und kommen mit einer Bewährungsstrafe davon. Von Michael Grabenströer

Von Michael Grabenströer

Gerichtsurteile, darauf wies Richterin Claudia Dirlenbach vom Jugendschöffengericht die drei jungen Straftäter hin, müssen nichts Endgültiges sein. Immerhin hatte sie das Trio aus Rumänien im Alter zwischen 20 und 23 Jahren, das sich im vergangenen Jahr auf Diebestour begeben hatte, soeben zu Haftstrafen von neun bis 14 Monaten verurteilt - auf Bewährung. Aber gegen die drei - einen Maurer, eine Friseurin und einen Studenten - laufen noch weitere Ermittlungen in anderen Bundesländern wegen bandenmäßigem Diebstahls.

Vor dem Jugendschöffengericht in Wiesbaden kamen jedoch nur zwei Fälle zur Sprache. Nachdem die drei im Juli 2009 eingereist waren, stahlen sie im Kassenraum einer Tankstelle in München 500 Euro Bargeld. Bei Aldi in der Luisenstraße in Wiesbaden ging dann die Diebestour im September 2009 zu Ende. Welche Stationen zwischen München und Wiesbaden noch lagen, dazu traf das Gericht keine Feststellungen. Dass sie von München wieder nach Rumänien ausgereist seien, hielt das Gericht für eher wenig glaubwürdig.

Seit September 2009 sitzt das Trio in Untersuchungshaft. Ein Aldi-Ladendetektiv hatte sie per Kamera beobachtet. Die junge Frau, Irina D., lenkte eine Kundin ab. Freund Claudio S. griff in deren Tasche zur Geldbörse. Im Wagen wartete Ciprian M. Der Fahrer jedoch will von der Diebestour nichts gewusst haben.

Außerdem, so die Aussage des Fahrers, habe er zwischen den beiden nun verhandelten Straftaten die Bundesrepublik nicht wieder verlassen. Das Gegenteil hatte der Mitangeklagte Claudio S. behauptet.

Das Ende im Aldi: Der Ladendetektiv -"Kampfsportler!" sagte er als Zeuge über sich - überwältigte den schmächtigen Claudio S., seine Mittäterin ging - auf Video festgehalten - ungerührt daran vorbei. Die bestohlene Kundin bekam sofort ihr Geld zurück, und die drei Täter (ab drei gilt man als Bande) saßen seitdem in Untersuchungshaft, aus der sie gestern nach dem Urteil entlassen wurden und sich vom Gericht in Richtung Innenstadt aufmachten.

Richterin Dirlenbach äußerte keine Zweifel daran, dass das Trio eingereist war, um sich durch Diebstähle Geld zu beschaffen. Dabei hätten es die Täter auch auf Kreditkarten abgesehen.

Besonders problematisch ist für die Richterin die Rolle der jungen Täterin, der sie durchaus kriminelle Energie und Skrupellosigkeit bescheinigte. In der Haft hatte die junge Frau ein Kind geboren, das schwerkrank zu Welt kam. Vater: der Mittäter S. Unklar ist, ob das Kind überlebt.

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