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La-Ola-Welle im Plüschsessel

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Jubelt über die gelungene Kino-Premiere: VCW-Manager Achim Exner (rechts)
Jubelt über die gelungene Kino-Premiere: VCW-Manager Achim Exner (rechts) © FR/Müller

Gelungene Premiere: 250 Fans sahen die erste Live-Übertragung eines Volleyballspiels im Thalia-Kino. Selbst der Spielausgang trübt die Laune nicht allzusehr. Von Gaby Buschlinger

Von Gaby Buschlinger

Premiere gelungen, Wiederholung gewünscht: Rundum zufrieden waren die rund 250 Zuschauer am Mittwochabend nach dem live im Thalia-Kino übertragenen Spitzenspiel des VCW gegen die Deutschen Meisterinnen des Schweriner SC. Und das, obwohl die Wiesbadener Damen mit 3 : 1 Sätzen verloren haben.

"Solche Übertragungen von Auswärtsspielen im Kino könnten eine feste Größe werden in Wiesbaden", hofft Zuschauerin Irene Bell nach der Deutschland-Premiere. Heimspiele der Volleyballerinnen verpasse sie seit drei Jahren nie - "das gehört zum Pflichtprogramm" - wegen der langen Fahrten müsse sie aber auf Auswärtsspiele verzichten. Und das öffentlich-rechtliche Fernsehen konzentriere sich auf Fußball. Die Übertragung ins Kino findet Irene Bell daher "klasse".

Möglich machen dies das Internet-Portal "Spobox.tv", das Volleyball-Spiele im Internet digital überträgt, und Kino-Betreiber Marc Ewert, der sein Haus am Mauritiusplatz für die Schlachtenbummler hergibt.

Und obwohl die Fans mit ihren blauen Vereinsschals in den roten Plüschsesseln schier versanken, herrschte beinahe Hallen-Atmosphäre in dem schummrigen, gedämpften Kinosaal. Es wurde geklatscht, getrötet, getrommelt und angefeuert, was Lungen und Hände hergaben. Beim Satzball der Wiesbadenerinnen standen natürlich alle auf - nur die La-Ola-Welle von Sitzreihe zu Sitzreihe wurde in eine der Pausen verbannt. Dabei bekamen die Wiesbadener Schmetterlinge keinen Piep von ihren Fans mit. Und warum haben die trotzdem gebrüllt? "Man fiebert ja trotzdem mit", lacht Irene Bell, und Claudia Bücher kann nur zustimmen: "Das ist wie beim Fußballgucken im Fernsehen."

Besser als in der Halle fanden Irene Bell und Claudia Bücher nicht unbedingt die bequemen Sessel: "Als echter Fan braucht man so etwas nicht", schüttelt Irene Bell den Kopf. Begeistert haben sie vor allem die eingespielten Wiederholungen von Spielszenen in Zeitlupe. "Das gibt es in der Halle nicht."

Ebenso wenig wie die Großaufnahmen von Gesichtern der Spielerinnen. Das gefiel Zuschauerin Helge von der Heide besonders: "Deren Anspannung so nah zu sehen, war super", so von der Heide, die früher selbst aktiv gebaggert und gepritscht hat. Ein Geheimnis habe auch die Fernseh-Übertragung für sie nicht gelüftet, schmunzelt von der Heide: "Ich habe mich immer gefragt, was die Trainerin in den Time Outs zu den Spielerinnen sagt." Da das Fernsehteam ein Mikrofon in die Mannschafts-Runde hielt, war Xiaojun Yang zwar gut zu hören. "Aber nicht wirklich zu verstehen", lacht Helge von der Heide. Wegen ihres chinesischen Akzents und weil sie sehr hektisch redete. Das mache aber nichts, Hauptsache die Spielerinnen hätten sie verstanden.

Für Auswärtsspiele fand von der Heide die Kino-Übertragung "praktisch". Grundsätzlich aber ziehe sie die Halle wegen der "Live-Atmosphäre" vor. VCW-Manager Achim Exner, der die Idee nach einer Opern-Live-Übertragung hatte, zeigte sich ebenfalls rundum zufrieden: "Dass das Publikum im Kino so mitgeht, hat es seit der Rocky Horror Picture Show nicht mehr gegeben."

Auch Kino-Betreiber Marc Ewert war begeistert: "So ein Publikum hätte ich gerne jeden Abend." Dass die 373 Plätze nur zu zwei Dritteln verkauft waren, störte ihn nicht: "Bei der ersten Opern-Übertragung war das genau so. Jetzt sind sie immer ausverkauft." Wird es also weitere Volleyball-Übertragungen geben? "Davon gehe ich fest aus", sagte Ewert. Ob er auch die Spiele der Fußball-WM zeigen wird, weiß er indes noch nicht.

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