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Kurtaxe und die letzte Hinrichtung

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Das Wiesbadener Kurhaus, für das es 1885 kein Telefon gab.
Das Wiesbadener Kurhaus, für das es 1885 kein Telefon gab. © FR/Hoyer

Von der letzten öffentlichen Hinrichtung bis zur E-Lok - die Landeshauptstadt feiert 2010 insgesamt 90 runde Jahrestage. Von Bastian Beege

Von Bastian Beege

Makabre Ereignisse haben schon immer eine magische Anziehungskraft auf die Menschen ausgeübt - heute genauso wie vor 175 Jahren: Denn damals, genau genommen am 8. Oktober 1835, fand die letzte öffentliche Hinrichtung in der Geschichte Wiesbadens statt - vor den Toren der Stadt, auf dem Exerzierplatz ganz in der Nähe vom Kloster Klarenthal. Unter den Augen eines großen Teils der Bevölkerung wurde der Schuster Reitz aus Oberursel ins Jenseits befördert - als Strafe für den heimtückischen Mord an seinem Gläubiger.

Einzug des Telefons

2010 ist zweifelsohne das Jahr der Wiesbadener Jahrestage - der städtische Kalender führt insgesamt 90 solcher Tage auf. Nicht immer geht es so blutrünstig zu wie 1835. Historische Ereignisse sowie Geburts- und Todestage wichtiger Persönlichkeiten reihen sich ebenso ein wie bahnbrechende Erneuerungen. Da wäre beispielsweise der Einzug des Telefons nach Wiesbaden vor exakt 125 Jahren. Im April 1885 gingen die ersten vier Anschlüsse ans Netz - das alte Rathaus, das in diesem Jahr übrigens sein 400-jähriges Bestehen feiert, das Büro des Gas- und Wasserwerks in der Marktstraße sowie das damalige Schlachthaus und die Feuerwache.

Ein entsprechender Antrag des Kurhauses wurde von Bürgermeister Carl Bernard von Ibell aufgrund der hohen Kosten abgewiesen: "Ein dringendes Bedürfnis liegt nicht vor", beschied das Stadtoberhaupt kurzerhand und zerpflückte die Argumente des Antragstellers: "Laut den Kassenbeamten wäre sogar die Billettbestellung per Telefon eher eine Erschwerung als eine Erleichterung." Doch Wiesbaden hat sich auch an anderer Stelle immer wieder als fortschrittlich erwiesen - und als geschäftstüchtig obendrein: So erkannte die Stadt bereits vor 100 Jahren den Vorteil des Kurbetriebs und führte am 1. März 1910 die Kurtaxe ein. Und ein halbes Jahrhundert später, am 1. Januar 1960, beschloss der Magistrat die 5-Tage-Woche.

Kurz darauf gab es in Wiesbaden bereits das nächste Ereignis, was einer Erinnerung würdig ist: Am 27. Mai 1960 versammelte sich alles, was Rang und Namen hatte, in der rußgeschwärzten Halle des Hauptbahnhofs, um die erste Elektrolokomotive in der Landeshauptstadt zu begrüßen. Die "Weltreise" hatte für den Zug im fernen Mainz begonnen - für die Verantwortlichen die reinste Zitterpartie. Doch entgegen der Befürchtungen gab es keinen Stromausfall und der Stadt gelang somit ein wichtiger Schritt aus dem technischen und geographischen Abseits heraus. Denn zuvor mussten Elektrozüge mit Ziel Wiesbaden für die letzten Kilometer immer erst mit einer Dampflokomotive versehen werden.

Wichtige "große Köpfe"

Fortschritt wäre ohne die "großen Köpfe" der Stadt undenkbar: So hat sich etwa bereits am ersten Januar diesen Jahres der Todestag von Filmregisseur Curt Oertel zum fünzigsten Mal gejährt. Und am 25. Februar ist es exakt 200 Jahre her, dass Pauline Herzogin von Nassau gestorben ist - nach der wohltätigen Frau sind heute mehrere Orte in Wiesbaden benannt, so auch das Paulinenschlösschen.

Und wer die historische Jubiläumsreise noch weiter fortsetzen will, der gelangt nach vielen Stationen schließlich 1750 Jahre weit in der Vergangenheit. Denn dort, im Jahr 260 nach Christus, wurde die "Aquae Mattiacae" zerstört - jene Siedlung, aus der später Wiesbaden hervorgehen sollte.

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