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Am Samstag wurde die Ausstellung „Kunstspuren – Kann Spuren von Kunst enthalten“ in der Geschäftsstelle des Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Wiesbaden, eröffnet. Bislang waren dort nur Werke im Schaufenster zu sehen.

Wiesbaden

Kunst trotz Krise

  • vonMirjam Ulrich
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Die Ausstellung „Kunstspuren“ in der Schaustelle des BBK in Wiesbaden ist eröffnet. Mit „Die Kunst zu helfen“ gibt es eine Solidaritätsaktion für Künstler und Künstlerinnen.

Ein schwarz umrandetes Herz mit einer Quadratzahl auf einem Bürgersteig taucht für einen Augenblick in der Video-Arbeit des Künstlers Ernst Jürgen Schütz auf. Sie zeigt „alltägliche Spuren von Kunst im öffentlichen Raum“ und die Menschen, die sich dort bewegen. Schütz hat sie im In- und Ausland fotografiert und die Fotografien zu einem Video verarbeitet. Es ist in der Gemeinschaftsausstellung „Kunstspuren – Kann Spuren von Kunst enthalten“ zu sehen. Am Samstag ist sie in der „Schaustelle“, der neuen Geschäftsstelle des Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Wiesbaden, eröffnet worden. 17 Mitglieder stellen dort Werke aus, die seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie entstanden sind.

Die Krise trifft Künstler wirtschaftlich besonders hart. Ausstellungen und Verkaufserlöse brachen weg, Kurse und Honorare fielen aus. „Die Corona-Soforthilfe für Solo-Selbstständige war für viele Künstler nicht abrufbar“, berichtet Tine Kaiser, die Zweite Vorsitzende. Denn viele der rund 100 BBK-Mitglieder können sich kein Atelier leisten und arbeiten daher daheim, ergänzt Schatzmeisterin Doris Bardong.

Die Wiesbadener Andrea und Uwe Kemmesies initiierten daraufhin die Solidaritätsaktion „Die Kunst zu helfen“: Dabei stehen kleine Skulpturen und Werke im Format von 30 mal 30 Zentimetern für maximal 199 Euro zum Verkauf. Die Einnahmen gehen komplett an die Künstler, die ihrerseits davon 30 Prozent an die Benefizaktion „ihnen leuchtet kein Licht“ spenden. Zunächst lief die Verkaufsausstellung bei Kunst-Schaefer – der Galerist Björn Lewalter verzichtete auf die Provisionen –, anschließend beim BBK. Rund 20 Künstler beteiligten sich, bislang wurden rund 4780 Euro erzielt.

Trotz Existenznot schöpferisch produktiv

Trotz Existenznot durch Corona bleiben Wiesbadener Künstlerinnen und Künstler schöpferisch produktiv. Darüber hinaus nutzen sie neue Wege, um ihre Werke zu verkaufen. So entwickelte etwa Mireille Jautz die Idee „Kunst statt Blumen“ und verschickt Kunstpakete mit kleinen Originalen. Zehn Varianten gibt es zur Auswahl, sie kosten zwischen 15 und 100 Euro. Jautz gehört zu den Künstlern, die ein Arbeitsstipendium der Hessischen Kulturstiftung bekamen. Das Geld investierte sie in Werbung und eine professionelle Homepage mit Online-Bezahlmöglichkeiten.

Für Ellie Weishaupt aus Mainz-Kostheim stellt das erhaltene Arbeitsstipendium auch eine Anerkennung dar: „Es zeigt, dass Künstler einen gesellschaftlichen Stellenwert haben.“ Dass es keine Vernissagen gebe, sei jedoch auf Dauer schwierig. Vernissagen erzeugen mehr Aufmerksamkeit zudem werden dort die Kontakte zu Käufern geknüpft. „Das merkt man finanziell, von alleine kommen die Leute nicht ins Atelier“, weiß sie.

Gleich drei Ausstellungen sind für die Künstlerin Angela Cremer ausgefallen. Sie erhielt Corona-Soforthilfe, später auch das Arbeitsstipendium. Doch ihr wurde das Atelier gekündigt. Gemeinsam mit vier anderen Künstlern eröffnete sie daher an der Saalgasse die Produzentengalerie „Projekt Raumkunst“ mit Platz für Ausstellungen und Ateliers. „Das ist ein Corona-Projekt, das ich sonst nicht entwickelt hätte.“

Ernest Bisaev hat derzeit eine Einzelausstellung in Frankfurt. Er zählt zu den Künstlern, die bislang keine finanzielle Hilfe bekommen haben. Der 56-Jährige hat sich vorgenommen, jeden Tag ein Bild zu erschaffen, meist digital. Die ihm am besten gefallen, setze er um in Acryl, sagt er. Zudem mache er Video-Arbeiten, die den Schaffensprozess dokumentieren. Falls es aufgrund der Corona-Pandemie erneut zu Schließungen und Kontaktsperren kommt, malt Bisaev auf jeden Fall weiter. „Ich bin Künstler, es ist mein Leben und meine Art mich auszudrücken.“

Veranstaltungen

Die Ausstellung in der BBK Schaustelle, Marcobrunnerstraße 3, dauert bis zum 8. November. Öffnungszeiten samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

Die Aktion „Die Kunst zu helfen“ startet erneut am 22. November in der „Schwalbe 6“, Schwalbacher Straße 6, und läuft bis zum 12. Februar 2021.

Der Kunstrundgang „Offene Ateliers“ ist für Samstag/Sonntag, 24./25. Oktober von 12 bis 18 Uhr geplant. Mehr Infos unter: www.tatorte-kunst.de. miu

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