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Kunst-Tätern auf der Spur

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Bei der Veranstaltung „Tatorte Kunst“ laden 26 Ateliers zum Rundgang ein. Unter anderen gibt es Aufnahmen von im Rhein-Main-Gebiet lebenden ausländischen Künstlern, die nach ihrer Definition von „Heimat“ befragt wurden.

Von Peter H. Eisenhuth

Am Samstag werden sich Petra von Breitenbach und ihre Mitstreiter selbst auf den Weg machen. Dann wollen sie all jene Ateliers in Wiesbaden ansteuern, die einen Tag später, am Sonntag, 1. November, der Öffentlichkeit die „Tatorte Kunst“ vorstellen.

Ein Minimum an Ausdauer wird schon vonnöten sein, um die 26 Adressen in Mitte und Rheingau-Hollerborn abzulaufen. Von Breitenbach rechnet mit drei bis vier Stunden, „wenn man sich in jedem Atelier fünf Minuten Zeit nimmt“. Aber wer will, kann auch ganz gezielt nur einzelne Kunstschaffende aufsuchen „und mit dem ‚crema catalana‘ und dem ‚heimathafen Wiesbaden‘ gehören ja auch zwei Verpflegungsstationen zu unserer Route, in denen man sich erholen kann.“

Zum siebten Mal präsentieren sich Wiesbadener Kunstschaffende unter dem Titel „Tatorte Kunst“. Künstler arbeiteten meist im Verborgenen, erläutert von Breitenbach, deshalb sei es wichtig, von Zeit zu Zeit öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. „Wir wollen der Bevölkerung die Möglichkeit geben, in Hinterhöfe, Mansarden, Keller, Wohnungen und wo auch immer die Künstler aktiv sind, zu blicken.“

Angefangen habe seinerzeit alles eher bescheiden mit vier benachbarten Ateliers in der Wörthstraße, in den folgenden Jahren gesellten sich weitere Künstler hinzu, die Aktion expandierte über den Kaiser-Friedrich-Ring hinaus. Inzwischen aber hält von Breitenbach den Rahmen für ausgereizt. „Wir wollen nicht noch größer werden“, sagt die Mitbegründerin, „das widerspräche der Idee, die einzelnen Orte innerhalb einer vernünftigen Zeit zu Fuß besuchen zu können.“

Gestiegen ist auch die Zahl der Besucher, von knapp 400 in der ersten Zeit auf zuletzt rund 600. Die Wiesbadener Künstlerszene interessiere sich dafür, Sammler und Käufer schauen vorbei, Freunde der beteiligten Akteure. „Aber den Großteil machen Passanten aus, die durch unsere Flyer auf die Aktion aufmerksam werden“, erzählt Petra von Breitenbach. „Wir freuen über jeden, der sich einen unserer ,Täter‘ oder ‚Täterinnen‘ anschaut. Und wenn wir bei dem ein oder anderen die Lust auf Kunst wecken, ist das umso schöner.“ Aus 33 Beteiligten einen hervorzuheben, wäre angesichts der gebotenen Vielfalt arg willkürlich.

Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz (CDU) wird ihren Rundgang im Atelier lebensART der Fotografin Iris Kaczmarczyk beginnen. Kaczmarczyk zeigt Aufnahmen von im Rhein-Main-Gebiet lebenden ausländischen Künstlern, die sie nach deren Definition von „Heimat“ befragt hat. „Für Frau Scholz ist diese Ausstellung doppelt interessant“, sagt von Breitenbach. „Schließlich ist sie ja nicht nur für Kultur, sondern auch für Integration zuständig.“

Für die an „Tatorte Kultur“ beteiligten Künstler ergäben sich durch dieses Miteinander wichtige Synergieeffekte, sagt von Breitenbach. Zum Beispiel bei der Sponsorensuche. „In einer solchen Gruppe, für ein solches Projekt ist es einfacher, Geldgeber zu finden als für einen einzelnen Künstler.“

Rund 4000 Euro benötigen die Veranstalter, um ihre Flyer und den Katalog zu erstellen, Kosten, die sich auch durch Zuschüsse des Kulturamtes und der Ortsbeiräte decken ließen.

Die Antworten auf Iris Kaczmarczyks Frage, was Heimat sei, fallen im Übrigen so bunt aus wie das Programm der „Tatorte Kunst“. Der schottische Komponist und Pianist James Peace sagt zum Beispiel: „Heimat ist, wo mein Herz lacht und meine Seele sich entspannt“. Die Objektkünstlerin Susanna Cianfarini zitiert Novalis: „Wohin gehen wir? Immer nach Hause“. Oder aber an Allerheiligen zu den Wiesbadener Kultur-Tatorten.

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