Wiesbaden

Kultur-Infoshop und neue Jahresthemen

  • vonMirjam Ulrich
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Der Entwurf für einen „Kulturentwicklungsplan 2030“ ist jetzt in Wiesbaden vorgestellt worden. Der Kulturentwicklungsplan formuliert Strategien für die nächsten Jahre und Handlungsrichtlinien für künftige kulturpolitische Entscheidungen.

Wiesbaden verfügt über zahlreiche und vielfältige Kulturangebote, doch gehen etliche davon in der öffentlichen Wahrnehmung etwas unter. Ein „Kultur-Infoshop“ in der Innenstadt, der auch persönliche Beratung anbietet, könnte das ändern. Und wie wäre es mit einem „Kulturbegrüßungspaket“ für Neu-Wiesbadener? Das sind nur zwei von 120 konkreten Vorschlägen im „Kulturentwicklungsplan 2030“ (KEP), der nun nach anderthalb Jahren Diskussion als Entwurf vorliegt. Bei der öffentlichen Vorstellung am Freitagabend im „Haus an der Marktkirche“ sowie im Live-Stream im Internet bezeichnete Kulturdezernent Axel Imholz (SPD) ihn als „Meilenstein“.

Beteiligung

Zehn Workshops zu bestimmten Themen mit insgesamt 150 Beteiligten wurden veranstaltet sowie 25 Experteninterviews geführt.

Wiesbadens Einwohner konnten sich in Bürgerdialogen, Online-Diskussionen, öffentlichen Workshops sowie einem „Culture Camp“ für Jugendliche und junge Erwachsene einbringen.

Die Steuerungsgruppe war mit zehn Kulturakteuren, acht Stadtverordneten, dem Kulturdezernenten und der Kulturamtsleitung besetzt.

Mehr Informationen unter: kulturentwicklungsplan-wiesbaden.de

Der Kulturentwicklungsplan formuliert Strategien für die nächsten Jahre und Handlungsrichtlinien für künftige kulturpolitische Entscheidungen. Dafür wurden sieben „kulturelle Cluster“ gebildet: kulturelles Erbe, Literatur und Bibliotheken, darstellende Kunst, Musik, bildende Kunst sowie kulturelle Bildung und Teilhabe. Von allen wurde jeweils die Position in der Kulturlandschaft, das Profil und das Potenzial sowie die Herausforderungen analysiert.

Um diese Cluster zu entwickeln und ihre Wirkungsmöglichkeiten zu stärken und zu verbessern, macht der Kulturentwicklungsplan 54 Vorschläge. Dazu zählt etwa, Wiesbadener Künstlerinnen und Künstler bei städtischen Projekten zu beauftragen, zum Beispiel für „Kunst am Bau“, oder ein Förderprogramm für innovative, spartenübergreifende Musikformate zu schaffen. Indem beispielsweise die Filmfestivals gestärkt werden, lasse sich die Kulturmarke „Filmstadt Wiesbaden“ weiterentwickeln.

Daneben identifiziert der Kulturentwicklungsplan auch neun übergreifende Themen, für die er insgesamt 66 Maßnahmen vorschlägt. So mangelt es etwa in Wiesbaden an Arbeits- und Präsentationsräumen für Kulturschaffende. Die Stadt könnte ein Raumkataster erstellen, das zugleich auch eine Zwischennutzung schneller und leichter ermöglicht. Um wiederum die Wiesbadener Kulturlandschaft noch stärker zu profilieren und lokal und regional zu verankern, bieten sich Jahresthemen an, ähnlich dem „Jugendstiljahr“, das das Landesmuseum initiiert hatte.

„Wir haben im Laufe der Diskussion sehr viele Ideen gesammelt“, sagte Imholz. Auch eine Idee, die sich nicht im Entwurf wiederfinde, aber eine Chance auf Verwirklichung habe. Die Ergebnisse seien „nicht in Stein gemeißelt. Es handelt sich um Leitplanken.“

Auf die Frage eines Zuhörers, wie verbindlich der Kulturentwicklungsplan sei, antwortete der Kulturdezernent, dass der Kulturbeirat die Entwicklung begleite. Dessen Vorsitzender Ernst Szebedits erläuterte, dass der Kulturbeirat ein Vorschlagsrecht gegenüber dem Kulturausschuss habe. Zudem seien in den Clustern regelmäßige Spartentreffen vorgesehen, ergänzte Kulturamtsleiter Jörg-Uwe Funk. Auf dem Kulturentwicklungsplan laste jedoch die Corona-Pandemie, sagte Ernst Szebedits. Der Plan wurde bereits um ein Kapitel zu Corona ergänzt. Kämmerer Axel Imholz arbeitet aktuell daran, die Planung perspektivisch abzusichern.

Mit dem Entwurf befasst sich Mitte November der Kulturausschuss. Für den 10. Dezember ist die Diskussion und Beschlussfassung in der Stadtverordnetenversammlung geplant. Erst danach wird der „Kulturentwicklungsplan 2030“ veröffentlicht.

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