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Die Kultur und das Geld

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Rund 90 Zuhörer sind bei der Diskussion über Kulturentwicklungsplan im Casino-Forum anwesend. Es stehen Kürzungen an: Die Ausgaben für Kultur müssen 2016 / 2017 um 1,3 Millionen sinken.

Von Mirjam Ulrich

Beim Thema Kultur dreht sich in Wiesbaden die Debatte vor allem ums Geld – schließlich stehen im städtischen Kulturetat künftig Kürzungen von 4,27 Prozent an: Die Ausgaben für Kultur müssen 2016 / 2017 um 1,3 Millionen sinken. „Bevor wir über Geld reden, müssen wir wissen, wofür wir es ausgeben wollen“, leitete darum Stefan Schröder die Podiumsdiskussion „Ein Masterplan für die Kultur?“ ein. Der Chefredakteur des Wiesbadener Kuriers und Wiesbadener Tagblatts moderierte das Casino-Forum, zu dem die Casino-Gesellschaft für Freitagabend eingeladen hatte.

Podiumsgast Rainer Emmel, nannte als Leiter der Stadtkämmerei zunächst doch einige Zahlen: Von den 1,1 Milliarden Euro des städtischen Haushalts flössen acht Prozent in den Kulturhaushalt, der 32 Millionen Euro betrage. Eine Rechnung, die Gerhard Schulz, Vorstand des Kulturzentrums Schlachthofs und Vorsitzender des Kulturwirtschaftsausschusses der IHK, nicht ganz nachvollziehen konnte. Ergeben doch acht Prozent von 1,1 Milliarden 88 Millionen. Nach Emmels Erfahrung, sei die Wahrscheinlichkeit, dass ein einmal zugesagter Zuschuss wegfalle, gering.

Das gebe den Betroffenen zwar etwas Planungssicherheit, verhindere aber zugleich, dass neue kulturelle Initiativen eine Anschubfinanzierung erhalten. Keine Rolle spiele hingegen, woher das Nutzerklientel komme und wie es zur Finanzierung beitragen könne.

Leider werde oft nur über fehlendes Geld geredet, bedauerte die Leiterin des städtischen Kulturamts, Ingrid Roberts. Dadurch bestehe die Gefahr der Flickschusterei, da immer nur die dringendsten Maßnahmen umgesetzt würden. „Der Masterplan für die Kultur ist auch eine Chance“, sagte sie. Er biete eine Analysefunktion und Orientierungshilfe für die Kulturlandschaft sowie Planungssicherheit. Er müsse in einem partizipativen Prozess entwickelt werden und solle Teil des Stadtentwicklungsplans 2030 sein.

Identifikation und Integration

Ähnlich sah es auch Jörg Jordan, einst Wiesbadener Dezernent für Stadtentwicklung und hessischer Minister für Landesentwicklung. Er erinnerte daran, dass die Politik in den 70er Jahren der Stadtflucht entgegentrat, indem sie die Stadt als Wohnort attraktiver machte, damit sich die Einwohner mit ihr identifizieren. Heutzutage biete die Kultur diese Möglichkeit zur Identifikation und Integration. „Die Besonderheit der Stadt hervorzuheben – zum Beispiel durch die Anerkennung als Weltkulturerbe – ist eine Chance, dass sich jemand als Wiesbadener identifiziert“, sagte Jordan im Hinblick auf die hohe Zahl Wiesbadener Einwohner mit Wurzeln in anderen Ländern. Das halte er für erfolgversprechender als eine deutsche Leitkultur zu verabreichen.

Museumsdirektor Alexander Klar zeigte eine gewisse Skepsis gegenüber einem Kulturentwicklungsplan: „Wenn wir Kulturschaffenden ihn schreiben, wird er von den politischen Entscheidern wohlwollend gelesen und auf einen Stapel gelegt.“ Er beteilige sich gern an einem Kulturentwicklungsplan, damit der aber eine scharfe Waffe sein könne, brauche es Vordenker und den politischen Mut, Entscheidungen zu treffen. Das erfordere eine starke Haltung, ergänzte Gerhard Schulz. Er befand einen Kulturentwicklunsplan als nötig, doch bedürfe es vor allem eines anderen kulturellen Verständnisses. „Der Kulturhaushalt ist der Allerletzte, den man kürzen darf, denn die Kultur ist Grundlage für alles andere.“

Einige der rund 90 Zuhörer meldeten sich im Anschluss zu Wort, darunter Margarethe Goldmann. Die frühere Kulturdezernentin der Stadt und Sprecherin des Arbeitskreises Stadtkultur, wies darauf hin, dass der Vorschlag eines Kulturentwicklungsplans von freien Kulturträgern stammt. Solche Masterpläne gebe es seit 36 Jahren in Deutschland, ebenso Fachleute und Publikationen dazu. „Das wird in Wiesbaden nur nicht wahrgenommen.“

Andere Stimmen befürchteten, dass die Bürger an einem Kulturentwicklungsplan nur in geringen Maß beteiligt und bestimmte Themen von vornherein gesetzt würden, oder sie mahnten an, die Hochkultur zu erhalten. Eins stand am Ende des Abends fest: Die Debatte wird weitergehen.

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