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Ein Blick in die Leitzentrale der neuen Verkehrssteuerung „DIGI-V“ im Wiesbadener Tiefbau- und Vermessungsamt.
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Ein Blick in die Leitzentrale der neuen Verkehrssteuerung „DIGI-V“ im Wiesbadener Tiefbau- und Vermessungsamt.

Wiesbaden

Künstliche Intelligenz steuert Wiesbadener Verkehr

  • VonDiana Unkart
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Hunderte Kameras für Modellprojekt installiert und Ampeln umgerüstet.

Die Leitzentrale sieht aus wie eine kleine Version der Nasa-Kommandozentrale. Nur überwachen ihre Mitarbeiter:innen keine Flüge, sondern den Verkehr in Wiesbaden auf Monitoren und einer 5,50 mal zwei Meter großen Videowand. DIGI-V wird die digitale Verkehrssteuerung genannt, die am Donnerstag offiziell gestartet ist. Von dem 30-Millionen-Euro-Projekt, für das Siemens ITS, heute Yunex Traffic, Generalauftragnehmerin ist, erhofft sich die Stadt saubere Luft, einen besser fließenden Verkehr und Anwendungen, die heute noch gar nicht denkbar sind.

Die Hoffnung auf weniger Staus ab sofort bremst Katja Imhof aus dem Tiefbau- und Vermessungsamt, das das Projekt koordiniert allerdings. „Wir haben ein Werkzeug geschaffen, ab heute lernen wir es kennen.“ Nach und nach werde jede einzelne Ampel optimiert. Es ist eine Künstliche Intelligenz. Je mehr Daten, desto intelligenter wird das System. Spürbare Auswirkungen werden in etwa einem Jahr erwartet. Dann soll sich der Verkehrsfluss für alle Verkehrsteilnehmer:innen verbessern. Außerdem sind noch nicht alle Module in das digitale System integriert. Derzeit wird zum Beispiel am Parkleitsystem gearbeitet.

Die Vorbereitungen für DIGI-V haben 2019 begonnen. Seitdem sind 227 digitale Ampelanlagen, mehr als 400 intelligente Kameras, 58 Sensoren, die Umwelt- und Wetterdaten messen, und 30 dynamische Verkehrsschilder installiert worden. Wiesbaden drohte 2018 wegen der Überschreitung des Stickstoffdioxid-Grenzwerts ein Dieselfahrverbot. Die Stadt hat daraufhin den Green-City-Masterplan erstellt. Eines der zentralen Handlungsfelder ist die Digitalisierung des Verkehrs. Der Bund fördert das deutschlandweit einmalige Modellprojekt mit 15 Millionen Euro.

Obwohl noch nicht komplett, zeigen sich seine Potenziale unter anderem auf dem ersten Ring. Dort ist eine Spur für Autos weggefallen, auf der jetzt Busse und Fahrräder unterwegs sind. Die Wegnahme einer Autospur führt nur deshalb nicht zu häufigeren Staus, weil im Zuge des digitalen Umbaus die Ampeln mit einer flexiblen Steuerung optimiert wurden. Die Reisezeit der Busse auf der Umweltspur hat sich nach Angaben der Stadt um ein Drittel verkürzt, die Zahl der Radfahrenden verdoppelt. Und bald sollen auch die Fußgänger:innen von DIGI-V profitieren. Die Ampeln erkennen dann, dass viele Menschen warten und verlängern die Grünphasen oder geben den Fußgänger:innen Vorrang. Rettungskräfte können bei Einsatzfahrten Kontakt zu den Ampeln aufnehmen und werden schneller und sicherer über Kreuzungen geleitet.

Enorme Möglichkeiten

Ein anderes Beispiel ist die sogenannte Pförtnerampel an der Berliner Straße: Sie sorgt dafür, dass die Autos im Falle eines hohen Verkehrsaufkommens vor der Stadt warten müssen, dafür aber die Fahrzeuge in der Innenstadt besser vorankommen. Der Verkehr kann künftig abhängig von der Schadstoffentwicklung gesteuert werden. Wird etwa in einer Straße der Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten, können die dynamischen Verkehrsschilder Umleitungsempfehlungen geben.

Noch nie habe die Stadt so viele Einflussmöglichkeiten auf den Verkehr gehabt, heißt es aus dem zuständigen Dezernat. Die analogen alten Ampeln verfügten über fünf Standardprogramme. Musste ein Programm gewechselt werden, funktionierte das nur händisch. Die Mitarbeiter:innen der Verkehrsleitzentrale brauchen dafür heute wenige Klicks.

Mit Spannung wird nun erwartet, welche Erkenntnisse sich aus der Zusammenführung und Analyse der Daten ergeben, beispielsweise im Hinblick auf zukünftige Verkehrsplanung. Stück für Stück soll ein digitales Stadtverkehrsmodell entstehen, das es erlaubt, vorwegzunehmen, wie sich ein Vorhaben – beispielsweise die Sperrung einer Straße – auf Verkehr und Umwelt auswirken wird. Die Stadt stellt die Daten für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung.

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