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Künstler am Werk

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Nach dem Bauskandal will Tress umsiedeln, aber Blum bleibt

Böse Zungen behaupten, das Künstlerviertel habe seinen Namen daher, weil hier „Künstler“ aus dem Baudezernat am Werk gewesen seien. Was abfällig gemeint ist, weil der Bebauungsplan der Stadt von Richtern als fehlerhaft kassiert wurde. Tatsächlich heißt das Künstlerviertel so, weil die Straßen nach Wiesbadener Künstlerinnen benannt wurden.

Wegen des fehlerhaften Bebauungsplans erließ das Verwaltungsgericht im Sommer 2009 einen Baustopp für 16 fast fertige Reihenhäuser am Rande des Künstlerviertels. Grund waren der mangelnde Brand- und Lärmschutz. Die Häuser haben teilweise nur zwei Meter Abstand zu einer Holzlagerhalle des benachbarten Holzhändlers Blum.

Die Stadt sieht ihren Fehler nicht ein, geht in die nächste Instanz und bekommt Ende 2009 vom Verwaltungsgerichtshof erneut eine Klatsche: Der Baustopp wird bestätigt. Der dort seit über 100 Jahren ansässige Holzhändler könne nicht per Bebauungsplan fortgejagt werden. Mit 2,5 Millionen Euro hat die Stadt schließlich alle 16 Hausbauer entschädigt und besitzt seitdem 15 Neubauruinen.

Die Stadt hoffe, dass mit einer Lärmschutzwand und einer Feuerwehrzufahrt doch noch zwei oder drei der vier Reihenhausreihen fertiggestellt und bewohnt werden könnten, sagt der Planungsreferent des Baudezernats, Thomas Schwendler. Diese hätten voraussichtlich genügend Abstand zu der Holzlagerhalle.

Denn der Holzhändler wird voraussichtlich dort bleiben. Ein Wegzug hat sich erledigt, weil die Stadt ihm nie ein geeignetes Grundstücke angeboten hat, bis heute nicht. Dabei will Inhaber Ulrich Blum seit Jahren den Familienbetrieb erweitern um eine neue Zuschnitthalle, einen Fachmarkt und ein neues Verwaltungsgebäude. Er hatte auch eine Zusage für das angrenzende Gelände, doch dann begann dort der Bau der 16 Reihenhäuser. Vermutlich wird er nun das noch freie Grundstück zwischen dem neuen Kindergarten und Schule für seine Erweiterung nutzen. Entschädigt wurde Blum übrigens nie.

Besser sieht es auf der gegenüberliegenden Seite des Künstlerviertels aus. Hier befindet sich die Gehwegreinigungsfirma Tress. Firmeninhaber Peter Tress will nach Schierstein umsiedeln, verhandelt aber noch über ein Grundstück. Wann er wegziehe, konnte Tress nicht abschätzen. Vorher darf das von der Baufirma Baustolz gekaufte angrenzende Grundstück nicht mit Häusern bebaut werden.

Die Stadt verklagt derweil die Baufirma Bien Zenker auf Schadenersatz, weil diese den Häuserbau voreilig begonnen habe. Zwei der 16 Klagen wurden schon verloren.

Der für das Bau-Fiasko verantwortliche Baudezernent Joachim Pös (FDP) ist derweil seit September nicht mehr im Amt. Aber nicht wegen des verpfuschten Bebauungsplans, sondern weil seit der Kommunalwahl CDU und SPD im Parlament die Mehrheit haben. Pös, der bis heute den Bebauungsplan als korrekt befindet, unterrichtet wieder als Professor an der FH Frankfurt – öffentliches Baurecht. (byb)

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