1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Künstler in Walkmühle besorgt

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Sanierungsbedürftig: die Gebäude der Walkmühle.
Sanierungsbedürftig: die Gebäude der Walkmühle. © Michael Schick

Die Walkmühle soll zu einem Kultur- und Naherholungszentrum ausgebaut werden. Doch bei den Künstlern, die in dem Industriedenkmal arbeiten, herrscht Skepsis vor. Die Zusammenarbeit zwischen der Gesellschaft WIM Liegenschaftsfonds laufe nicht gut, klagen sie.

Von Marion Ziegler

Noch geht es ruhig zu im Wiesbadener Bornhofenweg. Knatternde Lastermotoren und rhythmische Hammerschläge sollen aber durch die Walkmühle schallen, sobald eine Baugenehmigung vorliegt. Dann will die Wiesbadener Gesellschaft WIM Liegenschaftsfonds Fassaden und Dächer sanieren, die Haustechnik grundlegend erneuern und Sanitäreinrichtungen einbauen. Das äußere Erscheinungsbild des mehr als 270 Jahre alten Industriedenkmals Walkmühle soll sich nicht wesentlich verändern, teilt die WIM mit. Nur einige Gebäudeteile werde man zurückbauen.

Diese Pläne hat die Gesellschaft Anfang Dezember im Revisionsausschuss vorgestellt. Alle drei Monate muss die WIM die Stadt dort über den aktuellen Stand in der Sache „Walkmühle“ informieren. Mit dem Baubeginn rechnet WIM Liegenschaftsfonds-Geschäftsführer Erik Schaab im kommenden Frühjahr.

Besorgt ist unterdessen Wulf Winckelmann. Die Zusammenarbeit mit WIM laufe eher nicht gut, sagt der Vorsitzende des Künstlervereins Walkmühle. Er erinnert an ein vom Wiesbadener Kulturdezernat erarbeitetes Konzept: Es sehe vor, dass WIM, Künstlerverein und Kulturamt bei der Sanierungsplanung eng zusammenarbeiten. In manchen Teilen habe das bislang geklappt, in anderen nicht.

Dabei unterscheide die WIM nach Angaben von Winckelmann zwischen kulturell und nicht kulturell zu nutzenden Flächen. Ein Plan für die kulturellen Flächen sei zusammen erarbeitet worden. Auf rund 1670 Quadratmeter der insgesamt etwa 4800 Quadratmeter sollen mindestens zwölf Künstlerateliers, eine kombinierte Wohn- und Ateliereinheit für einen Künstleraustausch und Räume für öffentliche Veranstaltungen entstehen, wie Winckelmann aufzählt.

„In die Planung zur Nutzung der ‚nicht-kulturellen Flächen‘ ist der Verein von der WIM leider überhaupt nicht einbezogen worden“, kritisiert er. Dabei sei es immer das Ziel des Vereins gewesen, die Walkmühle als Einheit zu konzipieren – „als eine sich gegenseitig ergänzende Mischung aus Bildender Kunst, Kreativwirtschaft und öffentlichem Raum.“

Grob betrachtet stimmen die Pläne der WIM damit überein. Sie hält sich nach dem Treffen im Revisionsausschuss bei Nachfragen zur geplanten Nutzung aber kurz: „Genutzt werden soll die Walkmühle als Zentrum für Kultur und Naherholung.“ In der Ausschusssitzung sei es um Fragen der Mietentwicklung und der zukünftigen Mieterschaft gegangen. Wie viel Miete einmal für die Räume in der Walkmühle fällig sei, stehe derzeit noch nicht fest, teilt die WIM mit.

Den aktuellen Plänen zufolge solle das Kulturdezernat Teile der Walkmühle einmal anmieten, sagt Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz (CDU). Das sei aber nur möglich, wenn die ansässigen Künstler Miete zahlten – was ihnen wiederum nicht möglich sei. „Deswegen muss man über Zuschüsse reden“, sagt die Stadträtin und verweist damit auf die Haushaltsverhandlungen, die Anfang des kommenden Jahres beginnen.

„In der Walkmühle ist seit vielen Jahren eine Art Künstlerkolonie geplant“, sagt Scholz. Sie soll Raum für Kulturschaffende bieten, besonders für junge Künstler; der Schwerpunkt liege auf der Kunst. „Ich bin eine große Unterstützerin des Künstlervereins“, sagt Scholz. Die Planer von der WIM müsse man allerdings auch verstehen.

Verständnis hat auch Wulf Winckelmann – zum Beispiel dafür, dass eine Sanierung die Bereitschaft zu Kompromissen im laufenden Betrieb erfordere. „Eine diesbezügliche Kooperation sieht unseres Erachtens allerdings anders aus“, sagt er. Zwar gebe es ein gewisses Maß an Zusammenarbeit, der WIM-Vorstand sei aber zu Problemgesprächen nicht bereit. „Wir haben zunehmend das Gefühl, dass die Aufrechterhaltung des kulturellen Betriebes und der Arbeitsplätze für die Künstler in der Walkmühle von der WIM lediglich als Hindernis bei der Sanierung angesehen und nicht als wesentlicher Bestandteil des von der Stadt verabschiedeten Gesamtkonzeptes akzeptiert wird“, sagte Winckelmann.

Er macht seine Bedenken an einigen Begebenheiten fest: Eine Ausstellung habe der Verein wegen Platzeinschränkungen kurzfristig absagen müssen, für eine andere Ausstellung habe die WIM das Gutachten eines Statikers auf Kosten der Künstler gefordert und einem Künstler sei vor kurzem der Mietvertrag ohne geeigneten Ersatz gekündigt worden. Der Zuschuss zur künftigen Miete ist für die Künstler der Walkmühle dringend nötig, wie Winckelmann beschreibt. Müssten sie ihre Miete ohne Zuschuss der Stadt selbst bezahlen, dann bedeute das für Winckelmann das Ende des Projekts in der Walkmühle.

Auch interessant

Kommentare