WI-Bild_120820
+
OB Gert-Uwe Mende und die künftige WVV-Geschäftsführerin Bernadette Boot.

Wiesbaden

Künftige Führung des Stadtkonzerns ist weiblich

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
    schließen

Bernadette Boot wird in der Landeshauptstadt Wiesbaden WVV-Geschäftsfüherin und die Politik ist sich ausnahmsweise einig.

Die künftige Führung der Wiesbaden-Holding ist weiblich, CDU-Mitglied und Juristin. Wenigstens die Parteimitgliedschaft scheint im Gegensatz zu früheren Geschäftsführer-Vergaben dieses Mal keine Rolle zu spielen. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) versichert, dass Bernadette Boot nur aufgrund ihrer Kompetenzen ausgewählt wurde, wie das im Beteiligungskodex vorgesehen sei. Auch CDU, SPD und Grüne, die im Rathaus eine Kooperation bilden, loben das Besetzungsverfahren einmütig.

Der aktuelle Geschäftsführer Rainer Emmel wird zwar erst im Sommer 2021 in den Ruhestand gehen. Dennoch wurde seine Nachfolgerin schon jetzt vorgestellt. Bernadette Boot, zurzeit Prokuristin und Leiterin für Kommunale Beziehungen und Sonderprojekte bei der Süwag AG, tritt im April ihre Stelle in Wiesbaden an. Mende erhofft sich von ihr, die Wirtschaftlichkeit der öffentlichen Daseinsvorsorge zu sichern. Die Holding ist die Muttergesellschaft mehrerer Gesellschaften in den Bereichen Wohnen, Verkehr, Versorgung und etlichem mehr. Boot bringe die erforderliche wirtschaftliche und politische Kompetenz für den Posten mit, sagt Mende, den die Personalie freut. Boot wird eine der wenigen Frauen sein, die in der Wiesbadener Politik und den Gesellschaften das Sagen haben. Der Magistrat besteht nur aus Männern.

In Wiesbaden ist Einigkeit bei der Geschäftsführervergabe nicht selbstverständlich. 2019 tobte ein Streit über die Vergabe der Chefposten, weil die Geschäftsführer wie viele Jahre üblich nach Parteizugehörigkeit unter CDU und SPD aufgeteilt wurden. Die WVV hatte daher bis vor zwei Jahren zwei Chefs: Rainer Emmel (SPD) und Ralph Schüler (CDU). Letzterer musste wegen des Verdachts, die Position privat ausgenutzt zu haben, gehen. Ob es künftig bei nur einer WVV-Chefin bleibt, ist noch nicht ausgemacht.

Die 48-jährige Boot begann ihre Laufbahn 2003 als Staatsanwältin, wechselte 2005 ins „politiknahe Umfeld“, wie sie es nennt, und wurde Referatsleiterin im Wissenschaftsministerium bei Udo Corts und später persönliche Referentin des Frankfurter Stadtkämmerers Uwe Becker. 2009 bis 2013 war sie Bereichsleiterin bei der Frankfurter Stadtwerke-Holding, bevor sie in die Konzerngesellschaft Süwag wechselte.

Die WVV übernimmt Boot in schwierigen Zeiten. Emmel kündigte an, dass die Sparten Verkehr (minus 8 bis 10 Millionen Euro), Energie (minus 3 bis 4 Millionen) und Wohnen (zweistelliges Minus) coronabedingt weniger Geld einnehmen werden, so dass sich die Ausschüttung 2020 an die Stadt auf etwa zehn Millionen halbieren werde.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare