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Das Bündnis Stadtklima hält Mahnwache. Dennoch wird die Bürostadt am Schiersteiner Hafen beschlossen.

Wiesbaden

Kritik an Bürostadt

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Gegen die Bebauung auf dem ehemaligen Schiersteiner Industrieareal gibt es in Wiesbaden Widerstand.

Für den Baudezernenten Hans-Martin Kessler (CDU) sichert der Bebauungsplan für den Schiersteiner Osthafen das bestehende Gewerbe und schafft neue Arbeitsplätze. Mehrere Bürogebäude in unterschiedlicher Höhe sollen auf der Wiese am Rheinufer entstehen, auf der vor Jahren Industriebetriebe heimisch waren. Schierstein soll sich damit vom Industrie- zum Bürostandort wandeln.

Zuletzt wurde vehement um das Neubaugebiet Ostfeld gestritten. Vor allem klimatische Auswirkungen auf angrenzende Stadtteile und noch mehr künftige Tropennächte befürchten die Gegner. Die Bürostadt Schiersteiner Osthafen trifft ähnliche Kritik. Der Schiersteiner Ortsbeirat und die Bürgerinitiative Zukunft Schierstein sehen im Bebauungsplan die Probleme unserer Zeit nicht berücksichtigt. Die Bauten seien zu hoch, die versiegelte Fläche zu groß und die Durchlüftung zu schlecht, lautet die Kritik des Ortsbeirats. Zukunft Schierstein möchte, dass gar nicht mehr gebaut wird, um zu verhindern, dass sich Schierstein im Sommer noch mehr aufheizt.

Über zehn Jahre haben die Planer an dem Bebauungsplan gearbeitet. Zuletzt hat die Kooperation von SPD, CDU und Grünen im Rathaus noch die maximal zulässige Gebäudehöhe auf 21,90 Meter heruntergesetzt; das ist knapp unterhalb der Hochhaushöhe von 22 Metern. Und die Gebäudelänge wurde auf 50 Meter begrenzt. Der massige Gebäuderiegel von über 70 Metern soll nicht mehr möglich sein. Breite Wege zwischen den Gebäuden sind vorgesehen. „Mit ihrer differenzierten Höhenstaffelung und den zum Hafen vorgelagerten Freiräumen entsteht eine lebendige Silhouette am Hafen“, erläutert Kessler den Kompromiss, der als Reaktion auf die Bedenken des Ortsbeirats zustande kam.

Bürger sollen mitreden

Die Stadtverordneten haben mit dem Bebauungsplan auch beschlossen, dass die beauftragte städtische Entwicklungsgesellschaft SEG in einem Gesellschaftervertrag mit künftigen Investoren weitere Details festlegt. So soll bei einem Verkauf städtischer Flächen sichergestellt werden, dass kein Hochhaus gebaut werden darf und die Gebäudelänge begrenzt bleibt. Außerdem haben die Grünen durchgesetzt, Bäume im Hafenumfeld zu pflanzen, mehr Fußwege zu bauen und zu prüfen, welche Flächen entsiegelt werden können.

Aber das überzeugt die Kritiker nicht. „Die Welt hat sich inzwischen rasant weitergedreht, und die lange Entwicklungszeit lässt den Plan leider schon wieder alt aussehen“, sagte Urban Egert (SPD) im Ortsbeirat in Anspielung auf die Klimadebatte und veränderte Arbeitsbedingungen durch Corona. Einer maßvoller Bebauung bis zum Hafenweg hätte er zustimmen können, aber nicht der jetzigen. Nun möchte der Ortsbeirat das städtische Rechtsamt fragen, welche Rechtskraft die Gesellschafterverträge haben.

Zukunft Schierstein fordert den Oberbürgermeister auf, dass die Schiersteiner und Schiersteinerinnen in einer Bürgerbeteiligung mitbestimmen können, wie die städtischen Grundstücke bebaut werden.

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