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Die Krise lässt noch auf sich warten

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Arbeiter protestieren beim Wiesbander Autozulieferer Federal Mogul - mit Erfolg.
Arbeiter protestieren beim Wiesbander Autozulieferer Federal Mogul - mit Erfolg. © FR/Schick

Die Industrie- und Handelskammer sieht Wiesbaden in der Wirtschaftskrise gut aufgestellt. Der DGB jedoch befürchtet: "Der dicke Hammer kommt noch".

Die Wirtschaftskrise nagt an den Unternehmen wie die derzeitige Kälte an den Knochen der Menschen. Da klingt es schon fast paradox, wenn Rolf Hildner, Chef der Wiesbadener Volksbank, bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz sagt: "Wir hatten ein außerordentlich gutes Geschäftsjahr."

Ein schlechter Witz? Mitnichten. So stieg etwa die Bilanzsumme im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 Prozent auf 3,11 Milliarden Euro. Und anstatt Personal abzubauen, wurden sogar drei neue Mitarbeiter eingestellt.

Auch wenn dieser Tage außerhalb der Volksbank nur in den wenigsten Unternehmen die Sektkorken knallen dürften - in Wiesbaden hat die Krise im vergangenen Jahr dennoch längst nicht so schlimme Spuren hinterlassen wie befürchtet. "Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt ist die konjunkturelle Situation bei uns ziemlich gut", sagt Gordon Bonnet von der Industrie- und Handelskammer.

Auch wenn es noch keine genauen Zahlen bezüglich Beschäftigung und Auftragslage für das abgelaufene Geschäftsjahr gebe - die Stimmung unter Wiesbadens Unternehmen sei relativ entspannt. "Dank dem Instrument der Kurzarbeit kam es nirgendwo zu vielen Entlassungen." Hierfür gebe es verschiedene Gründe, so Bonnet: "Der lebenswerte Charakter der Stadt, die perfekte Infrastruktur in der Region, ein gesunder Branchenmix mit vielen namhaften Unternehmen und zahlreiche gewährte Kredite." Versicherungen, Dienstleistungsbranche und Bauwirtschaft seien glimpflich davon gekommen, besonders gut habe sich hingegen der Einzelhandel behauptet.

"Die Kauflaune der Menschen hat nämlich nicht abgenommen", so Bonnet. Dafür wird an anderen Stellen gespart, beispielsweise bei Restaurantbesuchen und Hotelübernachtungen. "In diesen Wirtschaftsbereichen gab es in der Tat schwerer wiegende Einbußen", resümiert der IHK-Sprecher.

Und wie geht es weiter? Laut einer kürzlich erhobenen IHK-Umfrage sehen Wiesbadens Unternehmen optimistisch in die Zukunft. "Wir rechnen für das kommende Jahr mit einem Wachstum von zwei Prozent", so Bonnet. Ersten Erkenntnissen zufolge zeichne sich schon jetzt eine Verbesserung der Auftragslage ab.

Die Arbeitnehmer sind hingegen nicht ganz so optimistisch, was angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit nicht verwundert: 11097 Menschen waren im vergangenen Dezember arbeitslos gemeldet - 953 mehr als im Vorjahr. "Legt man die Wachstumsprognose der Bundesregierung von 1,2 Prozent zugrunde, dann erwarten wir in Wiesbaden für das laufende Jahr 2175 Arbeitslose mehr", erklärt Harald Fiedler, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) für die Region Rhein-Main. "Fest steht: Der dicke Hammer kommt erst noch." Denn die Krise sei noch lange nicht überwunden, die Reserven der Unternehmen hingegen langsam aufgebraucht. Außerdem hätten Instrumente wie die Abwrackprämie die Auswirkungen der Krise nur verzögert.

An der pessimistischen Einschätzung scheint etwas dran zu sein - denn selbst bei der Wiesbadener Volksbank wird die Feierlaune durch die düstere Prognose ihres Vorsitzenden Rolf Hildners etwas getrübt: Aufgrund der Probleme im gewerblichen Mittelstand "müssen wir mit höheren Verlusten rechnen". (babe)

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