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Krimis und Filmkulissen

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Von: Jens Joachim

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Drehort Kurhaus: Schauspieler Leipziger, Sittler, Baum (v.l.)
Drehort Kurhaus: Schauspieler Leipziger, Sittler, Baum (v.l.) © Michael Schick

Ein neu konzipierter Stadtrundgang führt Touristen zu Drehorten in Wiesbaden. In der Landeshauptstadt entstanden Klassiker wie „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“.

"Achtung Aufnahme – und los!“ Es geht unspektakulär zu auf dem Bowling Green vor dem Kurhaus. Regisseur Jan Hass gibt ein knappes Kommando, dann hält er ein Mikrofon vor die Filmkamera, die sein Kollege Julian Wulf bedient. Vor der Kamera steht Marcus Niehaves, der eigentlich beim ZDF für das Wirtschaftsmagazin Wiso arbeitet. Für den Action-Thriller „Reborn Lost“, der im Frühjahr 2016 in Wiesbaden Premiere hat, mimt der Fernsehjournalist jedoch einen Reporter, der einen „bahnbrechenden Fortschritt auf dem Gebiet der Kalten Fusion“ zu verkünden hat. Mehr als ein dutzendmal moduliert der Journalist und Schauspiel-Novize die zwei Sätze, die er lernen musste, bevor Hass und Wulf zufrieden sind und die letzte Szene des Films im Kasten ist.

In den vergangenen zwei Wochen haben die beiden jungen Filmemacher in einer größeren Besetzung auch im Kurhaus und an weiteren Schauplätzen – wie in der Präsidentensuite des Dorint-Hotels, an Bahngleisen sowie in luxuriös ausgestatteten Wohnungen über den Dächern der Stadt – zig Filmszenen mit den Schauspielern Tobias Licht („Der Bulle von Mallorca“), Henning Baum („Der letzte Bulle“) und Walter Sittler („Der Kommissar und das Meer“) aufgenommen. Der 30-minütige Thriller, der in englischer Sprache produziert wird, soll das Publikum von internationalen Filmfestivals erreichen, sagt Hass, der auch geschäftsführender Gesellschafter der in Wiesbaden ansässigen Filmproduktionsfirma Think Plastic ist.

Das imposante Kurhaus-Portal, das auch im neuen Thriller zu sehen sein wird, ist spätestens seit der wilden Schießerei des preisgekrönten Tatorts „Im Schmerz geboren“ vielen Fernsehzuschauern bekannt und in lebhafter Erinnerung.

Klassiker

Schauspieler Ulrich Tukur ermittelt im Wiesbaden-Tatort des Hessischen Rundfunks als Kommissar Felix Murot, während seit 2005 die Folgen der ZDF-Serie „Der Staatsanwalt“ mit Rainer Hunold in der hessischen Landeshauptstadt von Odeon TV gedreht werden. Und auch Hunolds Schauspielkollegin Lisa Wagner ist seit 2014 als „Kommissarin Winnie Heller“ ebenfalls in und rund um Wiesbaden im Einsatz.

Schon Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Stadt als Drehort für Filme rege genutzt worden. Hier entstanden Klassiker wie „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ mit Romy Schneider oder die Verfilmung des Romans „Die Buddenbrooks“. Der Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent Volker Schlöndorff sagt über seine Geburtsstadt: „Filme werden nicht die Welt verändern, aber die Wahrnehmung der Welt. Und im Fall von Wiesbaden geht es auch darum, die Wahrnehmung der Stadt zu verändern.“

Die vielen Sehenswürdigkeiten, Villen und Parks sowie die Nähe zu Rhein und Main macht Wiesbaden „zur gefragten Kulisse für Film- und Fernsehproduktionen“, sagt Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel (CDU). Weil die Stadt inzwischen vermehrt als Drehort für Krimis genutzt werde, wolle die Stadt nun diese „Tatorte“ intensiver touristisch vermarkten, so Bendel.

Unter dem Motto „Von Klein-Hollywood zu Staatsanwalt und Tatort“ hat die Marketinggesellschaft einen geführten Stadtrundgang konzipiert und eine kleine Broschüre veröffentlicht. Touristen sollen auf diese Weise Einblicke in die Filmgeschichte der Stadt erhalten sowie verschiedene Drehorte und deren Hintergrundgeschichten kennenlernen.

Erstmals wird die anderthalbstündige Stadtführung, die auch für Gruppen gebucht werden kann, am Sonntag, 15. November, angeboten. Start ist um 14 Uhr an der Tourist Information, Marktplatz 1. Die Teilnahme kostet 9,50 Euro. Zudem bietet die Marketinggesellschaft unter dem Motto „Von der Spielfilmkulisse zur Krimistadt“ eine Reise mit einer Hotelübernachtung an.

Informationen und Buchung unter Telefon: 0611 / 1729-703 und -777.

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