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Kriminalitätsrate steigt leicht an

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Beamte, die Bodycams tragen, werden seltener angegriffen. Das sagt die aktuelle Polizeistatistik.
Beamte, die Bodycams tragen, werden seltener angegriffen. Das sagt die aktuelle Polizeistatistik. © Michael Schick

Die Wiesbadener Polizei verzeichnet 2015 mehr Straftaten als im Vorjahr. Dafür ist die Aufklärungsquote jedoch so hoch wie nie.

Von Tim Niendorf

Die Kriminalitätsrate in Wiesbaden ist im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2014 um 1,9 Prozent angestiegen. Dies teilte das Polizeipräsidium Westhessen am Mittwoch in der Landeshauptstadt mit. Aus der neuen Kriminalitätsstatistik geht hervor, dass insgesamt 24 194 Straftaten verübt wurden. Die Aufklärungsquote liegt mit 60,2 Prozent dafür auf dem bisher höchsten Niveau seit Einführung der statistischen Erhebung im Jahr 1971. 2005 hatte sie noch bei 49,6 Prozent gelegen.

Durch Festnahmen von Serientätern sank die Zahl der Einbrüche in Kellern und Dachböden sowie der Fahrraddiebstähle. 2014 hatte es in diese n Bereichen noch große Anstiege gegeben.

Kein Grund zur Sorge

Stefan Müller, Polizeipräsident für Westhessen, berichtet, dass die Sorge vor Straftaten in der Bevölkerung wächst und vermehrt Pfefferspray und Kleinwaffen gekauft werden. Polizeidirektor Malte Neutzler machte jedoch klar, dass man sich in Wiesbaden heute nicht mehr Sorgen machen müsse als früher.. „Die Zahl der Straßendelikte beeinflusst das Sicherheitsgefühl. Diese ist aber erheblich gesunken“, so Neutzler. Sie liege derzeit auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Als Gründe für den Erfolg nannte er einen erhöhten Kontrolldruck, die Kooperation mit dem Haus des Jugendrechts und das Konzept „Sichere Innenstadt / Kulturpark“. Auch wenn diese Maßnahmen viel Personal erfordern, wolle man sie fortführen. „Wir erhalten sehr positive Reaktionen aus der Bevölkerung“, erklärte Neutzler. Besorgt zeige man sich jedoch über eine Zunahme an Straftaten gegen die eigenen Kollegen. Diese stiegen um ein Viertel an. „Das ist in keiner Weise akzeptabel.“

Man werde daher den Einsatz sogenannter Body-Cams ausweiten. Bislang seien diese nur in einem Pilotprojekt eingesetzt worden. In den 75 Fällen, in denen sie 2015 eingesetzt wurden, seien Angriffe auf Polizisten ausgeblieben. „Wir haben die Vision, dass bald jede Streife eine Kamera bei sich führt“, so der Polizeidirektor.

Kriminaloberrätin Claudia Josefs zeigte sich erfreut, dass man bei Tötungsdelikten eine hundertprozentige Aufklärungsquote aufweisen kann. Zudem weise man erste Erfolge im Bereich Autodiebstähle auf, wofür man eine Arbeitsgruppe eingesetzt habe. Sie untersuche besonders schwere Fälle von Diebstahl und könne Täterstrukturen feststellen.

Josefs warnte auch Senioren davor, auf Trickbetrüger hereinzufallen: „Es gibt Kriminelle, die es gezielt auf Senioren abgesehen haben.“ Präventionsmaßnahmen hätten aber bereits gefruchtet. „Im Vorjahr haben wir nur drei Fälle verzeichnet. Doch alleine dadurch entstand ein Schaden von 70 000 Euro“, so die Kriminaloberrätin.

„Es gibt keinen Maulkorb“

Polizeipräsident Müller machte noch deutlich, dass es bei Flüchtlingen keine besonderen Auffälligkeiten gebe, man jedoch ein bis zwei Mal pro Nacht in eine Unterkunft gerufen werde. „Das liegt daran, dass dort viele Menschen aufeinander hängen. Das führt zu Streitereien.“

Wenn es zu Straftaten komme, wäge man jedes Mal ab, ob man die Herkunft der Täter nenne. Bei einfachen Streitereien sei das nicht nötig. „Es gab aber keinen Maulkorb von oben“, so Müller.

Im Hinblick auf die nächsten Monate nannte der Polizeipräsident drei Ziele: „Wir müssen mehr Polizisten auf Straßen bringen, beim Staatsschutz hellwach sein und das rechte Klientel im Auge behalten.“

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