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Wiesbaden

Kreativzentrum in der Stadt

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Eine Rückkehr zu den Wurzeln: Die Hochschule Fresenius zieht zum Sommersemester mit einigen Fachbereichen nach Wiesbaden.

Für die Hochschule Fresenius ist der Umzug einiger Fachbereiche so etwas wie eine Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Carl Remigius Fresenius, der heute vor 200 Jahren in Frankfurt geboren wurde, gründete 1848 in der Wiesbadener Kapellenstraße sein erstes „Chemisches Laboratorium Fresenius“. Dort tüftelte er mit Substanzen und neuartigen Gerätschaften, um zu erfahren, wie Stoffe zusammengesetzt sind. Seine Analysen von Wasser, Wein und Lebensmitteln machten ihn weltberühmt. Aus dem Laboratorium ging später die Hochschule hervor.

171 Jahre später, im März 2019, wird die Hochschule einen Teil ihres Lehrangebots dorthin zurückverlegen. Nicht in die Kapellenstraße, wo das Laboratorium längst nicht mehr steht, sondern in die Moritzstraße 17, also mitten in die Innenstadt.

Noch arbeiten die Handwerker am Innenausbau des neuen Gebäudes. Die Fenster sind schon eingebaut, die Fußböden stehen noch an. Der Innenhof ist eine Betonwüste. Das wird sich ändern. Die Hochschule verspricht eine Bepflanzung und viele Fahrradstellplätze.

Zum Sommersemester sollen die Fachbereiche Wirtschaft & Medien sowie Design vom Hauptstandort der Hochschule in Idstein dort einziehen, zum Wintersemester die Akademie für Mode und Design dazukommen und später der Fachbereich Psychologie folgen. Mit 1000 Studenten rechnet die Hochschule bis Jahresende am Standort. Die Stadt erhofft sich neuen Schwung für die Gründerszene und mehr studentisches Leben. In der Nähe plant die hessische Heimstätte ein Studentenwohnheim.

„Das Gesamtkonzept weist den Weg in die Moderne“, sagte Hochschulpräsident Tobias Engelsleben beim Richtfest. In Wiesbaden soll es nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um Persönlichkeitsentwicklung und Horizonterweiterung gehen. Für all dies werde Platz benötigt. „Das Areal am Alten Gericht soll sich zu einem Kreativzentrum in der Stadt entwickeln“, sagt Ann-Kristin Lauber, Standortleiterin der Hochschule in Wiesbaden. Neben dem unter Denkmalschutz stehenden Alten Gericht sei Platz für Veranstaltungen und zum Netzwerken. Was aus dem Alten Gericht wird, ist allerdings noch offen; es steht seit Jahren leer.

Die Hochschule plant einen offenen Campus. Der Bürgersaal, in dem bereits der 200. Geburtstag des Gründers vorgefeiert wurde, soll auch öffentlich genutzt werden können. Mit der Mensa ist bereits eine innovative Netzwerk-Kooperation gelungen, bevor aufgetischt wird. Betrieben werden soll die Mensa vom Heimathafen, Anbieter von Co-working Spaces und Anlaufpunkt der Gründerszene, gemeinsam mit den Wiesbadener Hofköchen, die sich auf niveauvolles Catering spezialisiert haben. Die Mensa soll Dreh- und Angelpunkt des Hochschullebens werden und „nicht nur sattmachen, sondern auch hungrig auf Neues und auf das Gründen von Unternehmen“, sagt Heimathafen-Geschäftsführer Dominik Hofmann. Das „Raum im Raum“-Konzept bietet Gelegenheit zum konzentrierten Arbeiten.

Die neue Hochschule bleibt damit ihrem Gründer treu. Der Vater der analytischen Chemie habe von Beginn an einen großen Praxisbezug bewiesen, und der Ausbildungsgedanke habe im Fokus gestanden, teilt das Unternehmen mit. In den ersten 100 Jahren seien dort 5000 junge Menschen ausgebildet worden, etwa 2200 von ihnen von Fresenius persönlich. Es sei dem Gründer wichtig gewesen, dass die Schüler nicht nur Wissen anhäuften, sondern den Stoff hinterfragten und weiterentwickelten. Fast jeder Dritte sei aus dem Ausland gekommen. Und von 1908 an seien Frauen aufgenommen worden.

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